And One - Aggressor

And One- Aggressor

Virgin / EMI
VÖ: 25.08.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Drückerkolonne

Nostalgie kann was Feines sein. Die alten Frisuren, die alten Klänge. Manch einer beklatscht eben am liebsten die eigene Erinnerung. Andere probieren sich vornehmlich an zum Scheitern verurteilten Zeitreiseversuchen. Und dann wäre da noch die dritte Gruppe, die nicht vom Damals lassen kann, aber immerhin weiß, daß das Heute auch seinen Reiz hat. Zu welcher Gruppe And One gehören, ist allerdings auch auf dem siebten Album nicht wirklich klar. Könnte daran liegen, daß die Jungs so vorgestrig klingen, daß sie beinahe wieder höchstaktuell sind.

Denn die kantigen Analogismen und zirpenden Frequenzmodulationen auf "Aggressor" schmecken nach Depeche Mode circa 1983. Düster, eckig, steril und auf ziemlich nostalgische Art hart. Electronic Body Music hätte man vor anderthalb Jahrzehnten dazu gesagt, wenn die Songs nicht zusätzlich allesamt so verdammt eingängig wären. Zwar bietet "Aggressor" keinen Instant-Ohrwurm wie "Get you closer" mehr, aber dafür versucht sich Steve Naghavi immerhin erstmals über Albumlänge an deutschen Phrasen. Was auch lautmalerisch besser zu chromblitzenden Tracks wie "Schwarz" oder "Fernsehapparat" paßt.

Einmal mehr trauen sich dabei wenig dezente politische Anspielungen in die Texte. So wirft man sich in "Strafbomber" arg plakativ in die Rolle von Onkel Bush ("Daddy streckt den Lauf und fickt Euer Land") oder prangert den beiderseitigen Terror in Nahost an ("Fehlschlag"). Spätestens wenn Naghavi mal wieder augenzwinkernd gemeinte Plattheiten wie "Ich kann nicht stoppen zu hüpfen auf Dir / Du bist viel weicher - sogar auf mir" losläßt, wird noch jedes Humorverständnis auf starke Proben gestellt. Subtilität war And One bekanntlich schon immer recht fremd. Aber wer sich in Leder und Latex gezwängt unter Stroboskop und Schwarzlicht schwingen will, fragt ohnehin selten nach. Popmusik für Dunkelkammern. Tanz, Zielgruppe, tanz!

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Schwarz
  • Krieger

Tracklist

  1. Kein Anfang
  2. Schwarz
  3. Krieger
  4. Sternradio
  5. Speicherbar
  6. Fehlschlag
  7. Für immer
  8. Einstieg
  9. Strafbomber
  10. Fernsehapparat
  11. Tote Tulpen
  12. Kein Ende

Gesamtspielzeit: 45:00 min.

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