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The Kills - Little bastards

The Kills- Little bastards

Domino / GoodToGo
VÖ: 11.12.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Blut, Schweiß und Sehnen

"Kleines Arschloch, sei nicht traurig / Kleines Arschloch, musst nicht traurig sein." Es waren tröstliche Worte, die Helge Schneider einst im Soundtrack zur Verfilmung des Walter-Moers-Comics an den unflätigen Titelhelden richtete. Nur der "little bastard", wie das treue Rhythmusgerät von The Kills im Bandjargon heißt, schaut ganz betrübt aus der Wäsche. Anders als im Fall von The Sisters Of Mercy, bei denen Artgenosse Doktor Avalanche offiziell zum Line-Up zählte, oder bei Echo & The Bunnymen, die ihre Drumbox sogar im Namen führten, interessierte sich nämlich kein Mensch für ihn. Bis jetzt: Als Alison Mosshart und Jamie Hince diese Compilation mit B-Seiten, Raritäten sowie Alternativ- und Coverversionen ausheckten, war klar, dass sie nach dem maschinellen Kollegen benannt werden musste. Denn der haut hier über eine Stunde lang ordentlich auf die Pauke.

Es gibt aus den Jahren 2003 bis 2018 schließlich einiges zu versammeln und aufzuarbeiten bei The Kills, nachdem Sängerin Mosshart ihrer Solo-Single "Rise" zuletzt nicht etwa ein richtiggehendes Album, sondern ungewöhnlicherweise eine Spoken-Word-Platte folgen ließ. "Little bastards" jedoch klingt genau so, wie sich das zwischen schepprigem Schrott'n'Roll und grobem, urbanem Blues oszillierende Duo stets präsentierte: zäh wie Rindsleder, stacheliger als das Coronavirus, störrischer als ein Maulesel mit Übergepäck. Während Mosshart keucht, keift und kratzbürstig schmeichelt, drückt Hince minimalistische, aber immer auf den Punkt stechende Riffs und rhythmische Kriechströme aus seinen verschwitzten Instrumenten und produziert die sehnigstmögliche Rockmusik, die man sich denken kann. Und es ist Ehrensache, dass "little bastard" das erste Wort hat.

Was den zunächst reduzierten, dann aber gewaltig aufdrehenden Opener "Superpowerless" mit der fiebrigen "Midnight boom"-Auskopplung "Tape song" eint. Das rohe "Jewel thief" von der "Keep on your mean side"-Single "Fried my little brains" produzierten die zwei noch unter dem ursprünglichen, leicht blöden Bandnamen Sonic States Of America, doch auch hier reicht ein "Don't worry baby, I'll take care of you" von Mosshart, um mit etwaigen Schwachheiten zu versöhnen. Noch mehr Getöse herrscht beim Beat-Tumult von "Run home slow" oder im "Night train", der jeden Moment zu entgleisen droht – und die raubeinige Session-Version von "Love is a deserter" bekommt erneut Gesellschaft von "Magazine", einem fabelhaften Akustik-Rockabilly mit bedenklicher Schräglage. Da fällt das einzige neue, gewohnt hochwertige Stück "Raise me" beinahe gar nicht auf.

Doch so knackig und ganz und gar von heute das Ganze ist – irgendwo hat auch diese Musik ihren Ursprung. Etwa in der appalachischen Heimat von Banjo-Veteran Dock Boggs, dessen Roots-Klassiker "Sugar baby" The Kills genauso gewitzt nebulös interpretieren wie Screamin' Jay Hawkins' "I put a spell on you". Dagegen schwirrt "La chanson de slogan", im Original von Serge Gainsbourg und Jane Birkin und hier unter dem Titel "I call it art" vertreten, wie ein freundliches Insekt um eine flackernde Glühbirne – vermutlich beduselt von "London hates you", das Mosshart und Hince vor einer formvollendeten Sixties-Soundwand im Phil-Spector-Stil zeigt. "Kiss the wrong side"? Schlicht nicht möglich, denn wie "Little bastards" als Kopplung weitestgehend bekannten Materials durchgehend ins Schwarze trifft, ist phänomenal. The Kills bleiben die größte kleine Band der Welt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Superpowerless
  • London hates you
  • Magazine
  • I put a spell on you
  • Run home slow

Tracklist

  1. Superpowerless
  2. Passion is accurate
  3. Kiss the wrong side
  4. Raise me (demo)
  5. Night train
  6. Half of us
  7. London hates you
  8. I call it art
  9. Forty four
  10. Love is a deserter (XFM session)
  11. The search for Cherry Red
  12. Magazine
  13. Blue moon
  14. Jewel thief
  15. Baby's eyes
  16. I put a spell on you
  17. Run home slow
  18. Weed killer
  19. The void
  20. Sugar baby

Gesamtspielzeit: 65:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

noise

Postings: 807

Registriert seit 15.06.2013

2020-12-30 23:33:12 Uhr
Bin noch nicht so sehr überzeugt. Einige sehr schöne Songs in typischer Kills Manier sind schon vorhanden. Aber auch einige, bei denen man den B-Seiten Charakter heraushören kann.
Einen Albumfluss gibt es nicht, hört sich wie eine zufällige Aneinanderreihung von Songs an. Okay, ist aber bei eine Compilations nicht unüblich.
Alles in allem bin ich noch unschlüssig. Mal sehen was das neue reguläre Album bringt. Soll ja in 2021 noch kommen.

KeesPopinga

Postings: 11

Registriert seit 16.03.2014

2020-12-30 19:16:24 Uhr
Finde ich auch. Ewig nicht gehört. Aber der dreckige Sound geht wieder gut ins Ohr.

Kojiro

Postings: 972

Registriert seit 26.12.2018

2020-12-30 06:03:45 Uhr
Schönes Release mit vielen sehr guten Songs. Gefällt sehr.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21003

Registriert seit 08.01.2012

2020-12-21 21:10:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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