Hurts - Faith

Hurts- Faith

Lento / Sony
VÖ: 04.09.2020

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Es tut nicht mehr weh

Einst das nächste heiße Ding, samt hohen Ratings und Kaufempfehlung – dann allerdings ging es schnell bergab mit den Bewertungen bei Plattentests.de: 8 – 6 – 3 – 2. Auf einmal galt das einst Gefeierte als wertloser Schrott. Nein, die Rede ist nicht von Wirecard, sondern Hurts. Mit dem Debüt in hohen Sphären angesiedelt, baute das Duo in den folgenden drei Alben immer weiter in der Gunst ab. Nun steht "Faith" in den Startlöchern und natürlich steht die Frage im Raum: Dauerhaft Pennystock der Musikgeschichte oder doch der Turn-Around zum Guten?

Die kurze Antwort: Es ist kompliziert. Zumindest optisch erschaffen sich Theo Hutchcraft und Adam Anderson neu. Statt glattgegeltem Fassonschnitt und zugeknöpftem Anzug präsentiert man sich mit langgewachsenen Haaren und großem V-Ausschnitt: Eine gewisse Ähnlichkeit zu Tokio Hotel kann durchaus unterstellt werden. Die Optik mag nicht entscheidend sein, weist aber bereits den Weg: vom sterilen, 1980er-Jahre inspirierten Synthiepop, mit dem sie vor mittlerweile 10 Jahre auf der Bildfläche auftauchten, hat man sich im Hause Hurts längst verabschiedet. "Faith" zeigt sich nun ziemlich anders und facettenreich – auch was die Qualität der einzelnen Songs angeht.

"Voices" und "Slave to your love" etwa sind klar für das Formatradio produziert. Einfache Komposition, Strophe-Refrain-Strophe. Einmal gehört, sofort mitsingbar. Schema F, um auf den Rotationsplaylisten der ewiggleichen Durchschnittsradiosender zu landen. "All I have to give" und "Redemption" sind großformatige Feuerzeug-(jetzt Smartphone)Hochhalteballaden für die romantischen Konzertmomente – so es sie dann bald hoffentlich für alle wieder gibt. Während der Closer "Darkest hour" auf die Coldplay-Fans dieser Welt schielt, wildert "Liar" hingegen laut elektronisch pochend in den Achtzigerjahren, ohne es sich zu sehr in der Pop-Ecke gemütlich zu machen.

In der Kategorie "Ist der Ruf erst ruiniert" sind auf das erste Hören "Fractured" und "Numb" nominiert. Hier werden Hurts für ihre Verhältnisse fast experimentell. "Fractured" kann eigentlich nur schiefgehen, so offensichtlich ist der Versuch, sich bei den Beats von Missy Elliott und Justin Timberlake zu bedienen, von vornherein zum Scheitern verurteilt – irgendwie gerät der Song aber unverschämt cool. Ein Ohrwurm der fiesen Sorte. Soll dort eigentlich nicht hin, lässt sich aber kaum verhindern. Offen ist ebenfalls noch, ob "Numb" einen der legendären Trent-Reznor-Wutausbrüche nach sich ziehen wird, so dreist wie hier mit schief stampfenden Synthies Nine-Inch-Nails-Content aufgewärmt wird.

Was ist "Faith" denn nun? So unentschlossen, wie dieses Album daherkommt, ist auch die Bewertung dazu. Ein zweites "Happiness" oder wenigstens "Exile"? Sicher nicht. Der Boden der Punkteskala ohne Fernglas erkennbar? Ebenfalls nicht. Eine Platte zwischen den Stühlen: Nach oben viel Luft, nach unten aber noch Platz. Zumindest einige Durchläufe dürfte den Songs im Rotationsradio gegönnt sein, ehe der "bitte nicht schon wieder"-Effekt eintritt. Und für die Experimente haben sich die Briten zumindest Anerkennungspunkte verdient.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Fractured
  • Liar
  • White horses

Tracklist

  1. Voices
  2. Suffer
  3. Fractured
  4. Slave to your love
  5. All I have to give
  6. Liar
  7. Somebody
  8. Numb
  9. Redemption
  10. White horses
  11. Darkest hour

Gesamtspielzeit: 44:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Cayit

Postings: 113

Registriert seit 05.05.2014

2020-09-16 10:44:18 Uhr
Das Album ist echt gut geworden.
Verstehe diese (sinnlose)rezi nicht...
Es ist vielleicht noch ein tick besser als der erstling.
Ich selber habe mit so einem guten Album, nach den letzen 2 ausfällen, nicht mehr gerechnet.
7/10

Telecaster

Postings: 966

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-16 00:56:18 Uhr
"Auf einmal galt das einst Gefeierte als wertloser Schrott."
Das war diese Band von vornherein. Haben die nicht sogar nen Echo bekommen? Einen Gütesiegel für wertlosen Schrott sogar noch.

Telecaster

Postings: 966

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-16 00:53:42 Uhr
Die gibt es immer noch? Warum? Ist das 80s-Revival immer noch nicht ausgesessen?

Saschek

Postings: 39

Registriert seit 23.07.2018

2020-09-15 23:45:33 Uhr
Hab's nicht gehört. Von Facebook wurde mir aber das Albumcover präsentiert, was bei mir einen harten Lachflash ausgelöst hat. Dachte, das sei Spaß. Damit lag ich jedoch - wie ich hier nun beinahe erfreut feststellen muss - leider verkehrt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18639

Registriert seit 08.01.2012

2020-09-15 21:19:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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