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Deafheaven - 10 years gone

Deafheaven- 10 years gone

Sargent House / Cargo
VÖ: 04.12.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Chaos und Glitzer im Rückspiegel

Mitunter lohnt ein Blick auf die Entstehungshintergründe, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Und manchmal ist es ratsam, übers Ausschlussverfahren ans Ziel zu gelangen. Deafheavens "10 years gone" wurde zwar live eingespielt, ist aber kein Live-Album im herkömmlichen Sinne. Als Best Of wollen die acht Songs aber auch weder so recht taugen noch sich verstanden wissen. Das hat weniger damit zu tun, dass sich über die Zusammenstellung nicht hier und da auch im Detail streiten ließe. Bedeutsamer ist der Umstand, dass sich "10 years gone" konsequent an den Aufführungsbedürfnissen orientiert und die abseitigeren, man könnte auch sagen innovativeren Momente der jüngeren Bandgeschichte links liegenlässt – etwa Songs wie "Near" oder "Night people" vom 2018 erschienenen Album "Ordinary corrupt human love". Da die anlässlich des Bandjubiläums geplante Tour aus Gründen nicht stattfinden konnte, spielten Deafheaven das Set kurzerhand live im Studio ein. Und ins schummrige Clublicht getaucht, vor einer schwitzend-ekstatischen Menge, so legt die vorliegende Auswahl nahe, vertrauen die Kalifornier offenbar zuvorderst auf jene Meilensteine, die das charakteristische Wechselspiel aus brüchiger Harmonie und rasendem Wahnsinn am deutlichsten zur Geltung bringen.

Mag die Platte auch ein irgendwie seltsames Surrogat sein, überhaupt nur entstanden aufgrund der besonderen Umstände und nicht zuletzt auch aus einer finanziellen Schieflage heraus – im Ergebnis überzeugt sie auf ganzer Linie. Und das meint nicht nur die Songs an sich, die nahezu ausnahmslos über jeden Zweifel erhaben sind. Dass "Sunbather" mit "Vertigo", "The pecan tree" und "Dream house" überrepräsentiert ist, wird angesichts der dargebotenen Qualität kaum jemand ernsthaft beklagen wollen. Dass andererseits das Titelstück des Opus Magnum von 2013 sowie der frühe Klassiker "Unrequited" schmerzlich fehlen, zeigt nur, dass selbst eine Spielzeit von deutlich über einer Stunde noch zu kurz ist. Wobei das mit dem Zeitgefühl ohnehin relativ ist, denn in den besten Momenten gelingt es dem Quintett, einen beinahe hypnotischen Sog zu erzeugen, wodurch Zeit zur bloßen Nebensache gerät. Für diese Wirkung mit entscheidend sind Sound und Produktion – und hier zeigt sich die heimliche Stärke von "10 years gone", zahlt es sich aus, dass die Mannen um George Clarke und Kerry McCoy nicht einfach die bereits existierenden Aufnahmen hervorgekramt und wiederverwertet haben. Die Neueinspielungen klingen durchweg druckvoll, frisch und perfekt auf den Punkt gebracht. Vor allem aber weist das Album ein homogenes Klangbild auf, wirkt in sich geschlossen und wie aus einem Guss.


Doch auch für sich genommen profitiert etwa "Daedalus", die nach Eigenaussage erste Komposition der Band überhaupt, die im Original noch sehr verwaschen aus den Boxen dröhnt, merklich vom Lifting. Erstaunlich, wie viel von dem, was Deafheaven später in immer neuen Variationen durchexerzierten, in diesem Song bereits in Grundzügen angelegt ist – und dazu noch auf unter fünf Minuten komprimiert. Brutalität und Schönheit, Verzweiflung und Erlösung: Über die Alben und Jahre hinweg haben sich Black Metal, Shoegaze und Post-Rock im Werk der Kalifornier stets aufs Neue aneinander angenähert und ineinander verschränkt. Wer mag, kann "10 years gone" auch dazu nutzen, in die verschiedenen Schaffensphasen einzutauchen – immer auf die Gefahr hin, vom wogenden Auf und Ab des Stroms überwältigt und mitgerissen zu werden. Was Deafheaven noch sein könnten und womöglich irgendwann sein werden, lässt diese Platte freilich nicht erahnen – sie erschöpft sich, siehe oben, ganz in der Rückschau. Was diese ohne jeden Zweifel große Band aber bislang ausgezeichnet hat, von der ersten Demo-EP von vor zehn Jahren bis in die Gegenwart hinein, davon gibt "10 years gone" nicht nur eine vage Ahnung, sondern lässt es uns buchstäblich mitfühlen und erleben.

(Markus Huber)

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Highlights

  • Daedalus
  • Glint
  • The pecan tree

Tracklist

  1. From the kettle onto the coil
  2. Daedalus
  3. Vertigo
  4. Language games
  5. Glint
  6. Baby blue
  7. The pecan tree
  8. Dream house

Gesamtspielzeit: 72:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

tjsifi

Postings: 554

Registriert seit 22.09.2015

2021-06-09 16:08:25 Uhr
Cool! Bin gespannt auf die Single.

Teaser:
https://www.visions.de/news/31676/Newsflash-Deafheaven-Noel-Gallagher-Summer-Breeze-u-a#deafheaven

sugar ray robinson

Postings: 109

Registriert seit 14.06.2013

2021-06-07 23:15:26 Uhr
Single diese Woche, Album Nr. 5 am 20. August

sizeofanocean

Postings: 802

Registriert seit 27.01.2020

2021-06-07 19:43:31 Uhr
auf den Social Media Seiten von Deafheaven tut sich was, es gibt einen klitzekleinen Videoteaser, in dem aber nur ein bisschen Synthie zu hören ist, dazu die Zahl 5, steht wahrscheinlich für das fünfte Album oder startet einen Countdown bis Freitag, man wird sehen

tjsifi

Postings: 554

Registriert seit 22.09.2015

2020-12-14 11:24:48 Uhr
Hääte gar nicht erwartet dass es eine Rezi bzw. eine Wertung gibt. Freut mich!

Weiss irgendjemand was über den "Aufnahmeprozess" des Albums? Würde mich brennend interessieren wie das gemacht wurde weil es einfach so genial klingt!

hos

Postings: 1335

Registriert seit 12.08.2018

2020-12-11 19:52:36 Uhr
1A Musik um den Nachbarn auf den Sack zu gehen.

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