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Gorillaz - Song machine, season one: Strange timez

Gorillaz- Song machine, season one: Strange timez

Parlophone / Warner
VÖ: 23.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Spuck's aus

Am Puls der Zeit und doch den glorreichen alten Tagen huldigend. Die Gästeliste des neuen "Song machine"-Zyklus von Gorillaz streckt sich zeitachsentechnisch weiter als die Wagenladung vorwiegend hipper Kollaborateure auf "Humanz" und erinnert stattdessen daran, dass sich beispielsweise Snoop Dogg, Little Dragon und Lou Reed auf "Plastic beach" mal die Klinke in die Hand gaben. Legenden wie Elton John, Robert Smith oder Peter Hook sind anno 2020 genauso mit von der Partie wie die relativ frischen Gesichter namens 6lack, Slowthai oder Fatoumata Diawara – teils sogar im selben Song. Damon Albarn und Jamie Hewlett entschieden sich diesmal für eine Serie an Singles, in regelmäßigen Abständen über das Jahr veröffentlicht. Die nun fällige Zwischenbilanz "Song machine, season one: Strange timez" ist trotz der Herangehensweise kurioserweise ihr konsistentestes Album seit mindestens dem erwähnten grandiosen "Plastic beach".

Das liegt zum einen daran, dass sich die Stücke wie schon das zurückgelehnte "The now now" an einer ähnlichen, leicht melancholischen Stimmung bedienen, dabei aber durch die rotierende Besuchertür deutlich mehr Abwechslung bieten. Zum anderen spornte das Episoden-Konzept die Truppe offenbar an, eine hohe Qualitätssicherung für das veröffentlichte Material zu gewährleisten. Einige Tracks gehören nämlich zu den besten im Gesamtwerk der Gorillaz. Allen voran sicher das gleichsam verträumte wie zum Tanzen anregende "Désolé" mit der malischen Sängerin und Schauspielerin Fatoumata Diawara. Weil von diesem Song schon vorher niemand genug bekam, ist es folgerichtig, dass auf dieser Platte noch mal eineinhalb Minuten draufgeschlagen werden, um das fantastische Bläserfinale umso besser wirken zu lassen.

Das kaum minder tolle "Aries", gemeinsam mit Peter Hook und der britischen Elektropopperin Georgia entstanden, täuscht kurz Gitarren an, um dann doch eben stark nach Hooks Ex-Band New Order zu klingen. "I'm standing on a beach in the distance", heißt es, und dementsprechend legt sich eine hübsche Melodie über die zunehmend tanzbare Nummer. Kurz davor vermischen sich 6lacks Autotune-gefärbte Singsänge mit Elton Johns pathetischem Refrain in "The pink phantom" zu einer herrlichen und stimmigen Melange. Auch The Cures Robert Smith macht im etwas angeschrägten "Strange timez" eine gute Figur – noch ein Song, der nach gemäßigtem Beginn einen treibenden Rhythmus findet und daran gut tut.

Unter den wenigen Stücken, die noch nicht vorab veröffentlicht wurden, findet sich mit "Dead butterflies" ein todtrauriges Highlight, das von Albarns krächzender Stimme und einem verstimmten Klavier lebt. Das ausladende "Opium" mit EarthGang oder "How far?", die Huldigung an den verstorbenen Tony Allen, haben es derweil nur auf die Deluxe Edition geschafft – welche aber ohnehin die verbreitetere ist. Die reguläre Ausgabe endet hingegen mit dem durch die Beteiligung der (beknackt benannten) Band Slaves rockig geratenen "Momentary bliss" mit Ausrufezeichen. Und hat lediglich in der ersten Hälfte durch die etwas unpassenden Kollaborationen mit Beck und St. Vincent leichte Startschwierigkeiten, bevor ab der Mitte der Fluss wirklich kolossal gut wird. Für eine Maschine, die eigentlich nur einen Song nach dem anderen ausspucken sollte, ist das bemerkenswert und erfreulich.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Aries (feat. Peter Hook & Georgia)
  • Dead butterflies (feat. Kano & Roxani Arias)
  • Désolé (Extended version) (feat. Fatoumata Diawara)
  • Opium (feat. EarthGang)

