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Hugo Race And The True Spirit - Star birth / Star death

Hugo Race And The True Spirit- Star birth / Star death

Gusstaff
VÖ: 16.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kosmische Zwillinge

Er war im Grunde immer dabei. Gründungsmitglied der Bad Seeds, frühe eigene Alben mit Musikern von Einstürzenden Neubauten, ein Kollaborationsprojekt mit Chris Brokaw von Codeine und Chris Eckman von The Walkabouts. Ja, Hugo Race ist herumgekommen, die Diskografie umfasst dutzende Alben und dennoch blieb er stets in der Nische. Eine dreistellige Anzahl Streams bei Youtube, ebensolche Zahlen bei Streaminganbietern – Race könnte deutlich bekannter sein, wüssten nur mehr Leute von ihm.

Highlights finden sich in seiner ellenlangen Diskografie einige. Die "Berlin"-Alben Anfang der 1990er Jahre. "Taoist priests" aus 2006 oder die Coverversionen-Sammlung "John Lee Hooker‘s world today" von 2017 und vor allem "Long distance operators" aus dem gleichen Jahr, eine Kooperation mit Catherine Graindorge: eine von schweren Streichern getragene, ins Post-Rock-Universum schauende Platte. Sein Stil ansonsten: markantes Gitarrenspiel, noch markantere tiefe Stimme. Reiht sich ein bei Cave, Cohen, Høyem, Lanegan.

"Star birth" und "Star death" sind nun die beiden Seiten einer Doppelveröffentlichung mit seiner Band The True Spirit. Die strikte Trennung ist stimmig, verfolgen beide fast identisch lange Hälften doch ganz und gar unterschiedliche Ansätze. "Star birth" agiert dabei als klassisches Album aus dem Hugo-Race-Kosmos. Einerseits gesetzter Bluesrock wie in "2Dead2feel“, manchmal staubtrocken wie in "Heavenly bodies". Race gibt dazu den Erzähler in Nick-Cave-Manier, freilich ohne dessen komplett markerschütternden Klagegesang bis hin zur Selbstaufgabe zu erreichen. Hier hingegen liegen die Assoziationen eher beim gemütlich unterhaltenden Bar-Solisten, wenngleich die lyrische Themensetzung schon die Desaster unserer Zeit aufgreift. Andererseits bieten sich immer wieder interessante musikalische Ausflüge, wie im hypnotisierenden Ambient-Track "Embryo", die das Ganze abrunden und über den sprichwörtlichen Tellerrand hinausschauen.

"Star death" schiebt das kompositorische Gitarrenspiel in den Vordergrund. Gesangsspuren finden sich, wenn überhaupt, nur bei genauem Hinhören und auch nur in verfremdeter Form, mehr als zusätzliches Instrument denn als Mitteilungsorgan. "Star death" ist psychedelisch, spacig, proggig, ausufernd. Pink Floyd schielen um die Ecke, etwa in "Virus of the mind" oder "Can’t make shit up". Was hier präsentiert wird, ist jedoch keine Sternenexplosion, sondern atmosphärisches Verglühen. Wabernde Elemente wie in "My little wars" treffen auf pulsierende Beats im abschließenden "Spirale". Die Verbindung zu "Star birth" sind hier oftmals ähnliche Gitarrenmotive, abgewandelte Stücke, doppelt eingebrachte Ideen, wie schon die sich gegenseitig aufeinander beziehenden Titel andeuten. So nah die Herkunftverwandtschaft des Doppels auch ist, umso unterschiedlicher ist deren Entwicklung: Geerdete Geschichten treffen auf abgehobenes Spiel.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Embryo
  • Everyday
  • Virus of the mind

Tracklist

  • CD 1
    1. Can't make this up
    2. 2Dead2feel
    3. Darkside
    4. Embryo
    5. Heavenly bodies
    6. Only money
    7. Holy ghost
    8. Everyday
    9. United
    10. Expendable
    11. The rapture
    12. Where does it end
  • CD 2
    1. Divided
    2. Love is the energy
    3. Virus of the mind
    4. Angels whistleblowin'
    5. All we have is love
    6. Hungry ghost
    7. Only honey
    8. Can't make shit up
    9. My little wars
    10. Etheric bodies
    11. Gnosis
    12. Spirale

Gesamtspielzeit: 95:54 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

dreckskerl

Postings: 4054

Registriert seit 09.12.2014

2020-10-28 22:49:30 Uhr
Das wäre mir auch etwas unangenehm gewesen, danke aber für die Erwähnung....ich freue mich, wenn dadurch Hugo Race noch etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Habe das Album erst einmal gehört, würde auch eine 7 ziehen, einige sehr starke Momente, aber auch ein paar Songs, die er schon besser/dringlicher in Szene gesetzt hat.
Seine Vielseitigkeit (bedenkt man wie unterschiedlich die Veröffentlichungen der letzten Jahre sind) ist bemerkenswert.

Klaus

Postings: 1963

Registriert seit 22.08.2019

2020-10-28 22:29:41 Uhr
Wollt es nicht in den Text packen, aber danke dreckskerl fürs bekannt machen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18790

Registriert seit 08.01.2012

2020-10-28 22:19:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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