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Tom Liwa - Der, den mein Freund kannte

Tom Liwa- Der, den mein Freund kannte

Bandcamp
VÖ: 30.11.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Tom, der Tod und ich

Der Tod ist da, irgendwie immer und auf jeden Fall irgendwo. Manchmal kommt er plötzlich, zu unverschämten Unzeiten, und manchmal kündigt er sich früh an. Bereit für den eigenen Tod ist man wahrscheinlich schon manchmal. Bereit für den Tod von Mitmenschen, denen man sich verbunden fühlt, sehr selten. Beinahe täglich wird man an den Tod erinnert. Manche können eine Zeit lang verdrängen, dass es ihn gibt, und manche setzten sich fast ständig mit ihm auseinander. Man kann Stunden, Tage und Wochen über den Tod philosophieren, über all die Ängste, die damit verbunden sind, über die Erwartung an den Tod und diese Sache mit der Erlösung, von der manche sprechen. Und man kann schweigen zum Tod. Man kann auch Zeilen schreiben über ihn und diesen mit Musik Gewicht verleihen, und man kann instrumentelle Musik machen und für sich sprechen lassen. Genau diese letzten beiden Dinge hat Tom Liwa in seinem neuem Album "Der, den mein Freund kannte" getan.

Abgesehen vom Thema des Albums, welchem er sich sicher schon mal gewidmet hat, nur eben nicht auf Albumlänge, geht er auch musikalisch neue Wege. Der erste Song "Bismo" beginnt eigentlich mit der typischen Tom-Liwa-Gitarre und verleitet fast dazu, zu erwarten, dass es eben – wenn es sowas überhaupt gibt – ein typisches Tom-Liwa-Album wird. Rein textlich wird man allerdings schon mal, trotz der "Schönheit der Welt", auf das vorbereitet, was auf einen zukommt auf dieser Platte. Er wünscht einem alten Mann dort gen Ende des Songs, "dass sein Tod genauso wird wie er es glaubt", und obendrein wünscht er das auch sich selbst und allen Zuhörern dann auch noch. Ab dem zweiten Stück bleibt die Gitarre erst einmal stumm. Es übernehmen in erster Linie dominante Synthesizer, und auch das Klavier hat Tom Liwa für sich entdeckt. Er nimmt ein gutes Stück Tempo aus seinen folgenden Songs und erzeugt damit eine atmosphärische Stimmung, in der er langsam Geschichten erzählt. Im Titelsong erzählt er gar nur eine Geschichte, ganz ohne Musik, und lässt diese Geschichte dann ab der Hälfte des Stücks mit einem wabernden Synthesizer ausklingen.

"Willi" widmet er einem verstorbenen Freund. Er singt, dass Musik wie ein Fluss sei, Musik fließe, jeder Ton wie ein Tropfen sei in einem Ozean aus Klang und dass "Willi war und Willi ist". Weiter heißt es: "Du schließt für einen Moment die Augen / Und schon ist alles weg / Du kannst es nicht festhalten / Du kannst es nicht verstehen / Doch Du kannst es auch nicht loslassen / Weil es einfach nicht geht." Das macht einen schon ein wenig traurig. Der Tod ist eben traurig, das kann ihm wohl niemand absprechen, und die Sache mit der Vergänglichkeit ist manchmal ein Drama. Das letzte Stück ist das rein instrumentale "Wenn der Abschied kommt" und schließt das Album und diesen Prozess der Auseinandersetzung vorerst perfekt ab. Tom Liwa setzt sich mit dem Tod auseinander. Dieses Album setzt sich mit dem Tod auseinander, das kann auch schon mal unangenehm sein. Hier allerdings trifft Tom Liwa den Ton und lässt die Musik für sich sprechen.

(Paul Milde)

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Highlights

  • Bismo
  • Willi

Tracklist

  1. Bismo
  2. Humble deal
  3. Spring
  4. Willi
  5. Der, den mein Freund kannte
  6. Seele
  7. Achim
  8. Väinämoinen
  9. Wenn der Abschied kommt

Gesamtspielzeit: 38:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Corristo

Postings: 834

Registriert seit 22.09.2016

2020-11-25 23:49:08 Uhr
Habe den Text jetzt auch nicht unbedingt als neutral gelesen, sondern durchaus als positiv und mich tatsächlich auch über die gefühlt recht niedrige Bewertung gewundert. Weil dafür, dass das eigentlich gar nicht so mein Genre ist, find ich den Tom Liwa, glaube ich, ziemlich gut.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21191

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-25 21:45:28 Uhr
Naja, eine 5 lese ich im PT-Konzept nicht als „okay“, sondern eher als „langweilig, nicht hörenswert“.

Dann liest Du falsch. 5/10 heißt durchschnittliches Album, unbekanntere Acts sortieren wir bis 5/10 und 6/10 überwiegend aus, deswegen findest Du Bewertungen unter 7/10 auch so spärlich bei uns.

Und wie Enrico auch gesagt hat - im gleichen Atemzug Ina Müller mit ihrer cookie cutter Musik eine höhere Punktzahl zu geben, ist schon ein trauriges Statement..

Erstens passierte das von zwei verschiedenen Rezensenten, ist also somit nur begrenzt vergleichbar. Zweitens: Gehe ich recht in der Annahme, dass Du nicht beide Alben schon gehört hast? Wir bewerten die Musik eines Albums, nicht Fallhöhe oder irgendeinen Image-Faktor von Künstler*innen.

Vive

Postings: 483

Registriert seit 26.11.2019

2020-11-25 20:48:39 Uhr
Naja, eine 5 lese ich im PT-Konzept nicht als „okay“, sondern eher als „langweilig, nicht hörenswert“. Dabei ist Tom Liwa jemand, der seine arme Seele ins Schaufenster hängt.

Und wie Enrico auch gesagt hat - im gleichen Atemzug Ina Müller mit ihrer cookie cutter Musik eine höhere Punktzahl zu geben, ist schon ein trauriges Statement..
Nicht dass Ina Müller automatisch schlecht wäre, aber die Fallhöhe sollte bei einer Punktebewertung nicht außer acht gelassen werden.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21191

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-25 18:23:13 Uhr
Lag tatsächlich laut Rezensent zwischen 5/10 ("okay") und 6/10 ("gut"). In dem Bereich muss nicht immer vernichtende Kritik im Text sein, der ja insgesamt recht neutral gehalten ist.

S.v.K.

Postings: 192

Registriert seit 13.06.2013

2020-11-25 15:11:32 Uhr
"Im Text wird übrigens null klar, warum das Album eine 5 bekommt."

Das hab ich auch nicht verstanden. 5/10 ist für PT-Verhältnisse ja schon vernichtend. Im Text find ich aber keine Kritik.
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