M83 - Dead cities, red seas & lost ghosts

M83- Dead cities, red seas & lost ghosts

Gooom / Labels / Virgin / EMI
VÖ: 25.08.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Liegen lernen

Elektronische Musik hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Das gängigste: Sie ist kalt. Mehr theoretisches Konstrukt kopflastiger Mathematik-Studenten, als praktisches Ergebnis des Zusammenspiels richtiger Musiker. Leb- und lieblos. Künstlich und spröde. Saft- und kraftlos. Bla und bla. Dabei steht doch fest: Man muß es nur richtig machen, dann kann Elektronisches heißer sein als ein durchgebrannter Röhrenverstärker. Also hergehört, wenn Nicolas Fromageau und Anthony Gonzalez ihre Maschinen zum Leben erwecken. Hier sind zwei, die den Gegenbeweis antreten.

Zunächst einmal aber bitte locker machen, alle miteinander. Die beiden Herren hinter M83 schieben schließlich auch eine ziemlich ruhige Kugel. Und nehmen sich jede Menge Zeit. Für ein merkwürdiges Intro aus Vogelzwitschern und Cyborg-Stimmen. Für daunenweiche Synthie-Weiten, gutgemeinten Streicherkitsch und dreimal durch den Rechner gedrehte Sprachfetzen. Für schüchterne Melodien, die sich kaum ans Tageslicht trauen. Und für die Langsamkeit. In einer Welt, die sich zusehends schneller dreht, halten M83 für eine Stunde die Zeit an. Und man staunt ob der Schönheit des Augenblicks.

Momente allerdings gehen vorüber. "Beauties can die" meinen unsere zwei Franzosen selbst und müssen miterleben, wie ihre Faszination zerbröckelt, wenn die Sinne wieder an Schärfe gewinnen. "Dead cities, read seas & lost ghosts" fließt geschmeidig vor sich hin, lullt gemütlich ein und gefällt sich als fragenstellende Version von Zukunftsmusik. Es könnte allerdings mehr tun, um bei Laune zu halten. Öfter mal überraschen, wie mit dem zerbrochenen Techno-Beat aus "America". Oder, wie von "Gone" vorgelebt, seinem ohnehin immer präsenten Hang zur Epik eine faire Chance geben. Dann wäre das Album vielleicht nicht bloß ambitioniert und konsequent, sondern richtig gut zu nennen. Und die Leute würden zuhören, während ihre Vorurteile zerlegt werden.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Unrecorded
  • Gone
  • Beauties can die

Tracklist

  1. Birds
  2. Unrecorded
  3. Run into flowers
  4. In church
  5. America
  6. On a white lake, near a green mountain
  7. Noise
  8. Be wild
  9. Cyborg
  10. 0078h
  11. Gone
  12. Beauties can die

Gesamtspielzeit: 58:51 min.

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