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Dizzee Rascal - E3 AF

Dizzee Rascal- E3 AF

Island / Universal
VÖ: 30.10.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Noch lange nicht in Rente

Alternde Rapper sind ja so 'ne Sache. Moment, kurze Google-Pause: Huch, Dizzee Rascal ist ja gar nicht so alt. Jahrgang 1984. Gut, der Mann ist eben schon so lange dabei, dass man den Eindruck bekommen konnte, er sei schon längst ein Urgestein des britischen Rap. Ist ja im Grunde auch so. Und da kommen wir zurück zum Anfang: alternde Rapper. Tja, einige von ihnen neigen doch dazu sich in komisch-bedenkliche Richtungen zu entwickeln. Manch einer dreht psychisch hohl, andere freunden sich mit Donald Trump an und wiederum andere sind mittlerweile lediglich etwas bessere Accessoires für ihre Instagram-Ehefrauen. Kanye West schafft das alles hingegen problemlos gleichzeitig. Und dann gibt es da eben diesen Dizzee, der in den frühen Nullerjahren das britische Rap-Game mit seiner rotzigen Lässigkeit auf ein neues Level hob. Und der mit der von ihm maßgeblich mitgeprägten Richtung des Grime auch als ein Pionier durchgeht. Freilich stellt sich da die Frage, ob das 2020 alles auch noch genau so funktioniert oder ob man eben verschämt zu Boden blickt und sich leise denkt: alternde Rapper ...

"E3 AF" jedenfalls ist mittlerweile die siebte Platte des Mannes aus London und wenn man es nicht sicher wüsste, könnte sie auch aus den, nun ja, späten Nullerjahren stammen. Die Beats suhlen sich im (Post-)Dubstep-Geblubber, schöpfen aus dem Vollen, während sich die Rhymes recht vollmundig darüber ergießen. Das hat dann natürlich nicht all zu viel mit der zeitgemäßen Version von Rap-Musik gemein, unterhält in vielen Momenten dennoch mit Nachdruck. Insbesondere "God knows" und "That's too much" wirken wie aus der Zeit gefallene Reliquien, die Soundkulisse klingt großspurig und aufreißerisch und bildet damit das genaue Gegenteil zu dem aktuell im Trend liegenden, eher minimalistischen Rap. Nein, hier regieren noch Wobble Bass und protzige Drops, Dizzee Rascal kümmert sich nicht darum, dass diese musikalischen Elemente ganz sicher nicht mehr "state of the art" sind. Und irgendwie darf man diese Herangehensweise ja sympathisch finden, auch wenn man sonst manchmal eher mit den Achseln zucken möchte.

Der beste Song des Albums versprüht hingegen sommerlichen Charme: "Body loose" entwickelt über seine Spielzeit von lediglich zweieinhalb Minuten einen entspannt-karibischen Flair, bollernde Beats findet man hier nicht. Rascals Vokalakrobatik ist dabei wie fast immer herausragend. Und auch "Energies + powers" überzeugt mit einem sonnigen Vibe, der die tristen englischen Regenwolken beiseite schiebt und sämtliche Gedanken an Brexit und Co. in positive Energie verstoffwechselt. In seinen stärksten Momenten agiert Dizzee Rascal im Jahr 2020 also weniger wie ein räudiger Grime-Rapper, der seine bitterbösen Verse über zerschossene Electro-Beats spittet, sondern eher wie der coole Elder Statesman, der, ins feinste Hawaiihemd gekleidet, erstmal einen großen Schluck aus seiner Kokosnuss nimmt. Und ja, diese Entwicklung steht ihm ziemlich gut. Vielleicht ist es also an der Zeit, sich vom Sound der Vergangenheit zu trennen und weiter zu ziehen. Es ist schließlich nie zu früh, in Würde zu altern.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Body loose
  • Energies + powers (feat. Steel Banglez & Alicai Harley)

Tracklist

  1. God knows (feat. P Money)
  2. That's too much (feat. D Double E & Frisco)
  3. L.L.L.L. (Love life live large) (feat. Chip)
  4. Body loose
  5. You don't know
  6. Energies + powers (feat. Steel Banglez & Alicai Harley)
  7. Eastside (feat. Ghetts & Kano)
  8. Act like you know (feat. Smoke Boys)
  9. Don't be dumb (feat. Ocean Wisdom)
  10. Be incredible (feat. Rob Jones TV)

Gesamtspielzeit: 33:33 min.

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Armin

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2020-11-04 21:15:46 Uhr - Newsbeitrag
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