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Asphyx - Necroceros

Asphyx- Necroceros

Century Media / Sony
VÖ: 22.01.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lasst Blumen brüllen

Zu Beginn des großen Death-Metal-Hypes, grob gesagt Anfang der Neunziger, gab es in Europa drei große Epizentren. Neben Großbritannien und der ganz großen Hochburg Schweden waren es vor allem die Niederlande, die eine Vielzahl an Bands hervorbrachten, die das Genre bis heute prägen sollten. So sehr, dass Fachmagazine seinerseit zärtlich und sicherlich völlig frei von Klischees von "Tulpenschlächtern" sprachen, wenn es um Musiker aus unserem westlichen Nachbarland ging. "Käseknüppel" war anscheinend belegt. Wie dem auch sei, zu jenen Vorreitern gehörten auch Asphyx aus der grenznahen Kleinstadt Oldenzaal. 1987 gegründet, gehört die Band im Grunde genommen neben Thanatos zu den Urvätern des extremen Metal in den Niederlanden, doch diverse Umbesetzungen, Bandauflösungen und Neugründungen machten dem Quartett immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Insbesondere Frontmann Martin van Drunen stand hier auffällig oft im Mittelpunkt – mal ließ er die Band für eine Anfrage von Bolt Thrower hängen, mal wurde er während Plattenaufnahmen per Brief humorlos rausgeschmissen.

Es sollte tatsächlich bis in die jüngere Vergangenheit dauern, bis Asphyx endlich einmal ein konstantes Line-Up vorweisen konnten. Und siehe da, schon das letzte Album "Incoming death" von 2016 zeigte die Band in starker Form. Verständlich also, dass "Necroceros", tatsächlich erst das zehnte offizielle Studioalbum in mehr als drei Jahrzehnten Bandhistorie, nahtlos daran anknüpfen will. Was nichts anderes bedeutet, dass es in guter alter Tulpenschlächter-Manier (jaja, das musste jetzt nochmal sein ...) direkt tüchtig auf die Visage gibt. "The sole cure is death", verkündet der Opener, der biestiger kaum sein könnte. Allerdings nur, um direkt mit "Molten black Earth" ein Musterbeispiel traditionellen Death Metals zu liefern. Schon das Eröffnungsriff ist einfach nur barbarisch, und eine Formulierung wie "Martin van Drunens unverwechselbarer Gesang" würde nur ansatzweise beschreiben, wie Martin van Drunen mit seinem heiseren Gebelle den Songs seinen Stempel aufdrückt.

Bestes Beispiel dafür ist "Mount skull", das zunächst in bester Doom-Manier wie eine unaufhaltsame Dampfwalze dahinkriecht, bis sich dann etwa zur Mitte die totale Eskalation Bahn bricht. Genau diese Tempowechsel ziehen sich wie ein roter Faden durch die Songs. Hier gibt es nicht die schnellen und die langsamen Songs, hier ist der Tritt aufs Bremspedal ein willkommenes Stilmittel, um zum Beispiel dem allerdings einen Tick zu langen "Three years of famine" mehr Tiefe und Bosheit zu verleihen. Doch halt: Es ist eben nicht alles böse und finster, was hier aus den Boxen kriecht. Kleines Beispiel dafür ist "Botox implosion", in dem die Niederländer herrlich augenzwinkernd mit dem allgegenwärtigen Schönheitswahn abrechnen. Gut, die Splatter-Fans von Cannibal Corpse hätten die Story über eine verunglückte Schönheits-OP mit Strophen wie "Instead of perfection / In everlasting decline / Human toxic waste / Bride of Frankenstein" vermutlich erheblich expliziter ausgedrückt, aber auch so ist das Schmunzeln im Death Metal nicht verboten.

Man kann jetzt trefflich darüber streiten, wie groß der Einfluss des neuen Produzenten Sebastian Levermann auf diese neue Spielfreude ist – vielen Fans ist der Sauerländer bislang vor allem als Frontmann der True-Metal-Band Orden Ogan bekannt, und es sind genau jene eingestreuten Old-School-Riffs, die den Songs sehr gut tun. Abgesehen davon, dass Levermann den Niederländern einen wunderbar organischen, aber dennoch druckvollen Sound verordnet hat, mag es aber vor allem daran liegen, dass auch die Musiker von Asphyx mittlerweile im gesetzten Metaller-Alter sind. Das bedeutet nicht Altersmilde, wahrlich nicht, doch man spürt, dass die vier Herren mehr in sich ruhen, sich ganz auf das Songwriting konzentrieren können anstatt sich in aufreibenden Umbesetzungen zu verzetteln. "Necroceros" ist natürlich nicht so ungestüm wie noch vor 30 Jahren das genreprägende Debütalbum "The rack", doch es paart die Routine des Alters mit der Spielfreude und der Unbeschwertheit einer Band, die weiß, wo ihr Platz ist. Und das ist bei Asphyx nach wie vor ganz weit oben.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Molten black Earth
  • Mount skull
  • Botox implosion

Tracklist

  1. The sole cure is death
  2. Molten black Earth
  3. Mount skull
  4. Knights templar stand
  5. Three years of famine
  6. Botox implosion
  7. In blazing oceans
  8. The nameless elite
  9. Yield or die
  10. Necroceros

Gesamtspielzeit: 50:21 min.

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Armin

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2021-01-20 20:12:01 Uhr - Newsbeitrag
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