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The Avalanches - We will always love you

The Avalanches- We will always love you

EMI / Universal
VÖ: 11.12.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Love is in the space

Die mehr oder weniger leicht angegrauten Leser*innen werden sich an die Zeit erinnern, als man einer neuen Flamme gerne mal ein Mixtape als musikalischen Fingerabdruck geschenkt hat. Was ist, wenn man dieses Gimmick sich nun größer denkt? Wenn es nicht um eine neue Liebe geht, sondern um eine neue Zivilisation? Ein Mixtape menschlichen Lebens – genau das sollte die goldene Schallplatte sein, die 1977 mit der Raumsonde Voyager 1 ins Weltall geschickt wurde, mit Stimmen in verschiedenen Sprachen, Naturgeräuschen, Gehirnwellen und Musik. Maßgeblich daran beteiligt waren Ann Druyan und Carl Sagan, die – so schließt sich der Kreis – im Zuge des Projekts zum Liebespaar wurden. 43 Jahre später wird den beiden von The Avalanches mit "We will always love you" ein albumgewordenes Denkmal gesetzt. Druyans und Sagans Nachricht ins All taucht mehrfach auf der Platte auf. Und sie sind nicht die einzigen, denen gehuldigt wird.

Der zweite Track heißt "Song for Barbara Payton", benannt nach einer Schauspielerin, deren Schicksal aus Gewalt durch Männer, Alkohol, Drogen und einem frühen Tod die beiden Australier so bewegt hatte. In der zehnsekündigen Interlude "Star song.IMG" ist sie sogar im Spektrogramm visuell verewigt. Außerdem rezitieren sowohl Karen O als auch Pink Siifu Zeilen vom 2019 verstorbenen Dave Berman aus dem Purple-Mountains-Song "Darkness and cold": "The light of my life is going out tonight / In a pink champagne Corvette / The light of my life is going out tonight / Without a flicker of regret." An diesem Punkt sollte deutlich sein: "We will always love you" trägt viel mehr konzeptionelles und emotionales Gewicht mit sich als die fantastische Beachparty "Since I left you" und das schlagfertige "Wildflower". Man könnte es als The Avalanches' Herbstalbum bezeichnen.

Das bedeutet aber nicht, dass der Schalk nicht weiterhin im Nacken sitzt. Es ist halt alles etwas gediegener. Der Titeltrack mit Blood Orange, welcher den ersten richtigen Song der Platte dargestellt, ist glücklich mit seiner eigenen Schwelgerei und dem Kinderchor – ausnahmsweise mal absolut gewinnbringend eingesetzt. MGMTs Andrew VanWyngarden schüttet in "The divine chord" sein Herz zu ozeanischen Klängen aus, während Johnny Marr die Klampfe betätigt. Kein One-two-three-Punch wie "Because I'm me", "Frankie Sinatra" und "Subways", klar. "We will always love you" entfaltet sich subtiler. "Running red lights" beschert Rivers Cuomo einfach mal seinen besten Popsong seit Ewigkeiten, und "Take care in your dreaming" begleitet mit säuselnden Stimmen genau in jenes Traumreich. Der Sound verschiebt sich zudem oft in Richtung Daft Punk: Während "Interstellar love" auf einer wunderbaren "Discovery" umherschwebt, ist die Perry-Farrell-Kollaboration "Oh the sunn!" in "Random access memories" versunken.

