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The Style Council - Long hot summers - The story of The Style Council

The Style Council- Long hot summers - The story of The Style Council

Polydor / Universal
VÖ: 30.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

That's entertainment

"Leave in silence" von Depeche Mode – ein Hit für die Ewigkeit. So die vorherrschende Meinung. Es sei denn, man fragt Paul Weller, der das Stück seinerzeit mit "Da kommt ja sogar aus Kenny Wheelers Arschloch mehr Melodie" abkanzelte und somit klanglich noch unter den Flatulenzen von einem seiner Roadies einordnete. So war oder vielmehr ist er eben, der Brite: viel verehrter Modfather mit The Jam, überzeugter Labour-Anhänger – und der erste Lautsprecher des Brit-Pop, der sich traute, richtig auf die Kacke zu hauen. Muss man wissen, wenn man sich später darüber amüsierte, dass Noel Gallagher vorschlug, Keane sollten sich in "Trottel" umbenennen, weil sie keinen Gitarristen haben. Immerhin backte Weller zwischenzeitlich mal kleinere Brötchen – auch angesichts dessen, was er zeitweilig mit Sozius Mick Talbot bei The Style Council anstellte.

Die unterlagen nämlich gewissen Qualitätsschwankungen. Besonders gegen Ende der Achtziger, als das an sich geschmackvolle Sophisti-Pop-Duo zusehends ins Käsige abrutschte und zum Schluss sogar das Deep-House-Album "Modernism: a new decade" vorlegte, das seiner Zeit zwar voraus war, von der Plattenfirma aber entsetzt abgelehnt wurde und erst zur Jahrtausendwende erschien. Diese neuerliche Best Of gibt ihr Backkatalog trotzdem her – dank anerkannter Longplayer wie "Café Bleu" oder "Our favourite shop" und vor allem wegen des vorzüglichen Evergreens "Shout to the top!", der bis heute gleichermaßen Sixties-Weekender, Indie-Discos und Formatradios rockt. Ein Song, wie ihn sich The Who und The Divine Comedy zusammen in der Zeitmaschine ausgedacht haben könnten. Und repräsentativ für die stärkste Seite von The Style Council.

Anders als das titelgebende "Long hot summer", das mit robusten Beats und tiefgehendem Anspruch, aber wenig Inspiration eher dem Plastik-Dance-Trend um 1983 herum hinterherhechelte. Clever also, die bläserstrotzenden Uptempo-Brüller an den Anfang dieser zwei CDs zu stellen: "My ever changing moods" heizt dampfend vor, "Walls come tumbling down!" legt mit vorlautem Weller, jubilierendem Background-Chor und munterem Honky-Tonk-Piano nach – schon ist man eingegroovt. Zumal für einige Schattierungen gesorgt ist: Hübsche, maßvolle Balladen wie "It just came to pieces in my hands" oder der hinreißende Seufzer "Have you ever had it blue" wechseln sich ab mit dem düsteren "Ghosts of Dachau" oder "Come to Milton Keynes", das mit Power und Stil lange vor Pulps "Cocaine socialism" die unter Margaret Thatcher hochgezogene Planstadt karikiert.

Auf dem zweiten Tonträger werden die Highlights weniger – schließlich räumte Weller einmal ein, sich in der Spätphase der Band etwas viel um Politik und etwas wenig um Musik gekümmert zu haben. Zum Glück wusste er mit Talbot einen versierten Komponisten und Arrangeur an seiner Seite, der zudem diverse Fässer aufmachte. Glamourösem Synth-Pop kamen The Style Council nie näher als im sublimen "Boy who cried wolf", während das Instrumental "Dropping bombs on the Whitehouse" ausnehmend virtuos gleich mehrere Jazz-Altvordere einsammelt. Und die Coverversion von Joe Smooths House-Klassiker "Promised land" bleibt zwar arg entwurzelt, aber sagt wie sämtliche 37 Stücke: Nehmt das. Pop, Mod, Beat, Kitsch, Soul von Northern bis Blue Eyed. Was das alles soll? Stellte Weller schon 1981 bei The Jam klar: "That's entertainment". Recht hatte er.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • My ever changing moods (extended version)
  • Walls come tumbling down!
  • Shout to the top!
  • Boy who cried wolf
  • How she threw it all away
  • Have you ever had it blue (uncut version)

Tracklist

  • CD 1
    1. Headstart for happiness
    2. Long hot summer (extended version)
    3. My ever changing moods (extended version)
    4. Walls come tumbling down!
    5. Party chambers (early version)
    6. Wanted (or Waiter, there's some soup in my flies)
    7. Shout to the top!
    8. It just came to pieces in my hands
    9. Come to Milton Keynes
    10. Why I went missing
    11. Waiting
    12. Ghosts of Dachau
    13. Down in the Seine
    14. The Paris match (early version)
    15. Boy who cried wolf
    16. Life at a top people's health farm (remix)
    17. Homebreakers
    18. Dropping bombs on the Whitehouse (extended version)
  • CD 2
    1. Speak like a child
    2. The lodgers (or She was only a shopkeeper's daughter)
    3. Money-go-round (single edit)
    4. You're the best thing
    5. How she threw it all away
    6. A man of great promise
    7. The Piccadilly trail
    8. A solid bond in your heart
    9. All gone away
    10. Sweet loving ways
    11. Promised land (single edit)
    12. Have you ever had it blue (uncut version)
    13. It didn't matter
    14. Spin drifting
    15. Here's one that got away
    16. A woman's song
    17. Changing of the guard
    18. My ever changing moods (demo)
    19. Shout to the top! (instrumental)

Gesamtspielzeit: 143:15 min.

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Armin

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2020-11-30 22:45:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Im Rahmen von "Weihnachtsspecial, Teil 1: Best Ofs, Soundtracks, Remixplatten und Weihnachtsalben"

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