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Ela Minus - Acts of rebellion

Ela Minus- Acts of rebellion

Domino / GoodToGo
VÖ: 23.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Bewegungen durch den Alltag

Ela Minus hat einige Veränderungen hinter sich. Da war zuerst ein Ortswechsel. Die Musikerin verließ ihre Heimat Kolumbien, um in den Vereinigten Staaten am Berkeley College Of Music zu studieren. Aber auch musikalisch vollzog sich ein Wandel. In Südamerika saß Ela Minus zehn Jahre hinter dem Schlagzeug einer Hardcore-Band, inzwischen hat sie sich jedoch der elektronischen Musik zugewandt. Den für ihre musikalische Vergangenheit typischen DIY-Ethos hat sie sich jedoch bewahrt. Ihr erstes Album "Acts of rebellion" entstand komplett in Eigenregie. Das Songwriting, die Produktion, die Aufnahmen, alles aus einer Hand. Dabei rennt diese Platte nicht derart die Türen ein, wie es der Albumtitel vermuten lassen würde. Denn für Minus liegt die Wichtigkeit in kleinen, vielleicht sogar bescheidenen Handlungen, die eine längere Wirkungsdauer zeitigen als die offensichtliche Heldentat. Und so ist "Acts of rebellion" eher zurückhaltend, entfaltet im Detail aber große Verführungskraft.

Die Rhythmik ist dabei oft recht stromlinienförmig, es geht um Konstanz, Allmählichkeit. So gerät die / der Hörer*in in einen Sog, lässt sich abholen und mitnehmen. Dadurch wird das Unspektakuläre auf eine Empore gehoben, eine alltägliche Motorik und ihre Schönheit geraten ins Bewusstsein. Dies können eher zurückgelehnte Rhythmen wie in "Dominique" sein oder eher treibende Beats in "El cielo no es de nadie". Letzteres verhandelt in Minus' Muttersprache den Umstand, dass man sich von seinem Gegenüber nicht das Unmögliche erwarten sollte. Und das passt dann wunderbar zu dieser unaufgeregten Musik, welche recht simple Synthie-Sounds wie kleine, funkelnde Kostbarkeiten ausstellt.

Das zauberhafte Feature von Helado Negro im Abschluss "Close" ist vielleicht das Extravaganteste, was dieses Album zu bieten hat. Die Synthie-Töne scheinen von einem frohen Kinderfest zu stammen, bunt und gelöst. Doch auch hier wird nicht übertrieben, die Gangart ist betont laid back, zu wohligen, runden Percussions wird man animiert, sich zu räkeln und zu entspannen. Dabei schwirrt ein luftiges Gefühl von zwischenmenschlicher Nähe durch das Stück, welches sich nicht mit flammenden Treueschwüren wichtig macht, sondern zufrieden eine einfache Umarmung sucht.

Die treibenden Beats von "Megapunk" verorten das Geschehen hingegen in einem düsteren Club, distanzierte Coolness wird nicht nur durch den kühl gehauchten Gesang demonstriert, sondern auch durch die frostigen Keyboard-Sounds. Entscheidend ist hier aber erneut der flüssige Verlauf, Ela Minus spart an Breaks, will lieber die störungsfreie Bewegung propagieren. Dies erscheint dann immer wieder wie aus einem Guss, doch findet die Kolumbianerin Wege, den menschlichen Faktor zu betonen. "They told us it was hard, but they were wrong" führt neben dem positiven Trotz im Titel auch noch weich ausgelegte Synthie-Wirbel mit sich. Der nüchterne Gesang macht Abstecher ins Verspielte, bekommt so ein menschliches Antlitz. Vor allem liegt jedoch in der Melodik eine ungekünstelte Nahbarkeit, die hinter der mechanischen Kühle in der Betonung durchscheint. Und so ist Ela Minus ein Album gelungen, welches keine vordergründigen Extravaganzen braucht, um durch seine artifizielle Anlage humane Wärme scheinen zu lassen.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • They told us it was hard, but they were wrong
  • El cielo no es de nadie
  • Close (feat. Helado Negro)

Tracklist

  1. N19 5NF
  2. They told us it was hard, but they were wrong
  3. El cielo no es de nadie
  4. Megapunk
  5. Pocket piano
  6. Dominique
  7. Let them have the internet
  8. Tony
  9. Do whatever you want, all the time.
  10. Close (feat. Helado Negro)

Gesamtspielzeit: 33:54 min.

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Armin

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2020-11-04 21:16:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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