Blackpink - The album

Blackpink- The album

Interscope / Universal
VÖ: 02.10.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

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K-Pop ist entgegen aller Unkenrufe keine Modeerscheinung. Der Stil entstand Anfang der Neunzigerjahre mit enger Verknüpfung zur Geschichte Südkoreas. Mit der Hinwendung zur Demokratie und der damit verbundenen Öffnung für westliche Kultureinflüsse formte sich eine eigene Version von populärer Musik. Die immer noch bunter und lauter war, deren visuelle Umsetzung und Choreografie wohl mehr Wichtigkeit besaß wie die Hits dahinter. Der Maximalismus spiegelt sich auch im Marketing wider: ein unüberschaubares Wirrwarr an Alben, Single und sogenannten Single Albums mit verschiedenen Aufmachungen und Gimmicks, dazu Actionfiguren und natürlich Touren als pures Spektakel. Und die Erfolgsaspiranten? Getrieben durch ein unbarmherziges Traineeship, welches gnadenlos aussortiert. Wer es zum Erfolg schafft, hat sich via Vertrag über Jahrzehnte dem Management ausgeliefert. Selbst der stärkste Poptimist kommt da ins Wanken, wenn man zudem die Freitode mehrerer Genre-Protagonisten in den letzten Jahren betrachtet.

Blackpink und ihrer Musik merkt man dies natürlich nicht an. Neben der siebenköpfigen Boygroup BTS sind die vier Damen wohl die aktuell größten Vertreter des Landes, mitten in der Erfolgswelle, die koreanische Künstler in den USA und zunehmend auch in Europa erleben. Kollaborationen mit Dua Lipa und Lady Gaga haben sie schon in der Vita, das schlicht betitelte "The album" ist nach dem in Japanisch verfassten Debüt "Blackpink in your area" ihr erstes koreanischsprachiges Werk und der zweite Longplayer. Wenn man diesen bei nicht mal 25 Minuten Laufzeit überhaupt so bezeichnen kann. Jedenfalls orientieren sich Blackpink am lustvollen Synapsen-Overload, der immer noch eins drauflegen will. Wenn zum Trap-Beat in "Pretty savage" die Quiek-Effekte durch den Song fliegen, ist das schon nahe dran an Charli XCX und ihrer Zusammenarbeit mit PC Music. Das Wort Maximalismus kann in diesem Zusammenhang nicht oft genug geschrieben werden. Natürlich schafft aber jeder Song die Abfahrt zur eingängigen Hook. Oder fast jeder zumindest.

Die stärksten Stücke stehen direkt am Anfang der Platte. Mit "How you like that" präsentieren sich Blackpink aufsässig, mischen wie viele andere Genre-Vertreter ihr Koreanisch mit englischen Zeilen, bis man an alte Animé-Verarschen denken muss – und reißen damit völlig mit. Das macht gleichermaßen Alarm wie Laune. Ebenso treffsicher gibt sich das Selena-Gomez-Feature "Ice cream", das sich unmissverständlich gewissen Körperlichkeiten widmet: "Come a little closer 'cause you looking thirsty / I'ma make it better, sip it like a slurpee." Der gleichnamige Battles-Song wird zwar nicht gesamplet, das Tuten im Song könnte aber genau daher stammen. "Bet you wanna" holt sich Cardi B ins Boot, deren Rap bleibt aber klar hinter der etwas melodischer gelagerten Band-Performance zurück. "Lovesick girls" stützt sich gekonnt auf Groupshouts und setzt sich mit seinem sehr gelungenen Refrain hartnäckig im Ohr fest.

Überraschend ist, dass bei gerade mal acht Tracks "The album" gegen Ende trotzdem leicht durchhängt. Die letzten zwei bis drei Songs können das Niveau nicht halten. "Love to hate me" verfällt zu sehr ins Tralala, "You never know" drosselt zwar vernünftigerweise mal das Tempo, rauscht dadurch aber auch unbeeindruckend vorbei. Der unwiderstehliche Frontalangriff bekommt auf diese Weise einige Macken, die auf diese kurze Distanz eben mehr ins Gewicht fallen. Den Siegeszug von Blackpink wird das vermutlich nur unwesentlich aufhalten – auch in Deutschland ist dieses Album bereits in den Top Ten gelandet. Wo das alles noch hinführen soll? Zum einen zu noch mehr Vielfalt in der Pop-Welt. Zum anderen wird die gesteigerte Aufmerksamkeit hoffentlich auch mehr Licht auf die Probleme in der K-Pop-Maschinerie werfen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • How you like that
  • Ice cream (with Selena Gomez)
  • Lovesick girls

Tracklist

  1. How you like that
  2. Ice cream (with Selena Gomez)
  3. Pretty savage
  4. Bet you wanna (feat. Cardi B)
  5. Lovesick girls
  6. Crazy over you
  7. Love to hate me
  8. You never know

Gesamtspielzeit: 24:28 min.

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User Beitrag

Vennart

Postings: 545

Registriert seit 24.03.2014

2020-10-14 22:37:31 Uhr
Die haben teilweise schon echte Hits am Start aber das neue Material überzeugt mich nicht besonders. Und "Ice Cream" bei den Highlights in der Rezi ist ja wohl ein Scherz? :D
Das ist locker ein Kandidat für den schwächsten Song des Jahres.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18617

Registriert seit 08.01.2012

2020-10-14 21:04:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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