Deradoorian - Find the sun

Deradoorian- Find the sun

Anti / Indigo
VÖ: 18.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Relax? Don't do it!

Immer gut für ein kurzes Schmunzeln zwischendurch: die User in den Kommentarspalten der geschätzten Kollegen von Stereogum. "20 years after Shaggy first asked the question ... finally, we know who it was", schrieb da der User "clang" unter einem Artikel über Deradoorians neue Single "It was me" und sorgte zumindest für ein wenig Freude. Gleich nachdem man ein paar Tränchen ob der Tatsache vergossen hat, dass "It wasn't me" tatsächlich schon 20 Jahre auf dem Buckel hat, versteht sich. Ansonsten bietet "Find the sun", das Album zur beichtenden Single, zwar sehr viel Grund zur Freude, aber nur wenig Anlass zum Lachen. Nicht, dass Deradoorian – deren Vorname zu allem Überfluss auch noch Angel lautet – eine Spaßbremse wäre. Ihr zweites Soloalbum nach dem Ausstieg bei Dirty Projectors im Jahr 2012 ist im Gegensatz zu so manchem Gag in dieser Einleitung nun mal einfach ernstzunehmen.

Kunstvoll kommt das nämlich daher. Üppig, ohne überladen zu sein. Und obgleich man beim ersten Hördurchgang noch meint, dass das hier alles schon schön entspannend ist, merkt man spätestens beim zweiten, dass die Muskulatur im Nacken nicht etwa vom ständigen bejahenden Kopfnicken schmerzt. "Find the sun" ist eine Herausforderung für die Sinne, ein Album, das bewusst gehört werden will – und sollte! – und dafür auch ein wenig Anstrengung beim Gegenüber in Kauf nimmt. Can und deren Sänger Damo Suzuki werden da im Promozettel als Inspiration genamedroppt, ebenso wie Pharoah Sanders und Sun Ra, und so psychedelisch klingt das Endergebnis dann auch glatt. Man nehme nur mal das völlig verstrahlte "Saturnine night", ein über sieben Minuten langes Epos, das rhythmisch schon bockstark startet und im weiteren Verlauf beinahe hypnotische Züge annimmt, bis man vor dem geistigen Auge ein Kaleidoskop zu sehen vermag. Ach komm, nur eins? Zwei, drei, elf. Alles bunt, alles grell. Bitte mehr davon!

Nein, Akupressur mittels Entspannungsmatte gibt es hier wahrlich nicht, tiefe Stiche versetzt so mancher der zehn Tracks jedoch allemal. Blut fließt keines, nicht mal dann, wenn sich der eine oder andere schrille Laut im avantgardistischen "The illuminator" mit Karacho ins Trommelfell schießt. Aber zur Abwechslung gibt's ja eine ganze Reihe Störgeräusche, deren Bezeichung auch wieder unpassend ist, weil, na ja, sie halt eigentlich gar nicht stören. Und selbst wenn: Das hauchzarte, ganz und gar liebliche "Waterlily" weiß zu trösten und zu herzen und vibriert sich voller Wohlklang genau dorthin, wo es eben noch minimal wehtat.

Dann wäre da auch noch das aus der Zeit geratene – oder eher durch die Zeit reisende? – "It was me", das mit Shaggy natürlich ungefähr so viel zu tun hat wie Saft-Gummibärchen mit dem Passierschein A38. Das dröhnt und schrammelt und groovt sich mit Charme und Anmut durch die letzten fünf Musikjahrzehnte, ohne auch nur eine Sekunde fehl am Platz zu wirken, während das jazzige "Mask of yesterday" scheinbar gar nicht dazugehören will, es allein aufgrund des Titels und der derzeitigen Lage rund um Gesichtsbekleidung aber doch irgendwie tut. Am Ende wird "Find the sun" dann auch tatsächlich fündig, wenn das abschließende "Sun" die Holzkeule auspackt und sich breitbeinig polternd bereitmacht, damit sich andere an ihm die Finger verbrennen können. Ein ganz heißes Eisen ist das – oder gar ein waschechter "Hot shot"?

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Saturnine night
  • Waterlily
  • It was me

Tracklist

  1. Red den
  2. Corsican shores
  3. Saturnine night
  4. Monk's robes
  5. The illuminator
  6. Waterlily
  7. It was me
  8. Devil's market
  9. Mask of yesterday
  10. Sun

Gesamtspielzeit: 54:02 min.

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Armin

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2020-09-15 21:18:26 Uhr - Newsbeitrag
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