A Perfect Circle - Thirteenth step

A Perfect Circle- Thirteenth step

Virgin / EMI
VÖ: 15.09.2003

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Liebeselixier

Die blonde Schnecke. Süß und bitter, seidig und klebrig, anmutig und plump, hellwach und gleichgültig, fokussiert und ziellos, wunderschön und doch so abstoßend. Soll man für sie leben oder gegen sie? Sie streicht einem übers Gesicht. Sie schweigt. Verschweigt ihre Absichten. Menschen mit Tieren, Menschen als Tiere. Die ganz besondere Ästhetik des Maynard James Keenan.

Nachdem A Perfect Circle bereits mit dem Debüt "Mer de noms" alles Erdenkliche dafür getan hatten, den Ruf des zweitklassigen Tool-Side-Projekts zu verhindern, sind sie mit "Thirteenth step" endgültig zu einer Supergroup des Alternative Rock ausgewachsen, die selbst Audioslave wie einen Kindergarten erscheinen läßt. Billy Howerdel als Kopf im Hintergrund, Maynard James Keenan (Tool) als Kopf im Vordergrund, Drum-Tausendsassa Josh Freese in der Schießbude und Jeordie White (a.k.a. Twiggy Ramirez / Ex-Marilyn Manson) bilden das Dream Team für die zweite Platte. Und unlängst stieß auch noch James Iha (Ex-Smashing Pumpkins) hinzu, der allerdings auf der Platte nicht mehr zum Zuge gekommen ist.

Riesige Namen also. Und alles andere als ein epochales Meisterwerk, die Erleuchtung, die Zukunftsweisung moderner Rockmusik wäre eine Enttäuschung. Und für A Perfect Circle muß es helle Freude zu sein, die Erwartungshaltungen nun mit einem keinesfalls lauten, aber um so subtileren Krachbumm zu pulverisieren. Mit "The package" wird man von einem unhandlichen, knapp achtminütigen Brocken unwillkommen geheißen. Ohne musikalische Härte, dafür mit emotionaler. All das sorgt für Verwirrung und für eine Tiefe, die man so leicht nicht erklären und schon gar nicht vermeiden kann. Sie zieht. Runter und runter. Hin und her. Und tiefer, immer tiefer.

Und ist man erst einmal gefangen, erdrückt, hilflos, versteht man auch "Weak and powerless", die nur scheinbar geradlinige Vorabsingle. "Desperate and ravenous / So weak and powerless over you." Ein Song, ein Album über das Ausgeliefertsein. Über die Abhängigkeit von sich selbst und einem anderen Menschen. Über die Schlinge, die sich zuzieht, mal etwas Luft verleiht und doch nie locker läßt. Wie es ihr beliebt. Und nicht, wie es einem selbst beliebt. "The noose" entlarvt und beklemmt. "Your halo's slipping down to choke you now." Einer der seltenen Momente, in denen man sich sicher sein kann, was Keenan meint. Ohne sich sicher sein zu können. Keenan leidet, und man leidet in ihm weiter.

"Thirteenth step" ist anders. Bis auf den beklemmenden Opener bietet kein einziger Song die Überlänge eines Tool-Epos. Und nur zweimal wird es so laut wie auf dem Vorgänger "Mer de noms": In "Pet" überfällt die Schwere schubweise, und mit "The outsider" überwältigt Keenan mit einem der besten Songs, den er je intoniert hat. "Disconnect and self destruct one bullet at a time / What's your rush now, everyone will have his day to die." Wieder diese innere Zerrissenheit, wieder dieses Gefühl, das einen doch besser nicht beschlichen hätte.

A Perfect Circle haben ihre ganz eigene Vorstellung von Härte entwickelt. "Crime" lebt statt von Gesang, nur von Keenans siechenden Mundbewegungen, und "A nurse who loved me", eine Coverversion der grundlos unterschätzten Failure, besteht aus nichts als sphärischem Geräusch, bissigen Streichern. Und Maynard James Keenan. Der einen zappeln läßt. Und all das doch selbst durchsteht. Das finale "Gravity" schließlich bettelt ein letztes Mal um Rettung: "I am surrendering to the gravity and the unknown / Catch me heal me lift me back up to the sun / I choose to live, I choose to live." Und trotz des Flehens wird man doch nur fallen gelassen und ohne Schlüssel im düsteren Kerker der unerfüllt Liebenden eingesperrt. Mit der Unsicherheit, ob man je wieder herauskommt und Tageslicht sehen wird, stirbt man tausend Tode. Und nascht am Jenseits. Das blonde Gift breitet sich aus. Langsam wie eine Schnecke. Und gnadenlos wie ein Monster.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Weak and powerless
  • The noose
  • The outsider

Tracklist

  1. The package
  2. Weak and powerless
  3. The noose
  4. Blue
  5. Vanishing
  6. A stranger
  7. The outsider
  8. Crimes
  9. The nurse who loved me
  10. Pet
  11. Lullaby
  12. Gravity

Gesamtspielzeit: 50:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

keenan

Postings: 2348

Registriert seit 14.06.2013

2019-05-07 09:02:36 Uhr
@ machina

war ja auch neben "passive", welches mein einziges highlight des albums emotive ist, auch der einzige eigenständige song der band ;-)

The MACHINA of God

Postings: 17127

Registriert seit 07.06.2013

2019-05-06 17:57:19 Uhr
pet ist für mich der deutlich bessere song als der komische counting remix...

Klar. Aber den mochte ich von der "eMotive" noch am meisten.

keenan

Postings: 2348

Registriert seit 14.06.2013

2019-05-06 12:45:29 Uhr
weak & powerless unterbewertet?

genau das gegenteil ist doch der fall wie ich finde, da den song die meisten fans sehr mögen und als favourite sehen. ich hingegen empfinde ihn als einen der schwächsten.

a stranger und gravity empfinde ich übrigens als unterschätzt ;-)

pet ist für mich der deutlich bessere song als der komische counting remix...

The MACHINA of God

Postings: 17127

Registriert seit 07.06.2013

2019-05-05 00:25:39 Uhr
In die müsste ich mich mal wieder reinhören. Das ist so ein Album was im positiven SInne einfach vorbeizieht.

Affengitarre

Postings: 5353

Registriert seit 23.07.2014

2019-05-05 00:24:42 Uhr
Ja, das war wieder richtig gut. Ich kann es nur wiederholen, aber es ist ein richtiges Album. Die Trackreihenfolge, die homogene, tolle Atmosphäre, die Dramaturgie, der Sound, das ist schon klasse. Wobei es in der Hinsicht auch manch anderes, geiles Stück gibt. Vielleicht bald mal die grandiose "Pornography"?
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