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Autechre - Sign

Autechre- Sign

Warp / Rough Trade
VÖ: 08.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Es war einmal das Hirn

Anfang. Ein Konzept, das man als Mensch ziemlich schnell raushat. Außer wenn es um lästige Hausarbeiten geht. Ein Anfang ist der Moment, in dem etwas beginnt. Das war eine Erklärung. Sich Autechre zu nähern, geht immer mit einem Eiertanz einher. Hier die Klischees von den verschrobenen Nerds, dort die Flucht ins Absurde. Wobei letztere als Strategie generell nicht zu verachten ist. Steuerberater wissen, wovon die Rede ist. "Sign" (Eigenschreibweise: "SIGN") heißt das erste neue Album des Duos neben >"Plus". Das Artwork ist minimalistisch wie eh und je. Und die Musik kündet ein weiteres Mal von einer Zukunft, in der Maschinen die Kontrolle übernommen haben. Aus diesem Grund soll nun eine Definition von Grützwurst den Beginn des deskriptiven Teils markieren.

Als Grützwurst bezeichnet man verschiedene Wurstsorten von Kochwurst mit Nährmitteln, die neben Fleisch auch Grütze enthalten. Das sollte man wissen, wenn man Grützwurst herstellen will. "Esc desc" beherzigt dies und zerlegt sämtliche Metaphern in seine Einzelteile, vergisst dabei aber nicht, sie mit Bommeln zu versehen. Wird ja bald kalt. Doch nicht alles ist dekonstruierte Masse auf "Sign", "Sch.mefd 2" wartet etwa mit einem richtigen Beat auf. In einem Takt, den auch Nicht-Androiden nachvollziehen können. Noch konkreter, weil tanzbarer, ist "Si00". Allerdings stellt sich die Frage, wer zu solcher Musik tanzt. Fragen sind da, um gestellt zu werden. Antworten gibt es in "Au14", einem Track, der eindrucksvoll vorführt, wie viele Details sich zwischen Bassdrum und Snare verstecken lassen. Wobei hier natürlich nichts nach Bassdrum und Snare klingt. Aber das sind Details.

Deswegen entscheiden sich Autechre dafür, manche Tracks wieder völlig ohne rhythmisches Gerüst antreten zu lassen. Der Opener "M4 Lema" beeindruckt etwa mit fein ausgearbeiteten Texturen, welche eine schwerfällige Akkordfolge zum Schimmern bringen. Auch "Gr4" lässt sich Zeit. Von den Wänden tropft es, während aus den Lautsprechern ein steter Puls ertönt. Fast schon kuschelig geht es in "Psin AM" zu, wenn man sich damit abfindet, dass es statt weicher Decken nur Stahlträger gibt. Dass Musik mit solch hohem Abstraktionsgrad trotzdem funktioniert, liegt daran, dass Autechre genug Struktur übriglassen. So kann man sich festhalten, an Akkordfolgen, Rhythmen, Sounds. Ein Ende kennzeichnet sich in der Regel durch den Abschluss eines zeitlichen Vorgangs. Ein Konzept, das man als Mensch ziemlich schnell raushat. Nur die Grützwurst hat zwei.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • M4 lema
  • Si00
  • Au14

Tracklist

  1. M4 lema
  2. F7
  3. Si00
  4. Esc desc
  5. Au14
  6. Metaz form8
  7. Sch.mefd 2
  8. Gr4
  9. Th red a
  10. Psin AM
  11. R cazt

Gesamtspielzeit: 65:33 min.

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User Beitrag

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 2043

Registriert seit 14.03.2017

2020-11-30 01:17:45 Uhr
Als klarer Fan der Amber hat mich seitdem wohl kein Autechre Album wieder so richtig abgeholt.Gab natürlich immer einzelne Tracks die ich richtig stark fand aber auf Albumlänge fehlten mir häufig die Klangflächen.
Ich find bei Autechre einfach die ambientlastigeren Sachen viel besser als die sperrigen Maschinenklänge.
Sign könnte daher wohl seit der Amber das für mich stärkste Autechre Album sein dank solcher Ambient Tracks wie Metaz form8 oder vor allem r cazt, was in meine Top 5 Songs des Jahres kommen wird.



"Sign" hat imo eine ziemlich klare Vision und ist vergleichsweise eingängig für ihre Verhältnisse. "Plus" empfinde ich als kühler, eklektischer, zerstückelter und schwieriger."

Unterschreibe ich genau so

Fiep

Postings: 512

Registriert seit 29.04.2014

2020-11-16 00:58:58 Uhr
Naja, das 90% der "normalen" hörer iritiert gucken war schon seit den späten 90ern nicht anders.

Fand beide gut, aber es dauert noch bis ich die verdaut habe und mehr sagen kann.

Watchful_Eye

User

Postings: 2091

Registriert seit 13.06.2013

2020-11-11 00:30:13 Uhr
Okay, das ist schon witzig. Ich sehe es praktisch exakt umgekehrt wie Christopher. ´ "Sign" hat imo eine ziemlich klare Vision und ist vergleichsweise eingängig für ihre Verhältnisse. "Plus" empfinde ich als kühler, eklektischer, zerstückelter und schwieriger.

Nun ist "schwierig" bei Autechre nicht per se schlecht, aber "Sign" ist für mich in diesem Fall tatsächlich auch das bessere Album. In "Sign" sehe ich ein geschlossenes Werk, und "Plus" empfinde ich eher als.. Plus. Mit "X4" hat es allerdings den vielleicht stärksten Einzeltrack.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18878

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-10 21:15:15 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 2118

Registriert seit 12.12.2013

2020-11-10 20:59:56 Uhr
"Plus" ist sehr eingängig für ihre Verhältnisse. "Sign" ist etwas zerstückelter. Aber ich fand beide Alben angenehm zu hören. Würde aber mal behaupten, dass 90% aller "normalen" Musikhörer bei Autechre schon irritiert gucken.
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