Ed Harcourt - Monochrome to colour

Ed Harcourt- Monochrome to colour

Point Of Departure / PIAS / Rough Trade
VÖ: 18.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

And he scores

Ed Harcourt bleibt dabei. Nachdem der Brite fast 20 Jahre elaborierte Singer-Songwriter-Musik produziert hatte, für die er von Publikum und Kritik viel Zustimmung erhielt, wechselte er mit seinerm Album "Beyond the end" 2019 die Gangart. Cineastische Neo-Klassik, reich orchestriert, war die neue Ausdrucksweise. Und dies verwundert auch nur auf den ersten Blick, wenn man weiß, dass Harcourt klassisch ausgebildeter Pianist ist. Jenes Instrument übernimmt nun auf "Monochrome to colour" wieder eine Kernaufgabe, hält die dramaturgisch intensiven Stücke zusammen. Einen opulenten Film bräuchte es zu dieser Musik, vielleicht einen Endzeit-Western unter der glutroten Januarsonne über den Rocky Mountains. Doch Harcourt bewegt sich nicht nur in den Fußstapfen der klassischen Film-Score-Komponisten, sondern fügt seiner Musik ganz eigene Merkmale hinzu.

Da wären natürlich zuerst die klassischen Trademarks: Klavier, Streicher, auch erstaunlich natürlich klingende Synthies bauen epische Spannungsbögen auf, dramatisch steigern sich die Melodien. Doch löst Harcourt dies mit großem Selbstbewusstsein auf, indem er oft ein markantes, wuchtiges Schlagzeug einsetzt, etwa im Opener "First light". Die Drums sind derart brachial und raumgreifend, auch dezent schmutzig eingespielt, dass dem elegischen Epos eine rabiate Diesseitigkeit zur Seite gestellt wird. Dieser erdige Touch verhindert, dass sich die Stücke des Albums in harmloser Schöngeistigkeit und Hochglanz verlieren.

Mit düsteren Streichern, die mit hellen Klaviertönen kontrastieren, ist "Ascension" ausgestattet. Auch dieses Stück ist in melodischer Struktur und instrumentaler Ausgestaltung klassisch angelegt, die Spannung intensiviert sich stetig, doch hier platzt das Schlagzeug ebenfalls mit gehöriger Wucht hinein und scheint die Streicher-Passagen in ihrer Dramatik gehörig zu triggern. Dies hätte jedoch alles nur einen begrenzten Mehrwert, wenn die Kerndisziplin der Melodik nicht so überzeugend gestaltet wäre.

Jedes Stück dieses Albums besitzt derart zwingende Motive, die sich in allmählicher Zuspitzung entfalten, dass die Hörerschaft gebannt und gefesselt deren Entwicklung mitverfolgt. Das zwischen HipHop und Rock changierende Schlagzeug von "After the carnival" bereitet so einer Klaviermelodie den Weg, welche Gravitas und einen Schimmer Hoffnung zu gleichen Teilen in sich trägt. Dass vieles auf "Monochrome to colour" diese Ambivalenz besitzt, ist eine der großen Stärken dieser Platte. Dabei wirken diese Stücke jedoch nie zerrissen oder fragmentarisch, sind selbstbewusst zu voller Strahlkraft ausformuliert. Ein Musterbeispiel dafür ist das Titelstück: Lange Zeit in einer diffusen Schwebe gehalten, entwickelt sich eine Klaviermelodie, die erstens erlösende Hoffnung suggeriert und zweitens der perfekte Abspann für einen epischen Hollywood-Straßenfeger wäre. Also, bitte schnell den Film drehen, die Musik wartet auf die passenden Bilder.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Ascension
  • After the carnival
  • Monochrome into colour

Tracklist

  1. First light
  2. Ascension
  3. Drowning in dreams
  4. Her blood is volcanic
  5. Only the darkness smiles for you
  6. Death of the siren
  7. After the carnival
  8. Last rites
  9. So here's to you, Hally
  10. Childhood
  11. King Raman
  12. Monochrome into colour

Gesamtspielzeit: 50:38 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 22764

Registriert seit 07.06.2013

2020-09-29 17:48:59 Uhr
Echt schön. Gerade jetzt, wo der Herbst einsetzt...

VelvetCell

Postings: 2670

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-24 16:06:16 Uhr
Seit Beyond the end.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 22764

Registriert seit 07.06.2013

2020-09-24 14:39:32 Uhr
Seit wann macht der denn nur noch Instrumentalmusik? Find es aber sehr schön bisher.

VelvetCell

Postings: 2670

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-23 11:02:34 Uhr
Beyond the End hätte ich fast als "Fahrstuhlmusik" abgetan, hat sich dann aber zu einem Dauerbrenner entwickelt. Wunderschönes Album!

Monochrome to colour klingt erst mal ein Stück bombastischer, überzeugt mich aufs erste Hören aber ebenfalls.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18555

Registriert seit 08.01.2012

2020-09-22 19:50:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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