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Sigur Rós, Steindór Andersen, Hilmar Örn Hilmarsson & María Huld Markan Sigfúsdóttir - Odin's raven magic

Sigur Rós, Steindór Andersen, Hilmar Örn Hilmarsson & María Huld Markan Sigfúsdóttir- Odin's raven magic

Krunk / Warner
VÖ: 04.12.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Akte 2002

Freunde der isländischen Sprache können schon mal die Zunge lockern: Am 21. April 2002 fanden Sigur Rós mit dem Komponisten Hilmar Örn Hilmarsson, dem Vokalisten Steindór Andersen und der Multi-Instrumentalistin Maria Huld Markan Sigfúsdóttir aus der Band Amiina für eine Vertonung des Gedichts "Hrafnagaldr Óđins" in der Londoner Barbican Hall zusammen. Sóweiţ álles klćr? Das in Notenform gebrachte Werk stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und ist im Sinne der Edda-Tradition verfasst. Inhaltlich beschreibt es ein Mahl der Götter in Valhalla, während welchem apokalyptische Zeichen auftauchen. So mythisch kennt man Sigur Rós und dass die orchestrale Umsetzung nur monumental werden konnte, ist Ehrensache. Schließlich stand die Band kurz vor der Veröffentlichung ihres meister- und rätselhaften "( )" – dem ausgedehnten Trip in die menschenleeren Gesteinswelten der Insel. Eine Aufnahme eines späteren Konzerts aus 2004 in Paris erscheint nun unter dem (leider in Englisch gehaltenen) Titel "Odin's raven magic".

Zwar spiegelt die Epik die Sigur-Rós-Alben wider, dennoch darf man kein gewöhnliches Livealbum der Band erwarten. Vielmehr ist dies zum einen bisher weitgehend unbekanntes Material, zum anderen brandet lediglich am Ende Applaus des Publikums auf. Er würde auch nur dabei stören, sich in dieser ganz eigenen Ästhetik zu verlieren. Prinzipiell ist das klassische Musik, orchestral inszeniert, mit nur gelegentlichen Berührungspunkten mit Post-Rock. Meistens ist die tiefe Stimme von Andersen zu hören, die dem Geschehen die nötige Gravitas verleiht. Magische Momente entstehen aber vor allem auch dann, wenn Jónsi sich dazugesellt und die beiden miteinander harmonieren wie im zentralen "Stendur ćva". Der Sigur-Rós-Frontmann wird aber überraschenderweise über weite Strecken gar nicht wirklich vermisst, denn ein grandios spannend arrangiertes Stück wie "Dvergmál", das sich vom Xylophon dominiert in eine vom Chor getragene Klimax steigert, spricht für sich.

"Odin's raven magic" ist grob in zwei Akte geteilt. Jeder hat für sich mit "Prologue" beziehungsweise "Áss hinn hvíti" ein instrumentales Eröffnungsstück und zieht danach die Intenstität immer mehr an. "Hvert stefnir" gibt sich beispielweise unscheinbar, bis es im Finale in einen mitreißenden perkussiven Part mündet. Das abschließende, ausgedehnte "Dagrenning" ist natürlich sowieso dank des tosenden Finales der standesgemäße Abschluss eines ambitionierten Werks, welches sich den bereits erwähnten aufbrandenden Publikumsjubel am Schluss verdient hat. Natürlich fordert "Odin's raven magic" als vorwiegend klassisches Werk seine Zeit ein – hier geht nichts schnell, hier regiert die Tiefe. Nur wer sich konzentriert auf diese gute Stunde Mythik und Epik einlässt, bekommt am Ende auch etwas zurück. Gáránđiert.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Dvergmál
  • Stendur ćva
  • Dagrenning

Tracklist

  1. Prologus
  2. Alföđur orkar
  3. Dvergmál
  4. Stendur ćva
  5. Áss hinn hvíti
  6. Hvert stefnir
  7. Spár eđa spakmál
  8. Dagrenning

Gesamtspielzeit: 65:27 min.

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