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Bully - Sugaregg

Bully- Sugaregg

Sub Pop / Cargo
VÖ: 21.08.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Aufs Maul?

Es gibt diese Platten, die hauen einem von der ersten Sekunde an einfach ein richtiges Brett in die Fresse. Da wird nicht lang gefackelt oder diskutiert, sondern es geht sofort los, kaum ist der Finger von der Play-Taste runter. Die Gehörgänge werden durchgefegt, die Nase ist plötzlich frei, das Herz rast, die Tapete schmilzt von den Wänden, die Welt dreht sich schneller und noch dazu in die andere Richtung. Irre.

"Sugaregg" von Bully ist keine solche Platte.

Nun gut, eigentlich schon, fast. Denn das gute Stück, das nunmehr dritte Album dieses Projekts von Alicia Bognanno, nimmt sich nur 15 Sekunden Zeit am Anfang seines Openers "Add it on", ehe die Drumsticks von Nick Byrd den Takt vorgeben und die feierliche In-die-Fresse-Hauerei losgehen kann. Dann nämlich zeigt Bognanno abermals, dass sie nicht nur ordentlich schrammeln, sondern auch schreien kann. Schöner wurden im Jahr 2020 kaum Säue rausgelassen und der Putz von der Wand gefegt, wenn "Sugaregg" eindrucksvoll beweist, dass man auch ohne Eier gepflegt breitbeinig darauf hinweisen kann, wer hier wem mal den Buckel Richtung Allerwertesten runterrutschen soll.

Roh, rau, rotzig geben sich Bully auf ihrem dritten und, ja, besten Album, schnell entsteht ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Ob man das aber überhaupt will? Fast wie ein Scherz wirkt es jedenfalls, wenn Bognanno zu Beginn von "Every tradition" noch tatsächlich "Shall we?" fragt. Ja, verdammt! Leg los! Mit Unterstützung des Produzenten John Congleton, den man wohl nicht mehr vorstellen muss, gibt es hier noisigen Indie-Rock mit Punk-Anleihen vom Feinsten, während sich die Sängerin ihre neugewonnene Freiheit von der Seele brüllt. Die hat für ihre Bipolar-II-Störung nämlich nun endlich eine Form der Behandlung erhalten, mit der es ihr besser statt immer schlechter geht. Und das hört man "Sugaregg" deutlich an.

Was nicht heißt, dass hier nicht immer noch gehörig rumgewütet werden kann: Im stürmischen "Let you" spielt sich Bognanno gekonnt in den Vordergrund und lässt ihren Gesang eine Runde auf die Laut-Leise-Schnell-Langsam-Achterbahn, während "Come down" all denen beherzt zwischen die Beine greift, die sich mit dem College-Rock der Neunzigerjahre eh am wohlsten fühlen – alles einvernehmlich, versteht sich. Derweil macht "Hours and hours" mit den optimistischen Zeilen "I'm not angry anymore / I'm not holding onto that" auf seine erleichternde Erkenntnis des halbvollen statt halbleeren Glases aufmerksam, bis "What I wanted" die üble Vergangenheit endgültig hinter sich lässt und frohen Mutes in die Zukunft blickt. Da blicken wir doch glatt mit – mit zwei blauen Augen und Zahnlücke, aber immerhin umso breiter grinsend.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Add it on
  • Come down
  • Hours and hours

Tracklist

  1. Add it on
  2. Every tradition
  3. Where to start
  4. Prism
  5. You
  6. Let you
  7. Like fire
  8. Stuck in your head
  9. Come down
  10. Not ashamed
  11. Hours and hours
  12. What I wanted

Gesamtspielzeit: 38:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

saihttam

Postings: 1643

Registriert seit 15.06.2013

2021-01-06 13:05:49 Uhr
Da ist die Rezension ja doch noch mit einiger Verspätung. Hat das Album verdient.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19111

Registriert seit 08.01.2012

2021-01-05 20:24:49 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

"Vergessene Perle 2020".

Meinungen?

saihttam

Postings: 1643

Registriert seit 15.06.2013

2020-10-01 11:55:58 Uhr
Mir gefällt es auch wieder besser als das letzte Album. An das Debüt kommt es aber noch nicht ran. Alicia Bognanno scheint das Album ja größtenteils solo aufgenommen zu haben. Dafür hat sie aber wieder einen schön krachigen, energetischen Sound hinbekommen.
Warum keine Rezi, Jennifer? ;)

Kai

Postings: 623

Registriert seit 25.02.2014

2020-08-28 20:07:17 Uhr
Gefällt mir sehr gut.

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 3942

Registriert seit 14.05.2013

2020-08-25 16:32:25 Uhr
Seit Freitag draußen. Den Vorgänger fand ich nicht so prall, aber hier hab ich jetzt mal reingehört, da es ja doch recht viele gute Kritiken gibt. Läuft seit ein paar Tagen als krachiges Kontrastprogramm zu Killers und Bright Eyes. Bisheriges Highlight:

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