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Milliarden - Schuldig

Milliarden- Schuldig

Zuckerplatte / The Orchard
VÖ: 05.02.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Noch Punsch im Schrank

Warum machen manche es einem so schwer? Was im Sozialen am komplexen Zusammen- oder Gegenwirken von Charakter-Eigenschaften liegt, ist auf die Musik bezogen fast rätselhaft. "Ich bin wie Du / Du bist wie ich / Warum lieben wir uns nicht?", fragen Millarden auch gleich in ihrer Folk-Pop-Hymne "Himmelblick", und auch wenn der Rezensent wohl kein Seelenverwandter der Jungs an den Instrumenten ist, bleibt das Dilemma doch, dass das hier eigentlich Meyer-Musik sein müsste – zumindest grundlegend. Besagtes Stück klingt inmitten seiner Millenial-Problemblase zwar nicht wirklich kalkuliert, auch die Instrumentierung ist mehr als passabel, aber der Funke mag das Feuer nicht entfachen. So weit, so bekannt. Alles also weiterhin "so egal", auch in Bezug auf "Schuldig", das dritte Album von Milliarden?

Zunächst gilt: Milliarden fallen auf, trotz nachvollziehbarem Nerv-Faktor aber keineswegs negativ. Sie punkten mit Ben Hartmanns feiner Reibeisen-Stimme, mit zwar kaum komplexem, aber passablem Songwriting, das sich auch auf die Klavier-Ideen von Johannes Aue stützt, Part zwei des Duos. Dazu gibt's immer mal bräsige Gitarren und hin und wieder auch die in der Magengrube sitzende Rock'n'Roll-Faust, damit nur ja keiner mehr an AnnenMayKantereit denkt. Was nicht ganz klappt. Vorwürfe jedoch, man sei lediglich eine weitere Ton-Steine-Scherben-Coverband, müssen die Truppe dann nicht wirklich jucken. Die Diskussion über musikalische Daseinsberechtigung, bloß weil sich junge Musiker irgendwo was abgucken, hat eh einen langen Bart. "Neues Leben" oder "Swing" jedoch, für die Milliarden erneut in den Pathos-Teich gehüpft sind, braucht's wirklich kaum.

Dennoch ist "Schuldig", der erste Output auf ihrem neuen DIY-Label Zuckerplatte, als das bisher stärkste Album der Hauptstadt-Formation zu bezeichnen. Vor allem, weil die Texte eindeutig weniger Fremdscham auslösen als noch etwa auf "Betrüger". Und es gibt sie, die Highlights. Man nehme den Opener und Quasi-Titelsong, der gleich kräftig in den Neunzigern wühlt und mit den Gallaghers ein paar Pints hinunterspült. Oder das fröhlich mit frecher Zunge in den Untergang rockende "Die Fälschungen sind echt". Ebenso der an frühe Herrenmagazin erinnernde Indie-Rocker "Wenn ich an Dich denke", der trotz seines Herzschmerz-Themas genug Punsch im Hause hat, damit das Glas in jedem Fall halbvoll bleibt.

Selbst wenn harmlos-rührselige Stücke wie "Die Gedanken sind frei" lyrisch an bekannte "Macht doch sowas nicht!"-Grenzen stoßen, kehrt insgesamt mehr Lockerheit, mehr Weitsicht ein. Auch Sozialkritik steht Milliarden gut zu Gesicht. Das punkrockende "Trenn Dich" macht zum Abschluss kurzen Prozess, jedoch eher mit dem selbstverliebten Ich inmitten der Konsum- und Instagram-Gesellschaft. "Wonderland" packt nochmal das Oasis-Feeling aus und verlässt sich statt auf Dauer-Refrain auf seine feinen Strophen. Und wenn selbst schmachtende Piano-Balladen zukünftig ähnlich unpeinlich gelingen wie "Ich schieß Dir in Dein Herz", wird mit dieser Band doch noch zu rechnen sein.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Schuldig sein
  • Wenn ich an Dich denke
  • Trenn Dich

Tracklist

  1. Schuldig sein
  2. Die Gedanken sind frei
  3. Die Fälschungen sind echt
  4. Wenn ich an Dich denke
  5. Swing
  6. Himmelblick
  7. LLLL
  8. Neues Leben
  9. Ich schieß Dir in Dein Herz
  10. Wonderland
  11. Trenn Dich

Gesamtspielzeit: 37:12 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20639

Registriert seit 08.01.2012

2021-01-27 20:47:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2021-01-08 19:09:28 Uhr - Newsbeitrag
MILLIARDEN
„Die Fälschungen sind echt“ heißt die neue Single von Milliarden und wie bereits bei den ersten Songs zum neuen Album „Schuldig“ (VÖ 05.02.) gibt es dazu wieder ein tolles Musikvideo. Die Band zur neuen Single:
"Hanna und ich sind im Sommer ein paar Tage in Neapel. Beim Hafen liegen überall Gucci und Armani… Taschen auf den Schwarzmarkt Decken. Sind die selben, wie in den teuren Läden im Norden sagt man uns. Kosten ein Bruchteil. Wir spucken wie besoffene Kinder durch unsere Spielwelt."

