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Laura Veirs - My echo

Laura Veirs- My echo

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 23.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Hier kommt die Sonne

Schwere Zeiten für Laura Veirs. Als sie das Album "My echo" einspielte, stand gerade die Scheidung mit ihrem Ehemann Trevor Martine im Raum. Relevant wird dieser Umstand, wenn man weiß, dass Martine alle Alben von Veirs produziert hat und auf ihnen so manches Instrument gespielt hat. Da mag es überraschend sein, dass er diesen Job eben auch bei "My echo" ausführte. Und noch überraschender ist vielleicht, dass man auf diesem Album wenig Frust und Verbitterung spürt, die zwischenmenschlichen Spannungen finden sich nur durch Melancholie und milde Traurigkeit gedämpft auf diesem Album. Die Künstlerin aus Portland hat viel eher einen Weg gefunden, durch die emotionalen Schwierigkeiten eine ungekünstelte Zuversicht scheinen zu lassen.

"Freedom feeling" zu Beginn ist dann auch gar nicht gebrochen und verzagt, sondern entwickelt sich zu einer schwelgerischen Hymnik, die wunderbar von anmutigen Streichern und einem klassischen Piano hin zu einer melancholischen Erfüllung begleitet wird. Noch einen Schritt mehr hin zu einer positiven Gefühlslage bewegt sich das locker pendelnde "Another space and time", welches sich zu einer sonnenflimmernden Utopie schunkelt, "In another space and time / When California's not burning / And the seas don't rise." Hier bestechen vor allem die organischen Bläser und der entspannte Bossa-Groove, nichts drückt, nicht zwängt ein. Auch die luftige Akustikgitarre in "Turquoise walls" weiß nichts von emotionalen Schräglagen, holt sich vielmehr noch einen blumigen Umarmungsrefrain voller Leben hinzu. Dies alles ist licht, von transparenter Leichtigkeit.

Auch die kernige Akustische im folgenden "Memaloose Island" ist warm und zutraulich, der Gesang juvenil unternehmungslustig. Dabei wirken die Instrumentierungen wie aus einem Guss, man hat das Gefühl, Veirs wollte eine vollumfängliche Schönheit kreieren, die ein gutes Gegenmittel gegen aktuelle Drangsal darstellt, vielleicht einen kleinen Fluchtort. Doch sei auch gesagt, dass auf diesem Album durchaus Trübsal und Trauer stattfinden, nur eben behutsam abgefedert. "End times" gleitet mit genügsamem Klavier durch graue Wolkenformationen, lässt sich aber nicht das letzte bisschen Hoffnung nehmen, "When I think of the end times / You come to mind".

Der Grundzustand dieser Platte ist jedoch eher ein lebendiger, lebensmutiger. "Burn too bright" setzt weichen Gesang neben kerngesunde, kraftvolle Drums, und der Country-Shuffle von "All the things" trägt in seiner unaufgeregten Nahbarkeit die ersten Triebe der von der Sonne umhegten Feldpflanzen in sich. Harmonisch gehen diese Stücke vorbei, sehen immer das Leuchten hinter dem Dunkel, fassen Zutrauen. Und so flirrt auch das Sonnenlicht durch den zarten Gesang von "Vapor trail", welcher nur die allerzärtlichsten Melodien über die Lippen kommen lässt. Da mögen einige, die es vielleicht eher mit der Boulevard-Presse halten, bedauern, dass kaum etwas von der Ehekrise Veirs in dieses Album geflossen ist, jeder andere darf sich aber über zwei Handvoll Songs freuen, die einem mühelos jede Menge Zuversicht einflößen.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Another space and time
  • Turquoise walls
  • End times

Tracklist

  1. Freedom feeling
  2. Another space and time
  3. Turquoise walls
  4. Memaloose Island
  5. End times
  6. Burn too bright
  7. Brick layer
  8. All the things
  9. I sing to the tall man
  10. Vapor trails

Gesamtspielzeit: 33:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Vive

Postings: 409

Registriert seit 26.11.2019

2020-11-05 22:41:46 Uhr
July Flame war wirklich ein Geniestreich.

aleceiffel

Postings: 14

Registriert seit 19.05.2016

2020-11-05 19:02:01 Uhr
So grandios ich „Burn Too Bright“ fand und immer noch finde, so schwer konnte ich mich am Anfang mit dem Album anfreunden. Natürlich hatte ich mir mehr Songs gewünscht, die musikalisch in Richtung der ersten Single gegangen wären.

„Life is good when the band is smokin' hot
The drummer drums, cause it's the last chance that he got“

Aber auch July Flame war nicht nur „July Flame“, sondern zum Glück auch „Life Is Good Blues“. Ich brauchte jedenfalls mehrere Tage, dachte zwischendurch, die Songs sind irgendwie uninspiriert. Und dann habe ich das Album dreimal hintereinander gehört, und da hat es mich gepackt. Bis heute. Vor allem „I Sing To The Tall Man“ und „Vapor Trails“.

Vive

Postings: 409

Registriert seit 26.11.2019

2020-11-04 22:02:12 Uhr
Hör ich auf jeden Fall mindestens einmal durch

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18791

Registriert seit 08.01.2012

2020-11-04 21:18:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

aleceiffel

Postings: 14

Registriert seit 19.05.2016

2020-08-01 20:28:14 Uhr
Neues Album von Laura Veirs am 23.10.2020. Vorabsingle ist „Burn Too Bright“.

Toller Song und tolles Video!
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