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James Yorkston And The Second Hand Orchestra - The wide, wide river

James Yorkston And The Second Hand Orchestra- The wide, wide river

Domino / GoodToGo
VÖ: 22.01.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwedisches Licht

Dass einen dieser Schotte doch noch mal überrascht. James Yorkston, britische Folk-Instanz, ist ja eigentlich abonniert auf bedrückte Rustikalität und schwere Melancholie. Möchte man aufgrund seiner bisherigen Alben ein Bild malen, kann es gut sein, dass dabei ein nebliger Hafen im Morgengrauen entsteht. Und auch die thematische Liste seiner neuen Platte "The wide, wide river" lässt wieder Gewohntes erwarten: Verflossene Liebschaften, das Älterwerden und abwesende Freunde stehen im Fokus. Doch spätestens bei der musikalischen Umsetzung geht Yorkston aufregende Wege. Dieses Album wurde nämlich mit dem Second Hand Orchestra eingespielt, das aus renommierten schwedischen Musikern besteht. In gerade mal drei Tagen wurden Songs aufgenommen, die zu Aufzeichnungsbeginn nicht viel mehr als lose Skizzen waren. Die Mitmusiker konnten sich also großzügig einbringen. Und jenen und auch Yorkston stand dabei merklich der Sinn nach Dynamik und Lebensfreude.

"Ella Mary leather" gibt sich direkt zu Beginn als schwungvolle Ballade, erinnert mit den gewitzten Piano-Anschlägen an eine beschwingte "Eleanor Rigby"-Variante. Klar, das melancholische Sehnen ist immer vorhanden, doch der Gesang handfest hell, die Rhythmik immer auf dem Sprung. Mag sein, dass dabei keine ausgelassene Party-Stimmung aufkommt, doch fühlt man stetig eine angespannte Agilität. Auch "To soothe her wee bit sorrows" besitzt ein dynamisches, federndes Gitarrenspiel, welches mit der erstaunlichen Aufgeräumtheit von Yorkstons Gesang sprenkelndes Licht an die Wand wirft. Da jubelt selbst die Violine vergnügt auf.

Ein Vorteil bei diesen Stücken, und zumindest dies ist nicht neu: Yorkston gönnt ihnen viel Zeit zur Entfaltung. Da können Melodien in variierter Wiederholung richtig Fuß fassen, sich in der Nähe des Unterbewusstseins festsetzen. "Struggle", wieder hell in der klanglichen Anmutung, rollt mit zarten Geigen-Stakkati rund und zufrieden dahin, während Yorkston seinen Gesang zwischen knorrig und weich pendeln lässt. Kleine Flöten-Verzierungen, weibliche Vocal-Begleitung – all dies deutet auf einen versöhnlichen Willen zur Milde hin. Und obendrein berühren die Melodien mit ihrer unaufgeregten Beschwingtheit enorm. Mit "There is no upside" gelingt Yorkston und seinem Orchester dann die Verschmelzung von Dynamik und verletzlicher Intimität. Die Kombination aus Bläsern, Streichern, Tasteninstrumenten und Leadgitarre besitzt eine enorme, verspielte Kraft, doch öffnen sich in diesem Song immer wieder kleine Fenster zu klanglichen Details, einer verträumten Bläser-Figur zum Beispiel, die zeigen, wie vielschichtig die einzelnen Bestandteile in die übergeordnete Bewegung eingearbeitet sind.

Und damit erreicht Yorkston eine Lockerheit, ein befreiendes Gefühl von spontaner Spielfreude, die seinen Werken trotz aller anderen Qualitäten bisher abging. Selbst ein zuvorderst betrübt durch verlassene Räumlichkeiten treibender Song wie "A very old-fashioned blues" entwickelt im Refrain eine Wucht, die jede Menge Herzblut auf die staubigen Dielen tropfen lässt. "The wide, wide river" ist damit zwar kein Gute-Laune-Album per se, es bewegt sich jedoch aus der Winterschlaf-Komfortzone heraus, traut sich positiv anmutende Melodiefolgen und eine kraftvolle, ungezwungene Instrumentierung. Und auch wenn man den Musiker James Yorkston bisher für den abwärts gerichteten Blick schätzte, freut man sich doch sehr, dass hier so viel frisches Leben Einzug hält.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Ella Mary leather
  • There is no upside
  • A very old-fashioned blues

Tracklist

  1. Ella Mary leather
  2. To soothe her wee bit sorrows
  3. Choices, like wide rivers
  4. Struggle
  5. There is no upside
  6. A droplet forms
  7. Avery old-fashioned blues
  8. We test the beams

Gesamtspielzeit: 39:47 min.

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Armin

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2021-01-13 20:32:39 Uhr - Newsbeitrag
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