MILLIARDEN - DIE FÄSCHUNGEN SIND ECHT



Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2020-12-11 18:04:45 Uhr - Newsbeitrag
Liebe MusikfreundInnen, Liebe MedienpartnerInnen,

die Berliner Rockband Milliarden veröffentlicht am 05. Februar 2021 ihr neues Studioalbum „Schuldig“. Heute erscheint mit „Die Gedanken sind frei“ eine neue Single daraus. Heimliche Hauptdarstellerin ist im begleitenden Musikvideo die Berliner Live-Club-Institution SO36. Es kommt einem ewig vor, dieses Live-Venue das letzte Mal von innen gesehen zu haben. Schön, auf diesem Weg mal wieder einen Blick ins SO36 zu werfen. Seht hier das tolle Video zu „Die Gedanken sind frei“:

MILLIARDEN - DIE GEDANKEN SIND FREI (Musikvideo)


Milliarden zum neuen Lied: "Dieses Lied entstand durch Zufall, als wir mit unserem Freund Farsad (Fayzen) bei Lisa zu Hause Musik gemacht haben. Ging zu erst gar nicht um Milliarden. Am Tag danach hing die Melodie aber so fest im Kopf, dass sofort Text her musste! Leichter Rausch. Und Danke nochmal Lisa, dass wir unser Hippie-Ding bei dir und Martin so oft durchziehen dürfen“.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20639

Registriert seit 08.01.2012

2020-09-18 20:42:00 Uhr - Newsbeitrag

Die Berliner Rockband Milliarden wird am 05. Februar 2021 ihr neues Album "Schuldig" veröffentlichen. Bereits heute erscheint die erste Single "Himmelblick" samt Musikvideo. Im Frühjahr 2021 planen Milliarden mit dem neuen Werk auf Tour zu gehen.

Berlin, 18.09.2020
2013 gründete Ben Hartmann zusammen mit Johannes Aue das Rockgebilde Milliarden. Als Kreativschmiede sind sie zu zweit geblieben. Für die Live-Umsetzung ihrer Lieder und im Aufnahmestudio kommt ein fester Kreis an Musikern dazu. Die sind, laut Hartmann, allesamt bessere Instrumentalisten als er und Aue. Texte und Kompositionen, die gestalterischen Impulse, stammen hingegen ausschließlich von den beiden Milliarden-Gründern, die am 05. Februar 2021 ihr neues Album "Schuldig" veröffentlichen werden.

Das mit der Musik fing früh an, mit ungefähr 12. Die Kindergärtnerin, die im Plattenbau in Berlin-Marzahn-Hellersdorf eine Wohnung nebenan bewohnte, konnte zwei, drei Griffe auf der Akustischen spielen - wie eigentlich jede Erzieherin. Ein paar gelauschte und selbstausprobierte Akkorde öffneten Hartmann und Aue eine Welt, in der sie sein konnten. Danach kam Punk. Der Haltung wegen. In der sechsten Klasse gab es Mitschüler, die sich Nazis nannten und kurzgeschorene Haare trugen. Denen begegnete Hartmann mit bunten Schnürsenkeln, seinem ersten Irokesen und der Energie des Skatepunk.


Milliarden - Himmelblick (Musikvideo)

"Schuldig" ist das dritte Album von Milliarden und es markiert eine Bewegung von dem was vorher war zu dem was jetzt ist. Oder besser gesagt: "Schuldig" ist, neben all dem Vieldimensionalen, das die Platte ausmacht, auch ein wichtiger Schritt Richtung Selbstbestimmung. "Zuckerplatte" heißt das frisch gegründete, bandeigene Plattenlabel, dessen erste Veröffentlichung die vorherigen sieben Bandjahre keinesfalls in Abrede stellt. Hartmann und Aue haben sich aber willentlich von Vielem getrennt, um etwas Neues erforschen zu können.

Die Sache mit der Unschuld beispielsweise. Man muss die Werke der großen Philosophen nicht kennen, um den Ekel empfinden zu können, den die Unschuld nach sich ziehen kann. Auch das, zugegeben, erheiternde Studium der Schriften Friedrich Nietzsches ist nicht vonnöten, um "Schuldig" verstehen zu können. Es reicht schon ein Spaziergang durch bundesdeutsche Innenstädte und das Vertrauen auf die eigene Intuition. Der Glaube an die Unschuld ist ein sozialromantisches Konstrukt, ein großer Kitsch, der sich bis zur Unkenntlichkeit durch alles zieht und zieht und zieht und zieht. "Los, leise, langsam, laut..." - dann ist man auch schon mitten im "Schuldig sein", mitten in den Grauzonen zwischen Teilhaben und Nichtteilhaben an einer Gesellschaft, in der Sex, Medizin und Kokain Verbraucherinteressen definieren.

"Poch, poch, herein!" sagt die Stimme am Ende des ersten Songs der neuen Platte. Es ist das Entree ins Album "Schuldig". Es kann aber auch der Zugang zu dir, zum Ekel vor dir selbst oder zur Selbstakzeptanz sein, den du dir selbst gewährst - nach dem ganzen Koks- und Pillen- und Menschenfleischrausch.

Das Album "Schuldig" von Milliarden erscheint am 05. Februar 2021.

Milliarden live:
18.03.2021 Nürnberg, Z-Bau
19.03.2021 AT-Wien, Arena
20.03.2021 Jena, Kassablanca
25.03.2021 Bielefeld, Forum
26.03.2021 Köln, Gloria
27.03.2021 Göttingen, Musa
07.04.2021 Dresden, Beatpol
08.04.2021 München, Backstage Halle
09.04.2021 CH-Zürich, Bogen F
10.04.2021 CH-Bern, ISC
14.04.2021 Frankfurt, Das Bett
15.04.2021 Stuttgart, Wizemann
16.04.2021 Erfurt, Kalif Storch
17.04.2021 Dortmund, FZW
21.04.2021 Hannover, Musikzentrum
22.04.2021 Rostock, Mau Club
23.04.2021 Berlin, Columbiahalle
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