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Dua Lipa & The Blessed Madonna - Club future nostalgia

Dua Lipa & The Blessed Madonna- Club future nostalgia

Warner
VÖ: 28.08.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nein, Mann

Lady Gaga, Kylie Minogue, Róisín Murphy. Ausgerechnet im Jahr 2020 fanden viele Pop-Queens nach eher so halb geglückten Kunst- und Genre-Ausflügen wieder Gefallen am gepflegten Abfackeln von Tanzflächen. Auch Dua Lipa hatte sich schon gefreut, ihr ebenfalls hochkinetisches "Future nostalgia" auf den Bühnen Europas zur verschwitzten Massengaudi zu machen. Doch weil das aus bekannten Gründen nicht klappte, will sie zumindest die Zoom-Partys ihrer Fans befeuern. Kuratiert von der aus Kentucky stammenden Produzentin The Blessed Madonna versammelt die Britin über drei Handvoll Mitwirkende – Weltstars, Indie-Darlings und Underground-Koryphäen –, um ihr zweites Album durch den feierbiestigen Fleischwolf zu drehen. Das Resultat ist keine lieblos zusammengepappte Remix-Compilation, sondern ein DJ-Mix mit fließenden Übergängen, der trotz seiner unterschiedlichen Ansätze eine klare Linie zum Dancefloor fährt. Nicht alles funktioniert auf "Club future nostalgia", doch schafft es für die Clubmusik das, was die Originalplatte für den Radio-Pop vollbrachte: den Glanz vergangener Dekaden stilsicher ins Jetzt zu überführen.

Dabei setzen die Bastler*innen weniger auf bunten Disco-Chic und mehr auf die pulsierende Kühle der nächtlichen Großstadt. Hot Chips Joe Goddard schenkt dem eröffnenden Titeltrack zusätzliche Synths und Daft-Punk-Vocals, um ihn für jede Szene-Location von London bis Berlin fitzumachen. Ähnlich verfahren auch Jayda G, Midland und Masters At Work mit ihren Takes von "Cool" respektive "Pretty please": Der Achtziger-Glitzer der Originale wird vollständig abgesaugt, um klappernde Skelette zwischen House und UK-Garage offenzulegen. Die Ursprungsversionen müssen auf "Club future nostalgia" nicht mehr zwingend erkennbar sein, es herrscht nur die Maxime, sie in Sachen Rauschhaftigkeit aufzupeppen. Einzig Mark Ronson spielt den Partycrasher, wenn er den grandiosen Power-Pop von "Physical" zum blutleeren Midtempo-Downer samt uninspirierten Gwen-Stefani-Part runterdreht. Erwähnenswert sind auch die Mixe zweier bisher unveröffentlichter Songs: "Love is religion", ein unbeschwerter Ohrwurm-Stampfer mit kleinem Kirchenchor im Refrain, und "That kind of woman", dessen intensiver Sog von Jacques Lu Cont (ein Pseudonym von Zoot Womans Stuart Price) nach drei Minuten ein etwas jähes Ende findet. Dazu gibt es mit dem Blackpink-Feature "Kiss and make up" noch einen Bonus-Track von Lipas selbstbetiteltem Debüt, den The Blessed Madonna mit herrlich slappendem Synth-Funk statt peinlichem Pseudo-Reggae deutlich aufwertet.

Der ständige Fluss treibt allerdings so manche merkwürdige Edit-Entscheidung vor sich her. Zach Witness und Gen Hoshino lassen den Lily-Allen-Pop von "Good in bed" fast unberührt, um am Ende einen Ausschnitt von Neneh Cherrys "Buffalo stance" dranzuklatschen ­– dabei verwandelt ersterer ein paar Songs später den Pathos-Rausschmeißer "Boys will be boys" so gelungen in eine kubanische Straßenfete. Warum der düster flüsternde "Hallucinate"-Take von Mr Fingers "Hollaback girl" ­– nochmal Stefani – als Intro bekommt, erschließt sich nicht, und selbst die Star-Auftritte von Missy Elliott und der echten, ungesegneten Madonna im Über-Hit "Levitating" wollen trotz spannender Minimal-Beats nicht zünden. Doch die geglückten Remixe überwiegen klar: Horse Meat Disco schieben etwa die Euphorie-Regler von "Love again" hoch, ohne dessen Retro-Charme zu ersticken, während Yaeji "Don't start now" kurz ins Gefrierfach packt. Ganz zum Schluss streckt Detroit-House-Legende Moodymann "Break my heart" auf eine sechsminütigen Erlebnisreise mit Bass und Kuhglocke und beweist, dass auch eine ambitioniertere Interpretation von Lipas Musik fruchtbar sein kann. Wenn man zu Ambitionen nur etwas gelenkiger tanzen könnte.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Boys will be boys (Zach Witness remix)
  • Love again (Horse Meat Disco remix)
  • Break my heart (Moodymann remix)

Tracklist

  1. Future nostalgia (Joe Goddard remix)
  2. Cool (Jayda G remix)
  3. Good in bed (Zach Witness & Gen Hoshino remix)
  4. Pretty please (Midland refix)
  5. Pretty please (Masters At Work remix)
  6. Boys will be boys (Zach Witness remix)
  7. Love again (Horse Meat Disco remix)
  8. Break my heart / Cosmic girl (Dimitri From Paris edit)
  9. Levitating (The Blessed Madonna remix feat. Madonna & Missy Elliott)
  10. Hallucinate (Mr Fingers deep stripped mix)
  11. Hallucinate (Paul Woolford extended remix)
  12. Love is religion (The Blessed Madonna remix)
  13. Don't start now (Yaeji remix)
  14. Physical (Mark Ronson remix (feat. Gwen Stefani)
  15. Kiss and make up (Remix with Blackpink)
  16. That kind of woman (Jacques Lu Cont remix)
  17. Break my heart (Moodymann remix)

Gesamtspielzeit: 50:07 min.

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Armin

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2020-11-30 22:45:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Im Rahmen von "Weihnachtsspecial, Teil 1: Best Ofs, Soundtracks, Remixplatten und Weihnachtsalben"

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