Unglaublich viel steckt auch wieder in "We will always love you", nicht nur rein quantitativ, sondern auch in Bezug auf Ideen und Anspielungen. Wenn man The Avalanches etwas vorwerfen mag, ist es hier und da leichtes Overthinking. Die Interludes wirken stellenweise zu bewusst platziert, nicht wie auf den Vorgängern wie ein Teil des natürlichen Flusses. Das zentrale "Wherever you go" dehnt sich auf sechs Minuten und präsentiert sich zwischen hölzernen Raps und den hier sehr pathetisch eingesetzten Voyager-Samples als ein gewollter, aber nicht gekonnter Versuch, etwas mit großer Bedeutung aufzuladen. Das steht ihnen nicht, dementsprechend verzettelt sich der Song in seinen verschiedenen Parts. Ebenso wie das recht lang vor sich hin piepende, mehr Message als Track darstellende Outro "Weightless" trübt das den Gesamteindruck nicht. "We will always love you" kann zwar vielleicht nicht als kompletter Querschnitt über das Leben auf der Erde dienen. Aber wenn man ein Album ins All schicken müsste: Die Außerirdischen hätten ihre Freude daran.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • We will always love you (feat. Blood Orange)
  • The divine chord (feat. MGMT & Johnny Marr)
  • Interstellar love (feat. Leon Bridges)
  • We go on (feat. Cola Boyy & Mick Jones)
  • Running red lights (feat. Rivers Cuomo & Pink Siifu)

Tracklist

  1. Ghost story (feat. Orono)
  2. Song for Barbara Payton
  3. We will always love you (feat. Blood Orange)
  4. The divine chord (feat. MGMT & Johnny Marr)
  5. Solitary ceremonies
  6. Interstellar love (feat. Leon Bridges)
  7. Ghost story pt. 2 (feat. Orono & Leon Bridges)
  8. Reflecting light (feat. Sananda Maitreya & Vashti Bunyan)
  9. Carrier waves
  10. Oh the sunn! (feat. Perry Farrell)
  11. We go on (feat. Cola Boyy & Mick Jones)
  12. Star song.IMG
  13. Until daylight comes (feat. Tricky)
  14. Wherever you go (feat. Jamie xx, Neneh Cherry & Clypso)
  15. Music makes me high
  16. Pink champagne
  17. Take care in your dreaming (feat. Denzel Curry, Tricky & Sampa The Great)
  18. Overcome
  19. Gold sky (feat. Kurt Vile)
  20. Always black (feat. Pink Siifu)
  21. Dial D for devotion (feat. Karen O)
  22. Running red lights (feat. Rivers Cuomo & Pink Siifu)
  23. Born to lose
  24. Music is the light (feat. Cornelius & Kelly Moran)
  25. Weightless

Gesamtspielzeit: 71:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Rote Arme Fraktion

Postings: 3588

Registriert seit 13.06.2013

2021-03-15 21:19:49 Uhr
Yep, ein Musik-Trip. Immer noch mein Highlight des letzten Jahres.

Dielemma

Postings: 470

Registriert seit 15.06.2013

2021-03-15 20:27:07 Uhr
Habe mich heute mal wieder auf die Reise begeben, was für ein traumhaftes Album!

Gordon Fraser

Postings: 1975

Registriert seit 14.06.2013

2021-01-11 13:25:32 Uhr
Ich vermute mal es kam zu spät raus für die meisten?

Das auf jeden Fall. Habe es vor dem Jahresende nur zwei-drei Mal gehört und konnte es noch nicht wirklich einschätzen.

Für mich funktioniert da nicht alles, aber ein paar Perlen sind da definitiv wieder dabei.

Fiep

Postings: 758

Registriert seit 29.04.2014

2021-01-11 12:51:50 Uhr
Mir gefällt es einfach nicht, aber ich hätte es auch weiter oben erwartet. Ich vermute mal es kam zu spät raus für die meisten?

Rote Arme Fraktion

Postings: 3588

Registriert seit 13.06.2013

2021-01-11 09:13:44 Uhr
Gehe ich sowas von mit.

Läuft seit Wochen bei mir rauf und runter.

Hätte gedacht das es ein richtiges Konsens-Album in der Indie-Szene ist. Also im Poll auch locker die Top 10 knackt.

Aber irgendwie kam es nicht so gut an. Vielleicht weil es zu Beginn etwas ausgefranst wirkt wegen den Übergängen. Aber nur zu Beginn, das fügt sich irgendwann zu einem sinnvollen Ganzen zusammen.

9/10 für mich

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