Bon Jovi - 2020

Bon Jovi- 2020

Island / Universal
VÖ: 02.10.2020

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Man tut, was man kann

Die meisten unserer Pläne für dieses Jahr wurden vermutlich ziemlich durcheinandergewirbelt. Davon blieben auch Bon Jovi nicht verschont, die ihr neues Album "2020" eigentlich gerne viel früher veröffentlicht hätten. Jetzt erscheint die Platte mit beinahe halbjähriger Verspätung doch noch vor Jahresende. Bei dem Titel wäre es auch schade drum gewesen, wenn nicht. Konnte ja keiner ahnen, dass dieses Jahr so ganz anders werden sollte als gedacht. Die meisten von uns werden in der ersten Jahreshälfte viel Zeit dafür gehabt haben, das Drunter und Drüber unserer Zeit von der Couch aus zu beobachten und auch die New Jerseyaner haben dieses Jahr offensichtlich viel Zeit vor dem Fernseher verbracht und sich von den oftmals grauenvollen Nachrichtenbildern nachdenklich stimmen lassen. Dass Bon Jovi, deren Musik für gewöhnlich doch eher für eine gewisse Trivialität bekannt ist, ein beinahe politisches Album veröffentlichen, spricht nur noch mehr dafür, dass wir in aufregenden Zeiten leben.

Textlich servieren Bon Jovi auf "2020" eine Mischung aus Kalendersprüchen und Zeitgeschehen: Das Leben ist grenzenlos, tu was du kannst und zeige in schwierigen Zeiten Haltung. Die Message der Platte ist zwar schnell zusammengefasst und textlich treibt auch dieses Album hier und da seltsame Blüten, positiv zu bemerken ist jedoch, dass Bon Jovi zumindest teilweise ihren eigenen Ratschlägen folgen und eine Haltung vertreten. Die größten News-Themen des Jahres finden sich allesamt in irgendeiner Form zu einem Text auf "2020" verwurstet, mal besser, mal furchtbarer, jedoch immer aus einem Blickwinkel, der Menschlichkeit und Gerechtigkeit propagiert. Zu weit aus dem Fenster lehnt sich die Truppe hierbei natürlich auch nie, schließlich zielt man noch immer auf die breite Masse und größtmöglichen Konsens. Aber ein paar positive Gedanken verkauft "2020" durchaus – das haben Bon Jovi schon weitaus banaler hinbekommen. Ob es den unterm Strich doch eher halbgaren politisch und sozialkritischen Einschlag gebraucht hätte, müssen die Fans allerdings unter sich ausmachen, einen Blumentopf gewinnen die Texte trotz teilweise guter Ansätze nicht.

Vom breitbeinigen Rock verabschieden sich Bon Jovi mit diesem Album vollends. Das mag einerseits am Weggang von Gitarrist Richie Sambora liegen, dessen Fehlen auf dem Vorgänger "This house is not for sale" noch gar nicht so richtig auffiel, dessen Geist und Einfluss auf den Sound der Band sich nun aber endgültig verflüchtigt zu haben scheint. Zudem kämpft Frontmann Jon Bon Jovi bekanntermaßen seit einigen Jahren mit Stimmproblemen, welchen auf "2020" mit der schlichten Taktik, nicht allzu schwierige Melodien zu bemühen, entgegengetreten wird. Dass Bon Jovi eigentlich immer noch gerne eine Rockband wären, deutet der Opener "Limitless" zwar an, jedoch bewegt sich das Album Track für Track in immer seichtere Gefilde. Einen richtigen Knall oder die nächste Über-Stadionhymne serviert uns die Band nicht mehr, stattdessen werden die Gummistiefel über die Füße gestülpt, um damit knietief durch den Country-Sumpf zu waten. Hier und da klingt das Quintett dann beinahe wie eine Akustik-Combo, zwischendurch überraschend wie eine Seventies-Bluesband – und viel zu selten nach Bon Jovi.

Textlich wie musikalisch wird auf "2020" meterdick aufgetragen und da es dem Album auf ganzer Länge an Geschwindigkeit fehlt, tropft der Pathos quälend langsam aus den Boxen. Da war früher wirklich mehr los. Aber auch diese Seite von Bon Jovi mag ihre Anhänger finden. Sicher wird sich der ein oder andere Track auf "2020" in der Heavy Rotation des Altherren-Rock-Radios schwindelig spielen und genauso sicher wird auch dieses Album von treuen Fans auf einen Top-10-Platz in den Charts gehieft werden. Allerdings bestätigt "2020" bei aller Liebe deutlich den bereits lange bestehenden Eindruck, dass die große Stadionband von einst eigentlich schon lange tot ist und dass selbst deren untote Überreste ihre beste Zeit längst hinter sich haben.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

  • Limitless

Tracklist

  1. Limitless
  2. Do what you can
  3. American reckoning
  4. Beautiful drug
  5. Story of love
  6. Let it rain
  7. Lower the flag
  8. Blood in the water
  9. Brothers in arms
  10. Unbroken

Gesamtspielzeit: 48:08 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Telecaster

Postings: 966

Registriert seit 14.06.2013

2020-10-26 17:12:29 Uhr
Ah, ok. Was arbeitet er denn?

Boston

Postings: 542

Registriert seit 14.06.2013

2020-10-24 23:10:27 Uhr
Ja, wegen der Tantiemen, von denen du dann leben könntest, anstelle arbeiten zu müssen.


Wer sagt denn, dass ich arbeite? Außer Armin arbeitet niemand, der auf PT unterwegs ist.

Telecaster

Postings: 966

Registriert seit 14.06.2013

2020-10-22 10:06:57 Uhr
Priest in einem Atemzug mit Bon Jovi zu nennen, finde ich unverschämt.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5753

Registriert seit 26.02.2016

2020-10-21 20:49:52 Uhr
Werdet ihr besser mit zunehmendem Alter? Nein, ihr werdet einfach nur schlechter!

Du kennst mich doch gar nicht.

Pippi

Postings: 2

Registriert seit 25.10.2017

2020-10-21 20:25:37 Uhr
Zum Thema Bon Jovi: Mittlerweile (ich) knapp an den 50igern kratzend hat Jon Bongiovi mit Runaway (Sie ist ein bisschen weggelaufen) und vielen weiteren Klassikern (Come back, 7800° Fahrenheit, Livin' on a prayer usw.) meine Jugend bestimmt und geprägt. Insofern brauche ich keinerlei Mismacherei, egal ob Bon Jovi, Scorpions, Priest, Maiden, wen auch immer9. Werdet ihr besser mit zunehmendem Alter? Nein, ihr werdet einfach nur schlechter! Behaltet eure Idole in guter Erinnerung und zehrt davon. Dass diese durch Bestof-Alben, alten Life-Mitschnitten oder mit sonstwas ihre Rente aufzubessern versuchen sei ihnen gegönnt! Wer's nicht will, kaufts nicht, fertig! Nichtsdestrotrotz ist natürlich Kritik an Neuveröffentlichungen gerechtfertigt, aber bitte in Relation!Heute geniesse ich Konzerte im hinteren Drittel des Moshpits bei perfektem Sound, während ich früher über diese Klientel nur müde gelächelt und mich zum Stagediven angestellt habe...
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