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Thees Uhlmann - Thees Uhlmann liest & singt Die Toten Hosen (Live, 13.01.2020, Savoy Theater Düsseldorf)

Thees Uhlmann- Thees Uhlmann liest & singt Die Toten Hosen (Live, 13.01.2020, Savoy Theater Düsseldorf)

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 17.09.2020

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Eine Landjugend

"Du kriegst die Leute aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus den Leuten", stellte Thees Uhlmann im Jahre 2011 treffend fest und ließ uns im Stück "Lat: 53.7 Lon: 9.11667" rückblickend daran teilhaben, wie skurril und zugleich intensiv es ist, auf dem platten Land aufzuwachsen. Natürlich lebt der Mann aus Hemmoor, einem Kaff bei Cuxhaven, unlängst in Metropolen wie Hamburg und aktuell in Berlin – doch die Erinnerungen an die Teenager-Jahre, sie sind nicht nur ungewöhnlich, sie sind zugleich intensiv und notwendig, um die Gegenwart zu verstehen. Uhlmann macht das Erinnern großen Spaß. Das Einordnen der eigenen Jugend im Kontext einer Subkultur, für die er auch heute noch brennt.

Eine große Rolle in Uhlmanns musikalischer Sozialisation spielten Die Toten Hosen. Nicht nur, weil es sich in Indie- und Punk-Kreisen anno 2020 fast verbietet, die Hosen zu mögen, überrascht Uhlmanns keineswegs vorgetäuschte Liebe, ja seine Bewunderung für die Düsseldorfer Ur-Punkrocker. Sein Buch "Die Toten Hosen" ist aber natürlich keine Biografie der Band, Uhlmann spannt den Bogen vielmehr autobiografisch, von seiner eigenen Kindheit über die Jugend, als man für Alben wie "Bis zum bitteren Ende - live" oder den Hosen-Klassiker "Ein kleines bisschen Horrorschau" sein letztes Taschengeld zusammenkratzte, bis hin zur eigenen Karriere.

Bei der Lesung, live aufgenommen im Januar 2020 im Düsseldorfer Savoy Theater, blüht der Geschichtenerzähler auf. Teilweise lacht er sich über die eigenen Formulierungen schlapp, während er von den Erlebnissen rund um sein erstes Konzert liest – natürlich ein Hosen-Konzert, samt Dosenbier-seliger Busreise vom Land und wieder zurück. Ausgeschmückt von kleinen Anekdoten, etwa wie häufig man in den Anfangstagen von Tomte vor fünf zahlenden Gästen musizierte, oder wie seine Mutter während herzlicher Telefonate nüchtern analysierte, dass er "eh nie wieder so einen guten Song wie den Lachse-Song" schreiben würde.

Auch schön: Als Uhlmann und Rainer G. Ott im Suff eine krude Mail an Bruce Springsteen schrieben, und wie diese die Anwälte des Bosses auf den Plan rief. Und natürlich die ganze Geschichte vom Erstkontakt zum JKP-Mann Patrick Orth, der folgenden Bekanntschaft mit Campino, welch bekloppte Nachrichten unter Alkoholeinfluss regelmäßig aus dem GHvC-Büro in Richtung Düsseldorf wanderten, und wie das alles zu einem gemeinsamen Auftritt Uhlmanns mit den Hosen im Kölner Fußballstadion führte.

Auch an diesem Abend, an dem Uhlmann zudem einige Hosen-Songs auf der Akustischen spielt, geht es dennoch eher am Rande um die Düsseldorfer Band. Uhlmann hat einen bunten Strauß an kleinen Geschichten aus der Vergangenheit parat und überrascht nicht selten mit pikanten Details. Zuhören macht dementsprechend viel Laune – wenngleich man drei Stunden Uhlmann am Stück auch als Hörer erst einmal abkönnen muss. Die Anwesenden in Düsseldorf, übrigens auch einige Hosen-Bandmitglieder, bereuen es nicht. Weil der einstige Tomte-Kopf es vermag, selbst in den narzisstischsten Augenblicken selbstironisch und sympathisch zu bleiben und seine manchmal polemischen Einordnungen mit genügend Empathie füttert.

Man lauscht einem Autor und Musiker, der das tut, was er liebt. Der weiß, wo er herkommt und Momente aus seiner Vergangenheit honoriert, ja feiert. Doch es geht nicht nur um die Frage "Wo kommen wir her?". Auch Markus Lanz' an dieser Stelle obligatorische Zuspitzung "Was macht das mit einem?" greift hier nicht. Vielmehr drehen sich Uhlmanns Gedanken nicht nur darum, durch welche Erlebnisse man zu der Person wurde, die man heute ist. Sondern auch darum, wie man all diese besonderen Momente und Begegnungen möglichst lang in Kopf und Herz behält. Uhlmann schreibt auch deswegen Bücher.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Die Macht der Nacht
  • Symphonie
  • Band Aid
  • Der Eisverkäufer
  • Liebeslied

Tracklist

  1. Der Mord an Vicky Morgan
  2. Uta, Part 1
  3. Uta, Part 2
  4. Die Macht der Nacht, Part 1
  5. Die Macht der Nacht, Part 2
  6. Die Macht der Nacht, Part 3
  7. Die Macht der Nacht, Part 4
  8. Patrick Orth, Part 1
  9. Patrick Orth, Part 2
  10. Patrick Orth, Part 3
  11. Patrick Orth, Part 4
  12. Reisefieber
  13. Bis zum bitteren Ende, Part 1
  14. Bis zum bitteren Ende, Part 2
  15. Bis zum bitteren Ende, Part 3
  16. Bis zum bitteren Ende, Part 4
  17. Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop-Videodrehs nach Hause fährt
  18. Dicke bunte Blasen
  19. Symphonie, Part 1
  20. Symphonie, Part 2
  21. Symphonie, Part 2
  22. Symphonie, Part 3
  23. Freunde
  24. Band Aid, Part 1
  25. Band Aid, Part 2
  26. Band Aid, Part 3
  27. Band Aid, Part 4
  28. Band Aid, Part 5
  29. Spielen mit den Toten Hosen,Part 1
  30. Spielen mit den Toten Hosen, Part 1
  31. Spielen mit den Toten Hosen, Part 2
  32. Spielen mit den Toten Hosen, Part 3
  33. Spielen mit den Toten Hosen, Part 4
  34. Spielen mit den Toten Hosen, Part 5
  35. Avicii
  36. Der Eisverkäufer, Part 1
  37. Der Eisverkäufer, Part 2
  38. Liebeslied

Gesamtspielzeit: 174:42 min.

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