The The - NakedSelf

The The- NakedSelf

Nothing
VÖ: 28.02.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

SeelenStriptease

Es ist mal wieder soweit: Matt Johnson veröffentlicht ein neue Platte mit The The. Fünf Jahre nach dem eher mäßigen Hank Williams-Tribute "Hanky panky" nun also wieder mit eigenem Material, und dieses Material hat es in sich! Der Opener "BoilingPoint" wächst langsam heran, die Gitarren klingen nach, verschroben wird geschrubbt. Dann setzen ganz sanft Baß und Schlagzeug ein, und der elektrische Blues gewinnt an Fahrt. Johnson ist gleich wieder in seinem Element. "Truth is truth / Lies are lies / Headlines strike / Between the eyes". Die Anklage geht weiter.

Spröde nimmt uns auch die erste Single in Empfang. Der "ShrunkenMan" versucht seinem Schmerz zu entkommen, indem er sein Herz herausschneidet. Das wäre auch das zweite bewegende Element im musikalischen Schaffen Johnsons: Gefühle kommen auch auf "NakedSelf" zum Zuge und hinterlassen uns wohlige Wärme, auch wenn die im Titel angedeutete Entblößung eine gewisse Kühle verheißt. Diese Kühle wird aber von der Welt da draußen an das nackte Selbst herangetragen. Aufwärmung versprechen die Röhrenverstärker.

Diese stammen aus einem ausgedienten Radiosender in Schanghai, was Johnson nutzte, um sich von der um sich herum herrschenden Technikbegeisterung zu distanzieren. "Die heutige Zeit bietet musikalisch so unendlich viele Möglichkeiten. Dabei kann man sich leicht in den Weiten der Technologie verlieren." So hielt sich die Band, die nun aus ehemaligen Mitstreitern von MC900 Ft. Jesus, Iggy Pop und Kenny Rogers besteht, an einen abgespeckten, organischen Sound.

Der Blues regiert in seiner trockensten elektrischen Form jenseits der zwölf Takte. Vermutungen, der Wechsel zu Trent Reznors Label "Nothing Records" hätte massive Auswirkungen auf den Sound, gehören eigentlich ins Reich der Fabel. Dennoch erinnert "Weather belle" anfangs an "The fragile" vom gleichnamigen Album von Nine Inch Nails. Wer jetzt "Industrial" schreit möge verstummen, denn dafür bleibt der Sound, zu weich, zu sanft, zu erdverbunden.

Zweigespalten wie die Inhalte, mit denen sich Johnson auseinandersetzt, ist auch deren Umsetzung. Mal kratzen sich die Gitarren um seine existenzialistischen Texte herum, dann umschmeicheln sie wieder die Ohren und appellieren an unsere Emotionen. Zwischen anklagendem Sprechgesang und beseeltem Crooning pendelt die Stimme Johnsons umher und erinnert gelegentlich an die besten Zeiten von Bono. Das Interesse an den Mißständen dieser Welt verbindet beide. Bono singt einen Text von Salman Rushdie und Johnson bezieht sich auf Noam Chomsky. Wenn die Welt so schlecht ist, braucht man gute Musik. Wie diese.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • BoilingPoint
  • TheWhisperers
  • SoulCatcher
  • VoidyNumbness

Tracklist

  1. BoilingPoint
  2. ShrunkenMan
  3. TheWhisperers
  4. SoulCatcher
  5. GlobalEyes
  6. DecemberSunlight
  7. SwineFever
  8. DieselBreeze
  9. WeatherBelle
  10. VoidyNumbness
  11. PhantomWalls
  12. SaltWater

Gesamtspielzeit: 45:38 min.

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