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Pharaoh Overlord - 6

Pharaoh Overlord- 6

Rocket / Cargo
VÖ: 27.11.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nach Grunz die Sintflut

Alles muss seine Richtigkeit haben. Das war schon im alten Ägypten so. Wäre es nach Pharaoh Overlord gegangen, hätte womöglich sogar in den Pyramiden auf jedem Treppenabsatz ein Feuerlöscher an der Wand gehangen. Was man hören könnte, während man sie anbringt? Jussi Lehtisalo und Tomi Leppänen aus Finnland hätten da eine Idee. Zugegebenermaßen keine, die noch nie dagewesen wäre oder sich nicht auf ihre früheren Bands wie K-X-P oder Aavikko zurückverfolgen ließe: Wie viele ihrer Landsleute hegen die beiden eine Vorliebe für dampfenden Heavy- und Stoner-Rock einerseits sowie für krautige Elektronik andererseits. Und auch auf ihren bisherigen Alben hatte – siehe oben – diesbezüglich alles seine Richtigkeit. Doch Pharaoh Overlord wollten mehr – und holten sich kurzerhand Aaron Turner ans Mikro.

Der sorgt bei den Sludge-Institutionen Isis, Old Man Gloom und Sumac unter anderem für das, was man als kräftige Männerstimme umschreiben könnte. Ursprünglich sollte er auf dem sechsten Pharaoh-Overlord-Album nur ein paar Stücke, nun ja, veredeln – bis seine Growls zum mitbestimmenden Element von "6" wurden. Es mag kein revolutionärer Kunstgriff sein, motorischen Space-Rock, EBM und Synth-Wave mit den stilistischen und inhaltlichen Insignien eines der härtesten Gitarrenmusik-Genres zu interpretieren – doch wie Pharaoh Overlord diesen unwahrscheinlichen bis bizarren Crossover durchziehen, ist schlichtweg überwältigend. Jeder Schlag aus den scharfgemachten Maschinen, jede säurehaltige Riff-Grundierung, jedes bösartige Zuhacken des Lead-Organs sitzt so todsicher wie die Giftzähne des aggressiven Schlangenviechs auf dem Cover.

Dabei kennt dieser rustikale elektronische Rock'n'Roll natürlich seine Pappenheimer – schließlich wollen Pharaoh Overlord zunächst verstehen, was sie anschließend übers Knie legen. Eine rotes Fleisch fressende Version frühachtziger Kraftwerk pumpt genauso aus diesen Tracks wie entmenschte Body-Music, die Acts wie Terror Against Terror mit finsteren Visionen psychologischer Kriegsführung unterfütterten. Und wo die gleichgesinnten Op:l Bastards auf "The job" die Punk-Garage zur Disco umfunktionierten und "Don't bring me down" von Electric Light Orchestra durch den Vocoder quetschten, vollziehen die Skandinavier den Schritt zum Metal zumindest gesanglich mit bohrender Konsequenz. Ab dem ersten Grunzer des plattwalzenden Openers "Path eternal" steht fest: Dieses Album zeigt nicht nur, wo der Hammer hängt, sondern lässt ihn durchgängig kreisen.

Trotzdem sind Lehtisalo und Leppänen schlau genug, ihrer Musik auch jenseitige Luftigkeit zu verleihen. Immer wieder wehen durch "6" längliche kosmische Melodien, und Turners Brüllsäuseln macht in Stücken wie "Tomorrow's sun" die gravitätische Grabesstimmung des Doom greifbar – was ihn nicht daran hindert, einen zu Beginn des kolossalen "Without song all will perish" so grob anzuschnauzen, dass sich die Ohren von selbst anlegen. Zum Glück ist nahezu jeder Song mit einem flaumig-bassigen Gewobbel ausgelegt, zu dem es sich wohlig über pink glühende Wolken schmooven lässt – auch wenn man nicht so genau wissen möchte, welche Sintflut darunter gerade tobt. Pharaoh Overlord verraten es uns nicht, sondern lassen lieber einen mächtigen King-Kong-Groover mit dem Gesang eines Tyrannen da. Und das hat viel mehr als nur seine Richtigkeit.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Path eternal
  • Without song all will perish

Tracklist

  1. Path eternal
  2. Arms of the butcher
  3. Without song all will perish
  4. Tomorrow's sun
  5. Blue light hum

Gesamtspielzeit: 40:10 min.

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Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2020-11-30 22:47:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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