Tracklist

  1. Strange timez (feat. Robert Smith)
  2. The valley of the pagans (feat. Beck)
  3. The lost chord (feat. Leee John)
  4. Pac-man (feat. Schoolboy Q)
  5. Chalk tablet towers (feat. St. Vincent)
  6. The pink phantom (feat. Elton John & 6lack)
  7. Aries (feat. Peter Hook & Georgia)
  8. Friday 13th (feat. Octavian)
  9. Dead butterflies (feat. Kano & Roxani Arias)
  10. Désolé (Extended version) (feat. Fatoumata Diawara)
  11. Momentary bliss (feat. Slowthai & Slaves)
  12. Opium (feat. EarthGang)
  13. Simplicity (feat. Joan As Police Woman)
  14. Severed head (feat. GoldLink & Unknown Mortal Orchestra)
  15. With love to an ex (feat. Moonchild Sanelly)
  16. MLS (feat. JPEGMafia & Chai)
  17. How far? (feat. Tony Allen & Skepta)

Gesamtspielzeit: 65:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

kingbritt

Postings: 2833

Registriert seit 31.08.2016

2020-11-17 12:04:40 Uhr

. . . der Hype um die Gorillaz's ist irgendwie an mir vorbeigezogen. Habe zwar die ersten drei Alben, aber finde da so keinen rechten Zugang.

Fiep

Postings: 511

Registriert seit 29.04.2014

2020-11-17 11:31:51 Uhr
Hab für mich mit den alten gorillaz abgeschlossen, als Humanz kam.

Plastic beach war für mich schon ein schritt runter von den ersten 2, the fall war mehr experiment als wirkliches album.

Humanz... war dann nicht mehr gorillaz, sondern ein hip-hop sampler.
the now now war dan wieder etwas angenehmer, wirkte entspannte rund weniger forced als humanz, bei dem ich das gefühl hatte sie müssen sich was beweisen nach längerer pause.
Und mit Strange times haben sie nun geschaft aus ihrer eigenen erwartungshaltugn wieder auszusteigen, und einfach zu machen und solide bis gute tracks zu schreiben.




fuzzmyass

Postings: 3362

Registriert seit 21.08.2019

2020-11-16 14:27:56 Uhr
Ja, an die ersten 3 überragenden Alben ist es schwer ranzukommen, da war wirklich eine besondere Magie... habe sie letztens erst wieder aufgelegt und die sind schon fantastisch...

Gorillaz 9/10
Demon Days 10/10
Plastic Beach 9/10

Danach war es nie wieder so gut, aber dennoch immer im guten 7/10-er Bereich.

myx

Postings: 1432

Registriert seit 16.10.2016

2020-11-16 14:05:20 Uhr
@Fiep:

"Aries" und "Momentary Bliss" mag ich tatsächlich am meisten, denen könnte ich, wenn ich es richtig überlege, eigentlich auch eine 8/10 geben. "Désolé" fand ich schon bei Erscheinen als erster Vorabsong "nur" gut, kann mit der allgemeinen Begeisterung leider nicht mitgehen. "Strange Timez" und "Pac-Man" sind für mich auch nicht top.

Du hast es auch für mich sehr treffend formuliert: Die Magie der ersten Alben ist leider verschwunden. Das Debüt und besonders "Demon Days" (für mich eine 10/10) sind wohl derart gut und stimmig, dass bei mir seither immer eine leise Enttäuschung mitschwingt, die mir die Freude an ihrem weiteren Output irgendwie vergällt. Das kommt mir jetzt offenbar auch bei "Song Machine" leider mehr in die Quere als dir.

Fiep

Postings: 511

Registriert seit 29.04.2014

2020-11-16 00:47:10 Uhr
Das es einem nicht gefällt verstehe ich zwar.

Aber:
Desole, Strange timez, Pac-man, Aries , Momentary Bliss...alles <=7/10?
Zum kompletten Thread

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