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Donots - Birthday slams live

Donots- Birthday slams live

Solitary Man / Warner
VÖ: 04.12.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Hächzlichen!

25 Jahre Donots!? Dieses unwirkliche Fest ließen sich die partyaffinen Punkrocker aus dem westfälischen Nest Ibbenbüren natürlich nicht nehmen. Von den fetten Live-Geburtstags-Sausen, die 2019, in einem Land vor Corona, über ausgewählte Bühnen der Republik rauschten, blieben Schweißflecken, Pogo-Wehwehchen – und natürlich so manch hartnäckiger Bierkater. Und nun dann auch das erste Live-Album der Bandhistorie. Ein logischer Schritt, wenn es aus nur allzu bekannten Gründen schon keine Konzerte gibt. Einen Text zu den Donots beginnen mit gleich zwei logischen Schlüssen auf einmal? Hat vielleicht mit dem Alter zu tun, aber in der Tat wohnt nicht nur gemeinsamen Erinnerungen mit der Band ein bisschen was inne, was an die gute alte Kinder-Schokolade erinnert: 25 Jahre gezeichnet von Sympathie, kurzweiligen Stunden und der ungetrübten Begeisterung für Musik.

All das ist selbstverständlich auch "Birthday slams live", das Box-Set und doppelte Live-Paket, ein bleibendes Zeugnis der fetten Feierlichkeiten, mittels dessen die Band nun Geld für ihre durch Corona arbeitslose Live-Crew sammelt. Das ist löblich wie selbstverständlich im Kosmos der Ibbenbürener, für die Respekt, Zusammenhalt und Freundschaft immer weit vor monetären Dingen standen. Ebenso selbstverständlich daher, dass mit "Superhero", "Whatever happend to the 80s" und "Saccharine smile" auch Songs aus der früheren Phase noch mit zur Jubiläumssause dürfen, denn schließlich stehen da noch immer dieselben fünf Jungs auf der Bühne wie einst 1994, beim ersten Konzert. Zugleich spiegelt die Songauswahl die aufregende Berg- und Talfahrt der Kombo wieder: Von den Kinderschuhen zu  "Pocketrock", die nicht unerhebliche Identitätskrise Mitte der Nullerjahre, als man sich nach dem bedenklich prolligen  "Got the noise" vom GUN-Label löste, über den Neustart mit  "Coma chameleon", von welchem ihr mit Abstand bester Popsong "Stop the clocks" stammt, bis hin zu der andauernden Phase 'Punkrock auf Deutsch' seit "Karacho".

Ein Weg, auf dem sich die Band auch freigemacht hat von einstigen Szene-Regeln und mit Tanzfegern wie "Calling" bewiesen hat, dass der Mix aus New-Wave-Indie und Billo-Synthies auch Punkrock sein kann. Ein Vierteljahrhundert, in dem man überall und immer wieder betont, dass Antifaschismus kein Extrem, sondern demokratische Pflicht ist. Das Publikum dankt's in Berlin, Hamburg, Wiesbaden, Düsseldorf und Ibbenbüren mehr als lautstark, frisst dem Fünfer aus der Hand. Und wie das bei einem Donots-Konzert eben so ist, steht der Spaß ganz weit vorn. Die Band scheißt auf Perfektion, nimmt die offensichtlichen Beulen der Kompositionen und deren Umsetzung im Schweiße ihres Angesichtes in Kauf. Fängt die 21 Stücke für diese Platte ungeschönt ein, belässt sie roh und unfertig. Sänger Ingo Knollmann moderiert, witzelt, motiviert und hat wie immer auch klare politische Ansagen in petto.

Sein Bruder Guido, Gitarren-Derwisch zwischen vorderer Bühnensektion und Publikum, lässt in "Das Dorf war L.A." unser aller Punker-Jugend in der Provinz noch einmal emotional aufleben. Und trotz leichter Übersättigung darf die Huldigung des Klassikers "We're not gonna take it" auch hier nicht fehlen – allein deswegen, damit man seine ergrauenden Haarflanken kredibel dazu nutzen kann, jüngeren Partygästen zu erklären, dass dies kein Donots-Song ist. Dazu gesellen sich auf "Birthday slams live" als Gratulanten einige Weggefährten, wie die Antilopen Gang, Die-Toten-Hosen-Drummer Vom Ritchie, Broilers-Sammy und Jan Windmeier von Turbostaat. Und wenn "So long" dann in der Live-Version über neun Minuten lang die Schotten dicht macht, die Luft bloß noch aus Schweißgeruch, Euphorie und Mitsing-Aerosolen besteht, reibt man sich verwundert die Augen, dass diese Band nach 25 Jahren noch immer nicht fertig hat. Gut so. Und nochmals ausdrücklich "Hächzlichen!" von dieser Stelle.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Calling
  • Keiner kommt hier lebend raus
  • Stop the clocks
  • Das Dorf war L.A.
  • Dann ohne mich

Tracklist

  • CD 1
    1. Intro
    2. Ich mach nicht mehr mit
    3. Calling
    4. Wake the dogs
    5. Dead man walking
    6. Geschichten vom Boden
    7. Saccharine smile
    8. Kaputt (feat. Antilopen Gang)
    9. Superhero (feat. Vom Ritchie)
    10. Scheißegal
  • CD 2
    1. Keiner kommt hier lebend raus
    2. Stop the clocks
    3. Gegenwindsurfen (feat. Jan Windmeier/Turbostaat)
    4. Das Dorf war L.A.
    5. Eine letzte letzte Runde
    6. Dann ohne mich
    7. Problem kein Problem (feat. Sammy/Broilers)
    8. Whatever happened to the 80s
    9. We're not gonna take it
    10. Willkommen zuhaus
    11. So long

Gesamtspielzeit: 97:13 min.

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Armin

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2020-12-10 20:57:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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