Uniform - Shame

Uniform- Shame

Sacred Bones / Cargo
VÖ: 11.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The big sleep

Musik erzeugt Bilder, ist ja nicht neu. Im Falle von "Shame", dem vierten Album von Uniform aus New York, wird das Kopfkino quasi vorgegeben. Grundlage für die Platte der zum Trio angewachsenen Formation ist ein imaginärer Hard-boiled-Roman im Stile eines Raymond Chandler, nur dass dieser keinen dramaturgischen Plot besitzt. Die Leere, die Schande einer unausgefüllten Existenz, gefasst von dem täglichen Ringen mit der eigenen Person, welche jedoch ins Nichts läuft, sind der Nährboden für acht brachiale Underground-Metal-Stücke. Und jene vordergründige Ereignislosigkeit ist prägend für die neue Musik von Uniform. Denn anstatt leicht zu identifizierende Höhepunkte anzusteuern, mahlt und reibt, grummelt und ächzt diese Musik im besten Angedenken an Sisyphus. Das Verweigern von Er- oder Auflösung, das enervierende Strampeln im Hamsterrad wird zum bitterbösen Modus Operandi erhoben.

Und da wir gerade bei Bildern sind: Man muss sich Uniform zum Zwecke dieser Aufnahmen einfach in einem kahlen, heruntergekommenen Raum vorstellen, vielleicht ein paar Pfützen auf dem Boden, alles grau in grau. Und die Musik, die die drei erzeugen, prallt an die Wände, findet keinen Ausgang, wird auf die Erzeuger zurückgeschleudert. Es geht dabei nicht um Varianz und Raffinesse: Der Opener "Delco" lebt eher von Wiederholung und Intensität. Jeder brachiale Ton schneidet tief ins Fleisch, der Rhythmus hämmert wuchtig in einem fort und der Gesang von Michael Berdan bellt ohne jedes Zugeständnis an die Nachsicht. Dabei ist das Setting heruntergekommen, man denkt an Rost, defekte Maschinen und jegliche entstehende Energie ist negativ und destruktiv.

Der Industrial-Doom von "The shadow of God's hand" dreht den Zeiger in Richtung quälender Zähheit, die Band robbt sich schwerfällig durch das Stück, wobei jeder Trommelschlag, jede herausgepresste Note dem Verweigern einer Begnadigung gleichkommt. Dass auf halber Strecke dann das Thrash-Metal-Kommando einsetzt und den Mittelteil des Songs rücksichtslos durchprügelt, zeigt vor allem eins: Bei Uniform ist niemand sicher. Die Band weigert sich beharrlich, Elemente verschiedener Metal-Genres ästhetisch voll zur Geltung zu bringen. Es werden verschiedene Stile angerissen, jedoch lediglich, um diese für eine drangsalierende Hartnäckigkeit einzusetzen. Zugeständnisse in Form einer nahbaren Melodik gibt es schon mal gar nicht.

Und so ist zum Beispiel "Life in remission" ein garstig durchgehetztes, nur schemenhaft konturiertes, weißes Rauschen mit Kopfschmerzgefahr. Und trotzdem, in seiner ziellosen Verzweiflung ist dies maximal lebendig, nur eben nicht in der Familien-Edition, sondern angefülllt mit den ganzen Alltags-Dämonen, die manchmal schmerzen wie ein eitriger Zahn. Zur größten Vervollkommnung bringen Uniform ihre destruktive Motorik im abschließenden "I am the cancer", welches sein haltloses Drumming und die splitternden Gitarren über einer Abraumhalde von abgewrackten Illusionen kreisen lässt. Hier peitscht und pocht es noch mal so enervierend, dass man sich, frei nach Raymond Chandler, nur noch eines wünscht, nämlich den großen Schlaf.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • The shadow of God's hand
  • Life in remission
  • I am the cancer

Tracklist

  1. Delco
  2. The shadow of God's hand
  3. Life in remission
  4. Shame
  5. All we've ever wanted
  6. Dispatches from the gutter
  7. This won't end well
  8. I am the cancer

Gesamtspielzeit: 34:24 min.

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User Beitrag

wilson

Postings: 181

Registriert seit 10.08.2015

2020-09-05 19:23:43 Uhr
geile band!!...bin gespannt

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-09-05 12:25:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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