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Ane Brun - After the great storm

Ane Brun- After the great storm

Ballon Ranger / Cargo
VÖ: 30.10.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Seicht bewölkt

Nach längerer Pause kommt Ane Brun mit einem Doppelschlag zurück. Eigentlich ist die Norwegerin eine sehr produktive Künstlerin, doch hat die lange Schaffenspause seit dem letzten Album "When I'm free" aus dem Jahr 2015 einen traurigen Grund. Bruns Vater verstarb, die große Trauer hemmte lange Zeit jede kreative Regung. Da brauchte es einen Abstecher in die norwegische Wildnis, um den Kopf frei zu bekommen und wieder an Songs zu arbeiten. Dann aber so richtig, es war schnell Material für ein Doppelalbum zusammen gekommen, wobei sich Brun letztlich aufgrund der verschiedenen Charakteristika der Songs dazu entschieden hat, sie auf zwei autonome Alben zu verteilen. Jetzt erscheint "After the great storm", Ende November folgt "How beauty holds the hand of sorrow". Dabei ist "After the great storm" recht eklektisch ausgefallen, neben den Instrumenten einer klassischen Orchestrierung finden sich zahlreiche elektronische Komponenten in diesen geruhsamen, eleganten Stücken. Die Stimmung liegt dabei in einer defensiven Vergeblichkeit, kein Wunder, ist das Album doch als Abgesang auf eine Welt angelegt, der es neben dem Bewusstsein um ihre Fragilität auch noch an Empathie und dem solidarischen Miteinander mangelt.

Die ersten Klänge vom eröffnenden "Honey" suggerieren jedoch noch eine entspannte Wohligkeit, die Percussions klöppeln locker, weiche Synthie-Schleier umgarnen Bruns lieblichen Gesang, ein nettes, kleines Soul-Panorama. Doch muss man bereits hier feststellen, dass jene melodische Eleganz auch eine gewisse Harmlosigkeit, fast Beliebigkeit in sich trägt. Da besitzen die dezent eingestreuten Piano-Tupfer und die hohl tönenden Percussions zwar ein gewisses Maß an Rafinesse, doch bleibt die/der Hörer*in dabei im schlimmsten Fall einfach gleichgültig. Und so ist es auch schwer zu klären, ob der Umstand, dass Brun ihren Stücken reichlich Zeit zur Entfaltung gibt, positiv oder negativ zu sehen ist. Ja, das somnabule Wandeln im Titelsong hat eine einlullende Qualität, die weichen Klangflächen wabern wenig greifbar durch ungefähre Traumlandschaften, kein fester Halt, eine Orientierung lediglich durch die klare Gesangsmelodie. Doch weist auch dieses Stück einen Mangel an dramaturgischer Handlung auf, stromert in seinem Schönklang unmotiviert durch die Randgebiete menschlicher Wahrnehmung.

Besser macht es "Fingerprints", welches sich als sehnende Ballade mit dramatischem Gesang ausstattet. Auch hier ist die Instrumentierung gediegen und wohlerzogen, Streicher setzen wenige gehaltvolle Akzente, und vor allem der tiefe Bass untermalt das Stück mit einem geruhsamen Schwermut. Dies geht dann in eine klassische Richtung, ohne einen Refrain-Overkill zu bemühen. Hier liegt jedoch bereits in den Strophen so viel Spannung und emotionales Gewicht, dass auf einen Bombast-Höhepunkt verzichtet werden kann. Weniger gelungen ist die Anlehnung an EDM in "Take hold of me". Die Synth-Rotationen erscheinen gerade neben dem edlen, zurückhaltenden Gesang Bruns wie krampfhaft reingepresst. Im Abschluss "We need a mother" ist jedoch alles wieder an seinem Platz. Dezente Hymnik, eine Vielzahl an teils exotischen Klangerzeugern in ausgewogenen Arrangements, dazu eine raffinierte Zuspitzung der Spannung, hier passt alles. Leider wird jedoch der Wille zum Understatement nicht immer belohnt, es gibt doch so manche dramaturgische Leerstelle auf diesem Album, in der ein Antrieb, vielleicht auch eine Konklusion fehlt. In diesen Momenten ist "After the great storm" dann lediglich angenehmer Schönklang.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Fingerprints
  • We need a mother

Tracklist

  1. Honey
  2. After the great storm
  3. Don't run and hide
  4. Crumbs
  5. Feeling like I wanna cry
  6. Take hold of me
  7. Fingerprints
  8. The waiting
  9. We need a mother

Gesamtspielzeit: 47:46 min.

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Armin

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2020-10-28 22:16:32 Uhr - Newsbeitrag
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