The Jaded Hearts Club - You've always been here

The Jaded Hearts Club- You've always been here

BMG / Warner
VÖ: 02.10.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zurück im Proberaum

Ein Bandname, dessen erste Referenz kaum gewichtiger sein könnte: The Jaded Hearts Club haben sich wahrlich große Fußstapfen ausgesucht, in die sie mit ihrem ersten Studioalbum treten möchten. Nun verhält sich die Lage in diesem Fall ein wenig anders als bei anderen Debütantenbällen. Beispiel gefällig? Paul McCartney höchstselbst leistete der Band bei ihrem allerersten Gig Anfang 2018 auf der Bühne Gesellschaft und führte sie durch wilde Cover seiner Klassiker "I saw her standing there" und "Helter skelter". Die selbsterklärte Beatles-Coverband, die ursprünglich Dr. Pepper's Jaded Hearts Club Band hieß, war bereits mit einem Teil der Fab Four verschmolzen, bevor es richtig anfing. Um dem Geheimnis dieses kometenhaften Aufstiegs auf die Schliche zu kommen, hilft ein Blick aufs Cover von "You've always been here". Sind das nicht vertraute Gesichter, die ihn erwidern? Eine Prüfung des Line-Ups schafft Gewissheit: Matt Bellamy (Muse), Graham Coxon (Blur), Miles Kane (The Last Shadow Puppets), Nic Cester (Jet), Sean Payne (The Zutons) und Gitarrist und Coxon-Kollaborateur Jamie Davis – wir haben es also mit einer Supergroup zu tun, diesem seltsamen Konstrukt zwischen Rock'n'Roll-Exzess und Selbstironie, das sich uns augenzwinkernd als verbrauchter, ermatteter Club der Herzen vorstellt. Durch zehn Cover möchten uns die arrivierten Mitglieder führen, die größtenteils zwischen Motown und Northern Soul pendeln, dem britischen Pendant des Detroiter Sounds. Es handele sich, so Bellamy, um manche der "größten verlorengegangenen Songs, die jemals geschrieben wurden" und die gewissenhaft von der Band ausgewählt worden seien. Kann das gutgehen?

Es kann, da die sechs Musiker einen gänzlich unprätentiösen Ansatz verfolgen. Hier werden keine großen Experimente mit tradiertem Liedgut angestellt, sondern straighte Versionen voller Spielfreude und Energie präsentiert. "We'll meet again" führt zunächst auf die falsche Fährte, wenn Bellamy im verwaschenen Ballroom-Gewand der 30er-Jahre zu einem eleganten Intro hinter Möwengeschrei, Meeresrauschen und dem Kratzen eines Grammofons anhebt. Doch schon die Neuinterpretation des The-Four-Tops-Hits "Reach out (I'll be there)" verrät die prägende Richtung des Albums. Bellamy zieht sich von nun an hinter einen verzerrten Bass zurück, Nic Cesters Gesang eifert mit feurig-kratzendem Blues den Phrasierungen der Originale nach und stiehlt dabei Miles Kane ein wenig die Show, mit dem er sich im Laufe des Albums am Mikrofon abwechselt. Dabei bilden die treibenden Basslinien und fuzzigen Gitarren eines in der Garage überdrehten Rock'n'Roll das musikalische Rückgrat der meisten Versionen. Auf dem Marvin-Gaye-Cover "This love starved heart of mine (It's killing me)" mischen sich 70er-Jahre-Chöre und ein Rhythmus darunter, der geradewegs aus einem Tarantino-Soundtrack stammen könnte. Cesters Vocals beeindrucken einmal mehr mit ihrer verzweifelten Kraft und Flexibilität, die sich nicht einmal hinter Gayes verstecken müssen.

In der zweiten Hälfte von "You've always been here" setzt dann Coxon in seiner unnachahmlichen Art immer stärkere Akzente. Ob er den beschwipsten Soul von The Isley Brothers mit Feedback-Rauschen, psychotischem Funk und dröhnendem Fuzz-Solo aufpeppt ("Nobody but me") oder in "Why when the love is gone" oder "Love's gone bad" kurze, krachende Soli davonschweben lässt: Immer wieder bricht das Unerwartete aus seinem Gitarrenspiel hervor. "I put a spell on you" lässt ihn gemeinsam mit Cester zur Hochform auflaufen, als virtuoses Duett gequälter Herzen wirbeln sie umeinander und gewinnen auch nach Jahrzehnten bestechender Interpretationen von Screamin' Jay Hawkins oder Nina Simone dem Song als kaputtem Blues-Walzer eine neue Dringlichkeit ab. Zwar klingt nicht jeder Moment des Albums so inspiriert, eine kurzweilige und knackige Hörerfahrung stellt sich aber durchgehend ein. Und wenn man Initiator Jamie Davis Glauben schenken darf, braucht es manchmal auch gar nicht mehr. Die reinste Form der Bandgründung sei schließlich immer noch die, bei der es ohne Druck um den Spaß daran gehe, miteinander zu spielen. "We're doing it because we have a bloody good time." Und nach Millionen ausverkaufter Konzerte und vermarkteter Tonträger scheint sich der Bogen wieder zu spannen zu scheppernden Proberäumen, abgewetzten Lederjacken und einer Band aus Liverpool anno 1960.

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • Reach out (I'll be there)
  • This love starved heart of mine (It's killing me)
  • I put a spell on you
  • Why when the love is gone

Tracklist

  1. We'll meet again
  2. Reach out (I'll be there)
  3. Have love will travel
  4. This love starved heart of mine (It's killing me)
  5. Nobody but me
  6. Long and lonesome road
  7. I put a spell on you
  8. Money (That's what I want)
  9. Why when the love is gone
  10. Love's gone bad
  11. Fever

Gesamtspielzeit: 30:24 min.

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User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 103

Registriert seit 22.08.2019

2020-09-29 20:54:51 Uhr
Hab das Album blind vorab bestellt. Die ersten Songs klingen wie erhofft. Puuh;-). Freu mich drauf. Erinnert mich nicht nur an Stones, sondern auch ein bisschen an die Commitments. Kennt die (bzw den Film) noch jemand? Das Album hier ist natürlich flotter, aber die Grundidee hör ich raus.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18555

Registriert seit 08.01.2012

2020-09-29 19:46:52 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Klaus

Postings: 1825

Registriert seit 22.08.2019

2020-09-25 22:46:28 Uhr
Hat natürlich wieder niemand beachtet :)

Ist wohl ein reines Coverprojekt.

Gibt schon erste Songs:
I'll be there (Gloria Gaynor Cover)
https://www.youtube.com/watch?v=ugxisePctPA

Love's Gone Bad (Chris Clark Cover)
https://www.youtube.com/watch?v=xSmeCiVTGNY

Nobody But Me (Islay Brothers Cover)
https://www.youtube.com/watch?v=k3I6NE7y5MY

This Love Starved Heart of Mine (Marvin Gaye Cover)
https://www.youtube.com/watch?v=vZgF1F2euqg

Klingt arg nach Stones. In gut. Aber ist auch die Zeit der Originalversionen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18555

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-25 20:18:16 Uhr - Newsbeitrag
Das gute alte Namedropping ist bei dieser Band wohl unausweichlich -
The Jaded Hearts Club hat nämlich alles, oder alle, was eine Supergroup augenscheinlich ausmacht: Matt Bellamy (Muse), Graham Coxon (Blur), Miles Kane (The Last Shadow Puppets), Nic Cester (Jet), Sean Payne (The Zutons) und Gitarrist Jamie Davis.


VÖ am 2.10.
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