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Loma - Don't shy away

Loma- Don't shy away

Sub Pop / Cargo
VÖ: 23.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wenn's Brian so freut

Jedem Ende wohnt, na ja, ein Anfang inne. Oder umgekehrt. Wie bei Loma. Das Trio aus Shearwater-Mastermind Jonathan Meiburg sowie Emily Cross und Dan Duszynski von Cross Record entstand, als die Ehe der letzteren beiden zerbrach – und legte wenig später ein erstklassiges Debüt hin, das Indie-Folk mit Torch-Song und traumwandlerischen Vocals verschränkte. Das Echo war groß, die anschließende Tournee ein Triumphzug, bei dem die Frontfrau in der Menge badete – für die Band ein idealer Zeitpunkt, um aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Doch dann kam er: Brian Eno, der verlauten ließ, "Black willow" von Loma sei das Beste, was er seit Langem gehört habe. Mit Recht, denn der behutsame Rumpel-Track mit dem spukigen Gesangsarrangement beschloss den Erstling als Highlight. Folge des Lobes aus berufenem Munde: Ob Enos Fürsprache entschieden sich Loma, ein zweites Album aufzunehmen. Und mal ehrlich, was bleibt schon übrig, wenn eine Legende zu einem sagt, man solle sich nicht lange bitten lassen?

Ehrensache, dass es auf "Don't shy away" ebenfalls das letzte Stück ist, bei dem der Ambient-Erfinder gastiert. Und obwohl er aus Gründen nicht bei Loma im Studio weilen konnte, flirrt "Homing" exquisit vor synthetischen Schlaufen aus einem kosmischen Paralleluniversum, ehe Cross' Stimme übernimmt, immer mehr anschwillt und alles zu einem so persönlichen wie versöhnlichen Ende bringt. Zuvor verhandelt das Trio nämlich noch mehr als auf "Loma" Einsamkeit, Undurchdringlichkeit des Daseins und das Licht am Ende des seelischen Tunnels. Oder vielmehr das in der Enge der mentalen Unterwelt, wie eingangs die Zeile "Stuck beneath a rock / I begin to see the beauty of it" suggeriert. Folglich ist der Kaktus im Titel von "Ocotillo" nur halb so stachelig, wie er vorgibt, wenn ein simpler Basslauf sich abwechselnd von drohendem Grollen und einer immer drängenderen Bläser-Batterie überwuchern lässt und zum Schluss ein Piano vorbeiwankt. Und allmählich beginnen sich Loma von den inneren Kämpfen zu lösen.

Spätestens beim einnehmenden Ohrwurm "Half silences" klingt alles schon ganz anders: "Generate light, generate heat, generate feeling" beschwichtigt Cross inmitten knochentrockenem Groove und raumgreifendem Twang – doch über den Berg ist "Don't shy away" zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht. Durch "Elliptical days" surren Keyboard-Stechmücken, die Gesangsspur von "Thorn" wirkt wie ein liturgischer Choral, in "Given a sign" beharken sich Handclaps und zerhackte Beats mit psychedelischem Elektronik-Arrangement, das sich auch durch "Breaking waves like a stone" und das rüttelige "Blue rainbow" zieht. Erst ab der versonnenen Interlude "Jenny" kommt dieses wunderbare Album zur Ruhe – und schlussendlich auch zu seinem Eno-Auftritt. Verdient haben Cross, Duczynski und Meiburg ihn sich allemal mit 45 Minuten, die ihr folkig-trippiges Grundthema bestmöglich um aufgeraute Soundflächen und jazzige Unwägbarkeit erweitern. Und wenn's Brian so freut, können sie nicht viel falsch gemacht haben.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Ocotillo
  • Half silences
  • Given a sign

Tracklist

  1. I fix my gaze
  2. Ocotillo
  3. Half silences
  4. Elliptical days
  5. Given a sign
  6. Thorn
  7. Breaking waves like a stone
  8. Blue rainbow
  9. Jenny
  10. Don't shy away
  11. Homing

Gesamtspielzeit: 43:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gomes21

Postings: 2961

Registriert seit 20.06.2013

2020-11-20 17:42:04 Uhr
Schönes Album, läuft bei mir häufig seit der VÖ. Mochte die erste Platte schon und bin ja auch seeehr großer Shearwater Liebhaber. Stand jetzt gefällt mir Don't Shy Away ein Stück besser als das Debüt.

saihttam

Postings: 1607

Registriert seit 15.06.2013

2020-11-20 00:21:57 Uhr
Gefällt mir bisher ganz gut! Sehr schöne Soundästhetik, die nicht zu dick aufträgt, sondern ihre experimentellen Spielereien mit Bedacht einsetzt.

Vive

Postings: 409

Registriert seit 26.11.2019

2020-11-16 16:00:25 Uhr
wirklich toll und originell. gute entdeckung!

Klaus

Postings: 1963

Registriert seit 22.08.2019

2020-11-16 12:45:37 Uhr
Sehr schön! Passen wirklich in eine Reihe mit Ex:Re, Daughter und Co.

Nochmal ein Highlight zum Jahresende :)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18790

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-10 21:17:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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