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Mammút - Ride the fire

Mammút- Ride the fire

Karkari / Membran / The Orchard
VÖ: 23.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Erkaltete Glut

Island, dieses fasziniernde Eiland zwischen Feuer und Eis, stöhnte vor der Covid-19-Pandemie mehrmals und laut vernehmbar. Zu viele Touristen strömten in der vergangenen Dekade auf die Insel. Sie gefährdeten das biologische und gesellschaftliche Gleichgewicht dieses seltsam entrückten Fleckchens, wo selbst die Hauptstadt wie ein großes Dorf wirkt, in dem überproportional viele Künstler und Musiker wohnen. Mammút entstammen dieser familiären Szene, der Fünfer um die stimmgewaltige Katrína Kata Mogensen ist längst eine von Islands Vorzeigebands.

Auf klanglicher Ebene ist das Quintett mehr der Eiseskälte zugewandt, doch lassen Songwriting und Dramaturgie durchaus vulkanische Erruptionen zu: Auf "Ride the fire", dem fünften Mammút-Longplayer, paart sich rhythmisch durchsetzer Folk mit groovendem Beat, atmosphärischen Synthies und vereinzelten DFA-Beats. Es entstehen düstere, aber dennoch häufig harmonisch-warme Klanglandschaften zu psychedelischer Dream-Pop-Atmosphäre, durchzogen von Basswellen und und garniert mit Melodiebögen. Hinzu kommt die Wucht modern produzierter Popmusik. Letztere bricht anno 2020 mehr und mehr das Eis der Gletscher.

"Ride the fire" ist die zweite englischsprachige Platte nach der ebenfalls tollen "Kinder versions" und könnte den bislang noch stockenden internationalen Durchbruch ein wenig beschleunigen. Denn so kompakt und zugänglich wie im Beat-affinen und beinahe euphorischen Opener "Sun and me" und im griffigen Refrain der Single "Pow pow" hat man Mammút selten gehört. Árni Hjörvar, Sam Slater und Mandy Parnell, die schon mit Björk, The Vaccines und Sigur Rós arbeiteten, haben hier gute Arbeit geleistet. Natürlich bedeutet dies aber nicht, dass die Truppe trotz moderner, poporientierter Produktion ihre DNA in einem alten Ordner abgeheftet hat. Wie man es aus den früheren Tagen kennt, schwelt "Birds" wie langsam erkaltende Lava den Hang herab und entfacht in Kombination mit Mogensens flehender Intonation genau dabei eine brütende Atmosphäre.

Ebenso düster flackert "Fire" zunächst schüchtern im Hintergrund, bevor rau angeschärfte Gitarren die Szenerie bedrohlich machen und hintenraus Schlagzeug, Beat und Stimm-Predigt einen verstörend-schönen Ausklang markieren. Die feine Rhythmik eines "Still like a mountain" erinnert dann nicht zufällig an Warpaint, was ausdrücklich als Lob gemeint ist. Nach Island zu reisen, ist während einer Pandemie nicht die beste Idee, allein schon aus Vernunft und aus Rücksicht auf die Bevölkerung. Die Musik von Mammút jedoch vermag es, Bilder von Islands landschaftlichem Zauber im Kopf entstehen zu lassen. Eine willkommene Entschädigung.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Sun and me
  • Pow pow
  • Birds
  • Still like a mountain

Tracklist

  1. Sun and me
  2. Solomon
  3. Pow pow
  4. Birds
  5. Prince
  6. Forever on your mind
  7. Still like a mountain
  8. Fire
  9. Frontline
  10. Sound of centuries

Gesamtspielzeit: 44:58 min.

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Armin

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2020-10-21 21:37:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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