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Steiner & Madlaina - Wünsch mir Glück

Steiner & Madlaina- Wünsch mir Glück

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 12.02.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Viel Glück

110 Konzerte in einem Jahr, auf Bühnen vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist eine ganze Menge. Das sind noch viel mehr Tage auf Tour als nur 110. Etliche Nächte und Tage in Tourbussen auf Autobahnen, dann auftreten mal als Vorband, mal als Headliner und mal auf Festivals. Zeit zum Schreiben von Songs immer mal so zwischendurch. Das Aufnehmen der Songs aber, das braucht Zeit. Dafür konnte die konzertfreie Zeit 2020 dann genutzt werden. "Wünsch mir Glück" ist das zweite Studioalbum, das die beiden Schweizerinnen Nora Steiner und Madlaina Pollina veröffentlichen.

Sie thematisieren auf dem elf Stücke langen Tonträger einige der großen Probleme unserer Gesellschaft, wie den Sexismus und das Versagen der Menschheit, vor allem in ihrer Heimat, der Schweiz, durch das Nichtstun, das Zusehen bei Menschenrechtsverletzungen und das Schulterzucken, bei Dingen, die außerhalb der eigenen Staatsgrenze passieren, weil es das eigene Land, in seiner überheblichen Neutralität, vermeintlich nicht betrifft. Und sie behandeln auch die kleinen Themen, die eigene Trennung oder das eigene Verlangen. Der Opener des Albums "Es geht mir gut" scheint musikalisch erstmal ein Song der guten Laune zu sein. "Zu faul für jegliche Debatten / Bleib ich bei 40° im Schatten" regt aber das schlechte Gewissen des Hörers an, während eigentlich bewusst ist, "was rundherum der Mensch so tut". In "Heile Welt" wird die bereits oben angesprochene Schweizer Gesellschaft, in ihrer Isolation, kritisiert. "Damit unsere heile Welt / Noch eine Weile hält / Halten wir uns raus / Nur so fühl'n wir uns zu Haus."

"Wenn ich ein Junge wäre (Ich will nicht lächeln)" erinnert klanglich an die Neue Deutsche Welle und zerlegt wütend die teils immer noch bestehende Sicht auf die Frau, die so sehr nervt. "Wenn ich ein Junge wäre / Würde man mir mehr zutraun' / Und wer bestimmt das Rollenbild der Frau". "So schön wie heute" ist ein gemütlicher Song über das Erwachsenwerden. "Ciao bella" schlägt in eine ähnliche Kerbe, wie schon "Wenn ich ein Junge wäre", nämlich das Unrecht gegenüber Frauen. Hier versetzt man sich in einen sexistischen Mann. "Oh bella, ciao bella / Komm und mach mein Leben schöner" wird der Anspruch dieses Mannes an die Frauen im Refrain deutlich. Er regt sich gleichzeitig auf über Frauen in Führungspositionen, erklärt Rechtfertigungen für niedrigere Bezahlung der Frauen und das "Risiko" bei der Einstellung aufgrund einer möglichen Schwangerschaft. Der Titelsong ist eine von der Gitarre begleitete Geschichte zweier Menschen, die Zuneigung fürs Gegenüber spüren und bei denen es trotzdem nicht für mehr reicht.

Die beiden in Zürich aufgewachsenen Schweizerinnen singen auf ihrem neuen Album nur auf Deutsch. Englische Stücke, wie noch auf dem Debüt, gibt es nicht. Musikalisch bewegt man sich auf ähnlichen Pfaden. Die Musik ist nach wie vor verspielt und ihre angenehmen Stimmen spielen mit. Drums und die dominante Gitarre bringen mit unterschiedlichen weiteren Begleitern, wie zum Beispiel einem Chor im Hintergrund, einen abwechslungsreichen Sound, der irgendwo in der Umgebung des Indie-Folks einzuordnen ist. Und der oft, allerdings leider nicht immer überzeugt. Die beiden charismatischen Frauen haben elf Songs geschaffen, die mit Kritik, auch an sich selbst, nicht geizen und einen Sound der dies nicht immer vermuten lässt. Bleibt ihnen zu wünschen, dass sie bald wieder das Glück haben auf der Bühne zu stehen.

(Paul Milde)

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Highlights

  • Heile Welt
  • Ciao bella

Tracklist

  1. Es geht mir gut
  2. Prost mein Schatz
  3. Heile Welt
  4. Denk was Du willst
  5. Und die bin ich
  6. Wenn ich ein Junge wäre (Ich will nicht lächeln)
  7. So schön wie heute
  8. Ciao bella
  9. Klischee
  10. Wünsch mir Glück
  11. Casanova

Gesamtspielzeit: 41:24 min.

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User Beitrag

kapomuk

Postings: 60

Registriert seit 25.08.2014

2021-02-14 10:52:52 Uhr
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fakeboy

Postings: 741

Registriert seit 21.08.2019

2021-01-28 16:30:29 Uhr
Uff, furchtbar anstrengende Musik. Die Verwandtschaft mit dem ebenfalls schrecklichen Faber macht sich negativ bemerkbar...

myx

Postings: 1740

Registriert seit 16.10.2016

2021-01-27 21:05:42 Uhr
Kleiner Hinweis: Die Surftipps in der Rezi funktionieren nicht.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19406

Registriert seit 08.01.2012

2021-01-27 20:48:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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