Knuckle Puck - 20/20

Knuckle Puck- 20/20

Rise / BMG / Warner
VÖ: 18.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Scheißmusik, richtig gut

Stellt Euch vor, da wäre eine Band. Die ihren Sound ungefähr dorthin bringen will, wo sich schon in den 00er-Jahren Qualitäts- und Geschmacksabgründe aus dem tiefsten Schlund der Hölle auftaten und ein furchteinflößendes Bandmonster nach dem anderen auf die Erde entsandt wurde. Auf Wunsch sogar mit schwarz gefärbtem Scheitel und Kajal. Ungefähr dort also, wo sich Bands wie The Story So Far, Bowling For Soup, New Found Glory, Punchline und Lucky Boys Confusion mit süßlichen Wattebauschmelodien bewerfen, bis auch die letzte Kante so richtig schön flauschig ist. Klingt ziemlich grauenvoll, oder? Hat das Quintett aus Chicago aber zumindest in heimischen Gefilden zu einer richtig großen Nummer gemacht.

Hierzulande stellt man hingegen noch eher mit ein wenig Erstaunen fest, dass die ja auch schon wieder zehn Lenze auf dem noch lange nicht krummen Buckel haben und mit "20/20" inzwischen ihren dritten Langspieler vorlegen. Der wirklich alles hat, was man gemeinhin im Laufe der musikalischen Sozialisation zielsicher hassen gelernt hat, den man ganz im Sinne des eigenen Distinktionsgewinns so richtig runterputzen könnte. Tja, wenn das denn möglich wäre. Knuckle Puck haben derlei Vorhaben nämlich schon bei ihrer Gründung durchschaut und legen etwaigen Hater*innen seit jeher unpassierbare Baumstämme aus Qualität auf die Straße. So sehr man versucht, sich daran zu stoßen, dass Joe Taylor und Nick Casasanto ihren Vortrag hautnah am Pop-Punk-Standard halten, so sehr man bemängeln will, dass die Produktion von "20/20" nun wirklich kein Wässerchen trüben könnte, so schreckliche Erfahrungen mit Kapellen vergleichbarer Couleur man auch nachzeichnet: Es funktioniert einfach nicht, "20/20" schlecht zu reden.

Weil hinter allem, was dieses Album zu bieten hat, hörbar harte und vor allem gute Arbeit steckt. Taylor und Casanto werfen sich gegenseitig Gesangslinien zu, deren Formvollendung mit Sicherheit einiges an Zeit in Anspruch genommen hat, die aber trotzdem nicht verkopft wirken. In jeder Ecke dieser elf Stücke verstecken sich hübsche Melodien, noch hübschere Gitarrenfiguren und jede Menge Liebe zum Detail. Und das Wichtigste: Von der ersten Sekunde, wenn der Opener und Titeltrack einer in Emo und Pop-Punk verliebten Sonne Tür und Tor öffnet, ist man hier auf der Gefühlsebene dabei. Obwohl der Refrain "We never get a second chance" skandiert, spendet die Band musikalisch Trost in King-Size-Packungen, wird man Song für Song in den Arm genommen. Egal, wie das Ganze auch geschieht, in Form etwa einer prädestinierten Single wie "Breathe", wo Mayday Parades Derek Sanders vorbeischaut, dem etwas zurückgelehnter daherkommenden "Earthquake" oder dem Closer "Miles away", der kurz vorgibt, eine Ballade zu werden, dann aber doch vor Kraft kaum laufen kann: Man nimmt das alles an. Knuckle Puck machen Scheißmusik. Richtig gut.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • 20/20
  • Tune you out
  • Sidechain
  • Miles away

Tracklist

  1. 20/20
  2. Tune you out
  3. Sidechain
  4. Earthquake
  5. RSVP
  6. Breathe (feat. Derek Sanders)
  7. What took you so long?
  8. Into the blue
  9. Green eyes (Polarized)
  10. True north
  11. Miles away

Gesamtspielzeit: 34:39 min.

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User Beitrag

Milo

Postings: 123

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-05 13:29:44 Uhr
Mag "Shapeshifter" ziemlich. Das war hier und da schön emotional und bissig. Gone macht einfach nur Laune. Die Singles zum neuen Album klingen ein wenig "seichter". Aber ich lass mich mal überraschen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-09-05 12:24:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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