The Cooper Temple Clause - Kick up the fire, and let the flames break loose

The Cooper Temple Clause- Kick up the fire, and let the flames break loose

Morning / BMG
VÖ: 08.09.2003

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alles wird in Flammen stehen

Individualität? Ist lange her. Der moderne Mensch bevorzugt das reglementierte Leben. Wo man auch hinschaut, immer die gleichen Typen. Der Börsenbroker im tadellos geschneiderten Anzug, das Handy stets am Ohr. Das Mädchen mit der ausrangierten Krawatte von Papa. Der Junge im "Punk's not dead"-T-Shirt von Peek & Cloppenburg. Auf dem Schulhof, in der Disco, im BWL-Hörsaal. Überall. Bloß nicht Auffallen um jeden Preis. Koste es die eigene Seele. Aber Du? Du willst nicht wie die anderen sein? Du willst raus aus dem Irrenhaus, das sie Leben nennen? Hier ist Dein Ticket.

The Cooper Temple Clause sind der letzte Pickel am Arsch einer klinisch reinen Clearasil-Gesellschaft. Sechs junge Männer mit jeder Menge Flausen auf und noch viel mehr davon im Kopf. Zuhause in Reading, dort wo London gerade aufhört und die Provinz anfängt, zieht man wahrscheinlich die Vorhänge zu, wenn sie über die Straße gehen. Und tuschelt hinter ihrem Rücken, wenn sie im bandeigenen Studio, einer stillgelegten Schweinefarm, bis zum Morgengrauen Musik machen. Musik, die aus purer Unzufriedenheit besteht, die anders sein will, weg möchte von der Tristesse des Alltags. Eine Band sucht nach dem Ausweg. Und sie hat keine große Lust auf Umwege.

Ein zickiger Song eröffnet das Feuer. Ambientes Schwelgen, ein Stolpern von einer Melodie, ein kurzes Aufbäumen der Gitarren. Das Debüt hätte nun den großen Knall ausgepackt, hier bleibt er aber aus. "You can't keep making the same mistakes" lautet der trockene Kommentar von Sänger Ben Gautrey, einem Typ, dem man jederzeit den dritten Gallagher abnehmen würde. Der glorreich randalierende Kotzbrocken "Promises, promises" ist also ein Einzelkind. Stattdessen wird geforscht und getüftelt, gedacht und erst dann gemacht. Breit angelegte Songs wie "New toys" schweben über doppelten Böden, gewinnen nur langsam an Fahrt und halten sich lange Zeit bedeckt. Düster und schwierig, diese Platte. Hat ja auch keiner gesagt, daß es einfach werden würde.

Wo andere bemüht sind, aus den wildesten Gegensätzen ein neues Ganzes zusammenzubauen, lassen The Cooper Temple Clause die natürlichen Todfeinde bewußt gegeneinander anlaufen. Kann schon mal vorkommen, daß man während der Strophe von "Blind pilots" unweigerlich an U2 denken muß. Und sich kurz nach dem Refrain schon wieder fragt, ob die vielleicht Schottenröcke unter ihren Lederjacken verstecken. Gut möglich auch, daß ein ätzender Drohbrief wie "Written apology" zum Schluß noch durch ein ausgiebiges Jungle-Outro gejagt wird. Hier ist nichts, wie es erscheint, kein Song endet so, wie er begonnen hat. Ein gemeines Spiegelkabinett von einem Album.

"Kick up the fire, and let the flames break loose" ist ein großes Abenteuer ohne Komplettlösung, aber es ist kein Brocken, den man nicht schlucken könnte. Die ersten Durchläufe mögen noch eher dem Verstehen denn dem Vergnügen dienen, letztlich ist die Platte aber doch viel zu gut, um ihr nicht mit Haut und sämtlichem Haar zu verfallen. Der unbändige Ehrgeiz beim Aufbau, der boshafte Spaß am Kaputtmachen und die stockdustere Gruselatmosphäre - in dieser Form gibt es all das nur hier. Warum also sollte man sich die Zeit nicht nehmen? Draußen vor der Tür verpaßt man ja doch nichts Aufregendes.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Promises, promises
  • New toys
  • Talking to a brick wall
  • Written apology

Tracklist

  1. The same mistakes
  2. Promises, promises
  3. New toys
  4. Talking to a brick wall
  5. Into my arms
  6. Blind pilots
  7. Aim
  8. Music box
  9. In your prime
  10. Written apology

Gesamtspielzeit: 53:53 min.

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nörtz

Postings: 4665

Registriert seit 13.06.2013

2013-12-15 01:49:27 Uhr
Wurde hier sträflich unterbewertet. Eines meiner Top-00er-Alben!

Rasmussen

Postings: 18

Registriert seit 26.06.2013

2013-12-15 01:07:13 Uhr
Gerade mal wieder ausgegraben. Hat nichts verloren. Mal so gar nichts. Absolutes Überalbum. Talking to a brick wall kriegt mich immer noch und jedes Mal aufs Neue. Und wie sie Into your Arms mal eben in die Schrottpresse ziehen. Verdammt waren die brilliant damals.
hmm
2011-10-30 20:39:56 Uhr
"Unterschätzt" trifft es doch nicht wirklich... eher "unbekannt".
Cooper Tempel Klaus
2011-10-30 20:13:50 Uhr
Ziemlich unterschätzt.

@BRENO
Töpperwien!
Rent Reznor!
2011-08-25 14:43:23 Uhr
GRANDIOSES Album. But you can't keep making the same mistakes ... ein super Opener, insbesondere live göttlich dynamisch.
Mein Lieblingssong ist übrigens New Toys.
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