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The Bug ft Dis Fig - In blue

The Bug ft Dis Fig- In blue

Hyperdub / Cargo
VÖ: 20.11.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Entspannung steigt

Dubweiser-Bier im Dancehall-Schuppen. Drone-Platten, die vom Vertrieb per, na klar, Drohne geliefert werden. Es gibt Sachen, die gibt es im wahrsten Wortsinne gar nicht. Aber man muss immer mit Kevin Martin rechnen. Der versichert nämlich: "If no one else is trying to do it, I'll do it." Und man weiß, wozu der Brite fähig ist: bei Techno Animal zu brüllendem Noise-HipHop, bei God zu jazzig verdrehtem Hardcore, bei Curse Of The Golden Vampire zu industriellen Extremitäten, bei seiner aktuellen Hauptbeschäftigung The Bug zu Ragga rabiat und Horror-Ambient. Ziehen wir uns für deren neueste Inkarnation, die er mit US-Elektronikerin Felicia Chen alias Dis Fig betreibt, also besser warm an. Doch natürlich hat der bärtige Schrauber für "In blue" das Steuer schon wieder herumgerissen: Digitale Grooves und Dubstep-Schaben ersetzen vordergründige Brachialität, Chens äthergetränkte Stimme tritt an die Stelle aggressiver Raps und Toastings. Und auf einmal entspannt sich auch Martin zusehends.

Was beim Blick auf das Label nicht verwundert: Die Londoner Renommieradresse Hyperdub bevorzugt von jeher feine Klinge statt grober Kelle. Jedoch auch die dunklere Spielart clubbiger Bassmusik, wie das Roster von Burial über Laurel Halo bis Zomby belegt. Das Geschmeidige des fragmentierten, entrückt geflüsterten Openers "Around me" weicht schnell diffuser Bedrohlichkeit: Diskret, aber unablässig pochen die Maschinen, tief hängen die Synth-Wolken, aus denen jeden Augenblick ein Donnerwetter losbrechen könnte. Dass dieser Fall in den zwölf eisblauen, beständig morphenden Tracks praktisch nie eintritt, ist vor allem Chen zu verdanken: Ihr Gesang schmiegt sich stets beschwichtigend um die voluminös unterfütterten Reinraum-Rhythmen des minimalistischen "Come" oder um das frostige Klackern, das "Blood" nachhaltig aufraut. Zum entschleunigten Electro-Hopper "In 2 u" hingegen lässt es sich nachts prima zum Kühlschrank wanken, in dem sich ein FKA-Twigs-Album versteckt hat. War ja irgendwie klar.

Und so erweist sich das vordergründige gegenseitige Beharken zwischen vokaler Zauberin und knorrigem Beat-Biest mit zunehmender Spieldauer als fließende Koexistenz, in der sich die Protagonisten souverän die Bälle zuspielen. Ob Martin nun Magengruben-Bässe auffährt oder sogar mit der großen Geräuschwalze anrückt – Chen hat immer die passende Antwort parat und nimmt eine ähnliche Rolle ein wie Alison Skidmore, wenn diese dem entvölkerten Post-Rave von Andy Stotts "Luxury problems" oder "Faith in strangers" menschliche Wärme einhaucht. Auf die kleine Noise-Extravaganz gegen Ende des rollenden "Blue to black" folgt die maßvolle Stilübung "Take", das perkussive Rascheln des androiden Torch-Songs "You" baut noch einmal ungeheuren Druck auf, ehe "In blue" mit den fernen Echos von "End in blue" fast so körperlos ausklingt, wie alles begann. Zugegeben: So oder so ähnlich ist dieses magische Album sicher schon einmal dagewesen. Aber das macht nichts. Denn: Es existiert. Und das ist die Hauptsache.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Come
  • Blood
  • Blue to black
  • You

Tracklist

  1. Around me
  2. Come
  3. Destroy me
  4. Blood
  5. In 2 u
  6. Levitating
  7. Forever
  8. Blue to black
  9. Take
  10. No return
  11. You
  12. End in blue

Gesamtspielzeit: 50:58 min.

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User Beitrag

ijb

Postings: 1514

Registriert seit 30.12.2018

2021-08-28 22:57:46 Uhr
Tolle Platte, in meiner Top 10 im Jahr 2020, glaub ich.
Die neue hab ich heute erhalten, noch nicht gehört. Bin sehr gespannt, da die Bug-Vorgänger weitgehend super waren. Schade, dass er Kevin R Martins Schaffen hier im Forum so wenig Wiederhall findet.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21015

Registriert seit 08.01.2012

2020-12-10 21:01:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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