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Crucchi Gang - Crucchi Gang

Crucchi Gang- Crucchi Gang

Vertigo / Universal
VÖ: 25.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ma perché?

Manchmal muss man sich von den Gründen frei machen. Dinge passieren, scheißegal warum. Und Freimachen ist auch oft nicht schlecht. Das ist sicherlich keine tiefsinnige Erkenntnis, dient aber der Sache hier. Und stimmt eben auch. Zumindest oft. So hat, nur zur Einordnung der folgenden Zeilen, der Boss Armin Linder persönlich über Wochen hinweg keinen Abnehmer für dieses etwas neben der Spur laufende, etwas andere Coveralbum unter dem Banner Crucchi Gang gefunden. Weil das eben keine Sau hören will, unkte der Verfasser dieser vielleicht schlampig recherchierten Ausführungen einst. Und erbarmte sich, diese vermaledeite Crucchi Gang zu besprechen. Immer im Hinterkopf: die brennende Frage, warum um alles in der Welt sich die deutschsprachige Indie-Pop-Rasselbande versammelt hat, um ihre eigenen Songs ins Italienische zu übersetzen.

Die Antwort liefert die Crucchi Gang dann schneller, als man böswillige Gedanken vom Schlage "braucht doch kein Mensch" oder "die wollen doch bloß ein bisschen Kohle machen" überhaupt im Ansatz denken kann. Weil Projektleiter Francesco Wilking (früher Tele, jetzt Die Höchste Eisenbahn) dem ganzen Spaß zum Beispiel eine gesunde Portion Selbstironie verordnet hat: Crucchi ist schließlich ein Ausdruck für den deutschen Michel, der in Sachen Freundlichkeit in der Kategorie Piefke, Kartoffel oder, noch deftiger, beim bairischen Saupreiß eingeordnet werden kann. Vor allem aber, und da wären wir bei der Befreiung von den Gründen, weil die Crucchi Gang das Ganze strikt unter dem Motto "weil wir es können" durchzieht und 36 Minuten Musik auffährt, die auch ganz ohne Rotwein oder Grappa eine ganze Menge Laune machen. Mit Grappa natürlich noch mehr. Doch unabhängig von der Verfügbarkeit gemeinhin mit italienischen Gefilden assoziierter Alkoholika muss man schon bis oben hin piefig sein, um nicht das Glas zu heben, wenn zum Beispiel Steiner & Madlaina "La dolce vita" besingen und dem Original in Sachen Lockerheit und Beschwingtheit so manches Schnippchen schlagen.

Und wenn sich Wilking himself Bilderbuchs "Bungalow" vornimmt, brennt sowieso die Luft. Als ob der Song selber nicht schon mit jeder Faser ein Hit wäre, kommt die übersetzte Version "Il mio bungalow" fast ein Stück unwiderstehlicher daher. Sogar Thees Uhlmanns "Das Mädchen von Kasse 2", das man ja nicht ernsthaft zu den Uhlmannschen Großtaten zählen kann, nimmt man mit einem anerkennenden Nicken mit. Ob das daran liegen mag, dass zuvor Von Wegen Lisbeth die Kneipe in "Il mio locale" mit richtig viel Bock aufgesperrt haben oder Sven Regeners "Weißes Papier" auch als "Carta bianca" über jeden Zweifel erhaben ist? Ist doch ganz egal. Viel wichtiger ist, dass "Crucchi Gang" als Idee funktioniert. Weil es sich nirgends anbiedert, nicht hüftsteif oder gar bedeutungsschwanger daherkommt, sondern einfach nur eine gute halbe Stunde mal ordentlich Spaß haben will. Warum auch immer: Es funktioniert aller Vorbehalte zum Trotz ganz grandios. Und alles andere ist, spätestens nachdem Sophie Hunger die letzten Töne verklingen lässt, egal.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • La dolce vita
  • Il mio bungalow
  • Carta bianca

Tracklist

  1. Al mio locale (Von Wegen Lisbeth)
  2. La dolce vita (Steiner & Madlaina)
  3. Il mio bungalow (Francesco Wilking)
  4. Tutto grigio (Isolation Berlin)
  5. Carta bianca (Sven Regener)
  6. Vieni qui (Faber)
  7. La La La io non ti amo non mi ami Aha Aha Aha (Franciose Cactus)
  8. Ballare (Clueso)
  9. La ragazza della cass no 2 (Thees Uhlmann)
  10. Valzer per nessuno (Sophie Hunger)

Gesamtspielzeit: 36:05 min.

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Registriert seit 25.09.2014

2020-12-22 11:31:54 Uhr
@testplatte: Da sind Isolation Berlin auch live zu empfehlen. Trotz der todtraurigen Texte kam wirklich eine positive Grundstimmung beim Konzert auf. Richtig gut!

Die Crucchi Gang finde ich witzig, al mio locale ist eine wirklich gute Version von dem Stück. Kann jemand italienisch oder einschätzen, ob der Akzent ein "normaler" bis schwacher deutscher Akzent oder mehr so Brad Pitt-Inglorious Basterds-mäßig ist? Bei Thees ist es wohl eher letzteres ;)

testplatte

Postings: 250

Registriert seit 13.06.2020

2020-12-22 11:06:41 Uhr
okay, ALLES GRAU ist 'düster' v.a. wegen des textes, musikalisch gar nicht so sehr wie ich es in erinnerung hatte - hab eben seit ewigkeiten mal wieder reingehört.

testplatte

Postings: 250

Registriert seit 13.06.2020

2020-12-22 11:01:42 Uhr
meine erstbegegnung via küchenradio (detektor.fm ... ja, ich mag diesen sender aus meiner heimatstadt einfach) war:

Al mio locale (Von Wegen Lisbeth)

war ein netter moment der verwirrung, da ich die GRANDE eine zeitlang oft hören 'musste' und MEINE KNEIPE natürlich kannte. schön verfremdet, guter gag - aber mehr als das ist es für mich jetzt nicht.

und Tuuto grogio (Isolation Berlin) ist ziemlich absurd, wie gut dieser im original absolut düstere song als schnulziger italopop doch funktioniert.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19111

Registriert seit 08.01.2012

2020-12-21 21:12:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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