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Hachiku - I'll probably be asleep

Hachiku- I'll probably be asleep

Milk! / Marathon / Rough Trade
VÖ: 13.11.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Weltwanderung

Würde man Anika Ostendorf nach einem Wort fragen, das ihren bisherigen Lebensweg beschreibt, wäre "Kontinuität" wohl eher nicht unter den ganz heißen Favoriten. Vom Geburtsort im amerikanischen Bundestaat Michigan zog es sie während ihrer Jugend erst in die Kölner Vorstadt Dansweiler und von dort aus anschließend nach London. Mittlerweile hat sich Ostendorf am anderen Ende der Welt im australischen Melbourne niedergelassen – und veröffentlicht unter ihrem Alias Hachiku mit "I'll probably be asleep" ein in sich absolut geschlossenes Debütalbum, dem man das hektische Leben seiner Schreiberin so gar nicht anmerkt.

Stattdessen präsentiert Hachiku ein überzeugendes Stück Dream-Pop, dessen Facettenreichtum und unterschwellige Wut von den Erfahrungen sprechen, die Ostendorf an ihren verschiedenen Stationen machte. Zum Beispiel das knackige "Bridging Visa B", das mit Slide-Gitarren überrascht und dabei vom langen Prozedere für eine Aufenthaltsgenehmigung zum Leben mit ihrer Partnerin in Australien erzählt – "Presume you'll be wrong / Next time you'll be more prepared" sind die Floskeln, die man sich anhören muss, während die eigene Zukunft in der Schwebe hängt. "What happens next?"

Auch an anderer Stelle weiß die 26-jährige mit instrumentalen Kniffen zu gefallen. "Busy being boring" ist ein wunderbares Stück Dream-Pop mit einem Wechselspiel aus schwebenden Gitarrenläufen und einem träumerischen Refrain. Der Opener und Titeltrack "I'll probably be asleep" weckt mit seinem Feedback-Intro und schneidenden verzerrten Einschüben Erinnerungen an Beach House zu "Depression cherry" Zeiten – und ist dabei eine Ode an die Trägheit des modernen Lebens. "Maybe I'll be up for it / But I'll probably be asleep".

Dass die Wahl-Australierin aber sehr wohl wachsam durch die Welt geht, zeigt das großartige "A portrait of the artist as a young woman" mit seiner Erzählung von nächtlichen, alkoholgetränkten Begegnungen mit Verschwörungstheoretikern und Klimaleugnern. Im Wesentlichen ein balladeskes Stück mit äußerst liebevollem Intro, erzählt Anika Ostendorf darin mit subtiler Wut vom Unverständnis über verschwurbelte Weltanschauungen. "How dare you even talk to me?". Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Bei so vielen Volltreffern verzeiht man "I'll probably be asleep" auch eine leicht schwächelnde Zielgerade. "Shark attack" und "Murray's lullaby" sind zwar hübsche Songs, tragen aber keine wesentlichen neuen Eindrücke bei. Aus Hachikus Debütalbum spricht dennoch über weite Strecken der Scharfsinn und die vielseitige Kreativität einer Sängerin mit viel Lebenserfahrung in jungen Jahren – man darf schon gespannt sein, wohin die Reise als nächstes hingeht.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Busy being boring
  • Bridging Visa B
  • A portrait of the artist as a young woman

Tracklist

  1. I'll probably be asleep
  2. Busy being boring
  3. You'll probably think this song is about you
  4. Bridging Visa B
  5. Dreams of Galapagos
  6. A portrait of the artist as a young woman
  7. Shark attack
  8. Murray's lullaby

Gesamtspielzeit: 34:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 596

Registriert seit 19.05.2014

2020-11-19 19:54:37 Uhr
Nein, Fielmann Werbung fruehe 80er.
Ein Klassiker, jetzt schon.

Die Musik: Typische, ueberhoehte 7er Rezension einer belanglosen Platte, wie rund die Haelfte der hier besprochenen Platten. Die andere Haelfte ist aber meistens interessant. Deswegen bin ich auch hier.

Danke (fuer das Cover)...

Alice

Postings: 214

Registriert seit 27.10.2019

2020-11-10 21:48:54 Uhr
Das Cover sieht aus wie ein altes Schulfoto von Nora Tschirner.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18790

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-10 21:17:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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