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Mastodon - Medium rarities

Mastodon- Medium rarities

Reprise / Warner
VÖ: 11.09.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Mammutsteak von gestern

Metal ist doof. Das dachte der Rezensent eine ganze Weile seines Musikhörer-Lebens lang, obwohl er in jungen Teenie-Jahren Bands wie System Of A Down durchaus gefeiert hatte. Aber als distinguierter Indie konnte man natürlich nur die Nase rümpfen über dieses immer gleich klingende Geschredder und Gegrunze mit dem peinlichen Gepose und den noch viel peinlicheren Cover-Artworks. Gut, zum letztgenannten Aspekt hat sich meine Meinung wenig geändert, doch in Bezug auf die Musik traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag: Metal kann mit seiner Härte und Geschwindigkeit nicht nur eine kathartische Wucht wie kaum ein anderes Genre entwickeln, er bereitet auch fruchtbaren Boden für starke Melodien und komplexe, überraschende Kompositionen. Vor allem Mastodon erwiesen sich in dieser Hinsicht als einer der handlichsten Türöffner und so sorgte die Ankündigung von "Medium rarities" für Vorfreude – nach 20 Jahren Bandgeschichte müsste sich doch auch abseits der guten bis grandiosen Studioalben so manche Perle gesammelt haben. Doch leider hält diese Compilation, was ihr halbgarer Titel verspricht. Zwar gibt es hier einige interessante Cover und Soundtrack-Arbeiten, doch neu ist das zu allermeist nicht, noch dazu bauschen etwas willkürlich scheinende Live- und Instrumental-Versionen die Tracklist auf.

Den Anfang macht das einzige bisher unveröffentlichte Original, das als Promo für die abgeblasene Europa-Tour gedachte "Fallen torches." Es ist ein typischer, kompakter Brecher, der in der zweiten Hälfte erst im Sludge-Sumpf versinkt, um dann mit brachialer Gewalt wieder rauszubrettern – auch wenn die von Neurosis' Scott Kelly gesungene Hook Wasser in die Mühlen derer befördert, die aus Mastodons Hinwendung zum Pop ihre Abgesänge speisen. Vielleicht finden die Nörgler eher Gefallen an einem Song wie "Atlanta", einer "Adult swim"-Single mit Gibby Haynes (Butthole Surfers), welche die sonst so ernsten Prog-Metaller von ihrer albernen, simpel drauf los punkenden Seite zeigt. In die gleiche Kerbe schlägt auch das bekloppt-bösartige "Cut you up with a linoleum knife" vom "Aqua teen hunger force"-Soundtrack, wenn es störenden Kinozuschauern allerlei comichafte Gräueltaten androht. Ganz anders, aber ähnlich ungewohnt, klingt der "Game of thrones"-Beitrag "White walker": Geschmackvoller Fantasy-Folk evoziert die schneebedeckte Ödnis jenseits der Mauer, aus der das verzerrt sägende Finale organisch emporsteigt. In der Zusammenführung dieser bereits bekannten, aber faszinierenden Kuriositäten erfüllt "Medium rarities" noch voll seinen Zweck.

Auch die Coversongs passen gut ins Kabinett. Es überrascht nicht, dass Mastodon Metallicas Sternengalopp "Orion" fast 1:1 nachspielen können – wohl aber, dass sie das gleiche mit der Flaming-Lips-Ballade "A spoonful weighs a ton" tun. Ja, der Vierer aus Atlanta stochert hier tatsächlich durch einen Zuckerwatten-Nebel von Synthies und Piano, während Brann Dailors Höhenflüge Wayne Coyne Konkurrenz machen. Feists "A commotion" kann dem Malmwerk von Gitarren und Schlagzeug nicht entgehen, behält jedoch seine angespannte Atmosphäre bei. Es hätten noch weitere spannende Interpretationen, etwa von "Stairway to Heaven", auf Halde gelegen, doch leider entscheidet sich das Album für den eingangs erwähnten anderen Weg. Klar macht es Spaß, die grenzüberschreitende Acht-Minuten-Karawane "Jaguar God" in instrumentaler Fassung nachzuverfolgen, und natürlich knallen frühe Magmabrocken wie "Blood & thunder" oder "Capillarian crest" auch live ordentlich. Aber hätte man das alles nicht etwas liebevoller und nachvollziehbarer zusammenstellen können? Die reine Musik auf "Medium rarities" wäre mehr als sechs Punkte wert gewesen, doch die partielle Redundanz und Willkür dieser nicht so raren Raritätensammlung schmälern den Gesamteindruck ziemlich. Nach Jahren der unfairen Herabsetzung kann ich dem Meddl allerdings auch nicht lange böse sein. Aber wehe, mir kommt einer mit Tool.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Atlanta (feat. Gibby Haynes)
  • Jaguar God (Instrumental)
  • Blood & thunder (Live)
  • White walker

Tracklist

  1. Fallen torches
  2. A commotion
  3. Asleep in the deep (Instrumental)
  4. Capillarian crest (Live)
  5. A spoonful weighs a ton
  6. Toe to toes (Instrumental)
  7. Circle of Cysquatch (Live)
  8. Atlanta (feat. Gibby Haynes)
  9. Jaguar God (Instrumental)
  10. Cut you up with a linoleum knife
  11. Blood & thunder (Live)
  12. White walker
  13. Halloween (Instrumental)
  14. Crystal skull (Live)
  15. Orion
  16. Iron tusk (Live)

Gesamtspielzeit: 71:02 min.

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User Beitrag

fakeboy

Postings: 1286

Registriert seit 21.08.2019

2021-01-02 17:49:11 Uhr
Komische Mischung. B-Seiten und Covers passen zusammen, aber mir ist unklar, was die Live-Songs darauf sollen. Wirkt sehr halbgar. Das Material wäre besser auf 2 EPs aufgeteilt worden...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21191

Registriert seit 08.01.2012

2020-12-21 21:10:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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