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War On Women - Wonderful hell

War On Women- Wonderful hell

Bridge Nine / Soulfood
VÖ: 30.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Give me a break

Feministischer Hardcore aus Baltimore, die zweite. Nach Sharptooth mit "Transitional forms" spielen in diesem Jahr auch War On Women groß auf und wieder ist der Rezensent versucht zu erklären, warum "Wonderful hell" so gut und richtig und wichtig ist. Er lässt es dieses Mal lieber bleiben. Denn, ganz ehrlich: Es ist ermüdend und irgendwie auch deprimierend. Sexismus und Rassismus, Hass und Gewalt – der ganze Mist, den War On Women anprangern, es macht keine gute Laune. Das Album dagegen schon, denn das ist in seiner Grundstimmung sogar überraschend hoffnungsvoll geraten. Empowerment heißt das Stichwort: "Let’s raise some wonderful, beautiful hell / And make this world worth living in." Das sitzt. Also warum inhaltlich näher ausführen und aufdröseln? Bitte nicht mit Desinteresse verwechseln, im Gegenteil, aber vielleicht braucht es nicht ausgerechnet noch einen Mann, der klarstellt, wie wichtig doch Feminismus ist. Und keinen Deutschen, der darauf insistiert, wie abgefuckt die Verhältnisse auf der anderen Seite vom großen Teich sind.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: "Wonderful hell" ist richtig und wichtig – und vor allem ist es ein richtig gutes Album. Schon "Capture the flag" war ja kein ganz herkömmlicher Genrevertreter, sondern wilderte auch hier und da mal auf benachbarten Feldern. Der Nachfolger präsentiert sich nun noch ein Stück vielseitiger und ausgereifter, zum Glück ohne dabei in Sachen Intensität und Furor irgendwelche Abstriche zu machen. Bestes Beispiel ist "Aqua Tofana", das mit seinen thrashigen Riffs und hämmernden Drums an Slayer und Konsorten erinnert und gleich zu Beginn mal eben den Staub von den Boxen weht. Hingegen sind der Titelsong und besonders "White lies" und "The ash is not the end" astreine, wütende Punkrock-Hymnen zum Mitgrölen und Faust in die Luft recken. "Big words" geht es mit seinem 7/8-Takt rhythmisch etwas vertrackter an, aber Gekloppe alter Schule gibt es mit "Seeds" und dem knackigen "In your path" natürlich auch. Und mit "Demon" zum Abschluss eine echte Überraschung und den bislang untypischsten Song des Fünfers um Sängerin Shawna Potter: Der sechseinhalb-minütige, atmosphärische Post-Punk-Klotz ist nicht das beste Stück auf "Wonderful hell", aber es zeigt eine Richtung auf, in die es möglicherweise gehen könnte.

So rund und abgeklärt Album Nummer drei sich präsentiert, es deutet zugleich auch an, was von dieser Formation musikalisch noch zu erwarten ist. Mit "Wonderful hell" haben sie jedenfalls ein Statement gesetzt, das für nachhaltige Resonanz auch über die Grenzen der heimischen Szene hinaus sorgen dürfte. Und inhaltlich? Sagen wir so: Es stimmt zweifellos, dass War On Women mit ihrer Haltung und ihrem Aktivismus das sind, was das Pop-Feuilleton bei passender Gelegenheit gern als "Band der Stunde" bezeichnet. Voraussichtlich wird jenes Urteil aber auch Jahre nach dieser Rezension leider noch genauso zutreffen. Womit wir dann bei der lausigen Art von Fatalismus wären, die "Wonderful hell" strikt zu vermeiden sucht. War On Women machen nämlich da weiter, wo andere die Segel streichen. Wenn dieser Text daher am Ende etwas vermitteln sollte, dann vielleicht, dass die Musik mal wieder klüger als der Rezensent ist. Vor allem aber, dass diese großartige Band ein Stück Musik vorgelegt hat, das wirklich jede Form von Aufmerksamkeit verdient.

(Markus Huber)

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Highlights

  • Aqua Tofana
  • Wonderful hell
  • The ash is not the end

Tracklist

  1. Aqua Tofana
  2. Milk and blood
  3. Wonderful hell
  4. This stolen land
  5. White lies
  6. Big words
  7. Seeds
  8. Her?
  9. In your path
  10. The ash is not the end
  11. Demon

Gesamtspielzeit: 41:41 min.

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Armin

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2020-11-10 21:21:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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