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J.E. Sunde - 9 songs about love

J.E. Sunde- 9 songs about love

Because / Al!ve
VÖ: 27.11.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Haha! Herzig!

Alle paar Jahre wirkt es, als tauche ein (zumindest für die größere Masse) neues Gesicht auf dem Radar auf, das irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein scheint – und das mal eben die Musiklandschaft ein bisschen umpflügt. Oder von dem man genau das zumindest annehmen würde. Immer wieder spannend zu sehen, wie ein gewisser Name sich an einer Stelle plötzlich als Samenkorn einnistet, das nach und nach an allen möglichen Stellen Früchte trägt. Tobias Jesso Jr. wäre so einer, der da schnell aufploppt im Erinnerungszentrum des Gehirns: Dessen Debütalbum "Goon" sorgte 2015 bei der Kritik für aufgeregtes Freudengeschrei. Das lag einerseits sicher an seinem nicht von der Hand zu weisenden Talent, doch noch mehr irgendwie daran, dass der damals 29-Jährige Musik machte, die klang, als sei er gerade ein paar Tage vorher 40 Jahre durch die Zeit gereist. Jesso Jr. wurde der Rummel um seine Person schließlich zu viel – aus dem einstigen Next Big Thing wurde aber immerhin ein verlässlicher Songwriter und Produzent für Kollegen wie Haim, Florence & The Machine oder auch Emma Louise.

Nun steht mit J.E. Sunde der nächste Zeitreisende in den Startlöchern. Der Unterschied? Während bei Jesso Jr. stets der Holzhammer mitschwang, der darauf hinwies, dass es sich hier um einen ernstzunehmenden Musiker™ handelt, ist die ganze Angelegenheit bei Sunde durchaus humoriger. Lustig wirkt er, der Mann aus Minneapolis. Sympathisch! Lachen sollte man über das Gründungsmitglied des Trios The Daredevil Christopher Wright trotzdem wahrlich nicht. Ihm jedoch mit einem Lächeln zu begegnen, dürfte angesichts seines neuen Albums "9 songs about love" wohl nicht so schwer sein. Gemeinsam mit seinem Kumpel und Produzenten Brian Joseph, der in der Vergangenheit bereits mit solchen Größen wie Bon Iver und Paul Simon zusammengearbeitet hat, nahm er die Platte in den Eau-Claire-Studios auf und dürfte nun sogar bei all jenen das Herz erweichen, die sich von der doofen alten Liebe längst abgewandt haben wollten.

Bisschen folkig, bisschen poppig, sehr Sechzigerjahre-lastig, stets selig: "9 songs about love" ist, obwohl es ursprünglich aus einer waschechten Schaffens- und Existenzkrise entstand, ein Album voller kleiner Umarmungen, Muntermacher und Trösterchen. Schon der wunderbar samtige Opener "Sunset Strip", der bereits in den ersten Sekunden auf einen harmonischen "Uuuuh"-Chor setzt, weiß zu überzeugen: Hier schwingt weder ein anderer Holzhammer, noch winkt einer mit dem Zaunpfahl, stattdessen gibt es eine warme Einladung zum entspannten Zusammensein. Ungleich ausgelassener wird es in "Love gone to seed", dessen Titel sicher die schnell einsetzende Verzückung hinsichtlich dieses Künstlers beschreibt, während "I don't care to dance" derart nach Paul Simon klingt, dass Art Garfunkel wahrscheinlich gerade irgendwo auf der Welt mit Schaum vorm Mund ins nächste Krankenhaus rennt, um sich vorsorglich gegen Tollwut impfen zu lassen.

All das ist aber nichts gegen das wirklich hervorzuhebende beeindruckende letzte Drittel dieses Albums, denn: Die Dreierspitze zum Schluss hat es in sich. Gar nicht so sehr unbedingt, weil diese jetzt auf besonders viele Überraschungsmomente setzen würde (das tut sie nicht) oder weil es plötzlich einen Stimmungsumbruch gäbe (den braucht es nicht). Sondern etwa, weil "Your love leaves a mark on me" mit seiner absolut glaubhaften Naturverbundenheit und dem sanften Bläsereinsatz zeigt, dass Sunde gar keine Special Effects zum Überzeugen braucht. Oder auch, weil die Lagerfeuer-Kuschel-Nummer "I love you, you're my friend" genau das ausspricht, was man nach dieser halben Stunde zu dem Künstler sagen möchte. Vor allem aber auch, weil "Risk" locker zu den besten Songs gehört, die das Genre dieses Jahr hervorgebracht hat. Glaubt Ihr nicht? Hört's Euch selbst an. It's worth the risk, versprochen!

(J.E.nnifer Depner)

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Highlights

  • Your love leaves a mark on me
  • I love you, you're my friend
  • Risk

Tracklist

  1. Sunset Strip
  2. Love makes a fool of everyone
  3. Love gone to seed
  4. I don't care to dance
  5. We live each other's dreams
  6. Clover
  7. Your love leaves a mark on me
  8. I love you, you're my friend
  9. Risk

Gesamtspielzeit: 34:11 min.

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User Beitrag

Eurodance Commando

Postings: 889

Registriert seit 26.07.2019

2020-11-26 23:25:11 Uhr
Man kann sich unterhalten.

Perfect Day

Postings: 76

Registriert seit 18.01.2014

2020-11-25 18:14:51 Uhr
Sympathisch!

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 24005

Registriert seit 07.06.2013

2020-11-25 11:50:45 Uhr
Schönes Simon&Garfunkel-Feeling auf's erste Ohr. Passt auch zum Wetter heute.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19111

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-24 20:32:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. "Album der Woche"!

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