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The Screenshots - 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee

The Screenshots- 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee

Musikbetrieb R.O.C.K. / Membran
VÖ: 16.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Werner Ziegler darf nicht sterben

"Welcome to the Internet", grüßten 2015 die nicht mehr ganz taufrischen Fraktus. Es sind schließlich mehr denn je unendliche Weiten im "Web", wie die jungen Hüpfer es nennen. Oder sagt man das schon gar nicht mehr so? Und wiegt ein Hipster doch mehr als ein Instagramm? Extrem verwirrend immer noch, das Ganze. Zum Glück gibt es The Screenshots aus Köln. Die gehören nicht zur Generation, die es noch lustig findet, wenn Senioren verschwinden, weil sie Strg+Alt+Entf drücken und benutzen Stromgitarren, obwohl sie sich, genau, im Internet kennengelernt haben, wodurch das Trio lange unerkannt bleiben konnte. Auch beim Auftritt beim Neo Magazin Royale im ollen Fernsehen. Das gibt es nämlich längst auch in diesem Internetz – die Gesichter der drei waren jedoch erst später in einem Clip zu sehen. Da kann man auch gleich ein Album machen. Obwohl sowas ziemlich Videotext ist.

"2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee" ist The Screenshots' erstes, wenn man "Europa" von 2018 als Kopplung der EPs "Ein starkes Team" und "Übergriff" versteht. Und zudem ein äußerst unterhaltsames, wie schon Cover und Booklet-Geschichte andeuten, in der Glühbirne Glühbi das große Geld nicht etwa in der New Economy scheffelt, sondern weil sie mit zwei Coworking-Kollegen eine Band gründet. Auch auf diesem Longplayer ist die digitale Realität gleichsam Fluch und Segen: Gescheiterte Startups treffen auf gedeihliches Netzwerken, mediale Reizüberflutung auf die Vorteile von "Airbnb". Vor allem dieses Stück rühmt die globale Community und gipfelt nach einer Indie-Party mit Arctic Monkeys und Teenage Fanclub in frenetischem "Ihr könnt alle bei mir pennen". Macht Bock, macht besoffen – mehr kann man von Punkrock kaum verlangen.

Dabei verzichten Dax Werner, Kurt Prödel und Susi Bumms weitgehend darauf, ihre Musik mit einem Plattform-typischen Filter zu überziehen: Liebenswert altbackene Attribute wie "kernig" oder "knackig" bieten sich förmlich an, wenn die Rheinländer ihre Songs simpel, aber auch effektiv und unbekümmert, ah noch eins, "runterschrubben". Nur LGoony leistet sich als Gast auf dem The-Wombats-nahen "Träume" einen dezenten Autotune-Einsatz. Dagegen wirkt es beinahe rührend, wenn der Einstieg "Manchmal" zu fiebrigem Drum-Stakkato alles auf einmal will, "Keine Sorge, ich hab den Masterplan / Ich werde die Welt verändern" schwört – und im Refrain doch bei verhuschtem "Manchmal denk ich nur an Dich / Aber meistens dann doch nicht" strandet. Rein zwischenmenschlich gesehen natürlich: Musikalisch ist dieser dicke Power-Pop-Riemen über jeden Zweifel erhaben.

Was auch für den Rest dieses Albums gilt – weswegen es sich von hanebüchenen Reimen über waidwunden Seelen-Striptease bis hin zu demonstrativen Rockismen Dinge rausnehmen darf, die anderswo peinlicher nicht sein könnten. Hier funktioniert sogar die Zeile "Ich will eigentlich Snacks / Doch Du willst nur Sex" – für alle, die "Du willst immer nur ficken" von Ganz Schön Feist schon immer mal mit Musik hören wollten. Bassistin Bumms hat im sehnsüchtigen "John Mayer" ihren großen Auftritt als liebeskrankes Riot Grrrl und die Typo des kehligen Rausschmeißers "j@@@@@@@" erinnert an vergessene Karikaturen. Es bleibt dabei: Das Leben ist eins der schwersten und das Glück flüchtig. Selbst Serien-Bingen ist nicht mehr das, was es mal war, denn: "Walter White ist tot". Werner Ziegler übrigens genauso. Aber dafür können auch The Screenshots nichts.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Manchmal
  • Airbnb
  • Träume (feat. LGoony)
  • John Mayer

Tracklist

  1. Manchmal
  2. Liebe Grüße an alle
  3. Airbnb
  4. Träume (feat. LGoony)
  5. Walter White ist tot
  6. Snacks
  7. Für immer niemals da
  8. Die Welt geht noch nicht unter
  9. Wir lieben uns und bauen uns ein Haus
  10. John Mayer
  11. j@@@@@@@

Gesamtspielzeit: 31:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Yersinia

Postings: 427

Registriert seit 27.06.2013

2020-10-29 01:31:50 Uhr
Gefällt mir spontan mal ganz geil.

Robert G. Blume

Postings: 606

Registriert seit 07.06.2015

2020-10-29 00:23:49 Uhr
Ich komm gerade so gar nicht auf die Karikatur klar, die der Rezensent da verlinkt hat.

j@@@@@@@ ist schon in der Jahresplaylist, der Rest muss noch etwas wachsen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18824

Registriert seit 08.01.2012

2020-10-28 22:19:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

YellOinZebras

Postings: 5

Registriert seit 14.10.2020

2020-10-16 16:38:52 Uhr
Bitte nicht.

Wobei eigentlich hat die Welt nichts besseres verdient als ne Twitter Pop Rock Band.

Zu faul zum einloggen

Postings: 106

Registriert seit 13.07.2017

2020-10-16 13:48:59 Uhr
9/10

AB IN DIE CHARTS DAMIT!
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