Throwing Muses - Sun racket

Throwing Muses- Sun racket

Fire / Cargo
VÖ: 04.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Trockengelegt

Kann man da der Promo trauen? Zum neuen Throwing-Muses-Album "Sun racket" spricht diese von aquatischen Songs. Nun, einiges auf dem neuen Album deutet in diese Richtung. Da wären der reichliche Reverb auf den Gitarren, zerfließende Akkorde und oftmals träge mäandernder Gesang. Der Nachfolger zum 2013er "Purgatory / Paradise" trägt aber die Sonne nicht nur im Titel. Und jetzt nicht das lachende, gelbe Gesicht auf Kinderbildern oder den goldenen Abglanz später Sommertage. Hier haben wir es mit dem unerbittlichen Glutball zu tun, der auf ausgedörrte Erde brettert. Und nicht nur die Stimme von Front-Ikone Kristin Hersh ist wie seit jeher spröde und trocken, wie aufgeplatzte Lippen nach der Wanderung durch ausgezehrtes Ödland.

Die Gitarren im Opener "Dark blue", mächtig und brachial, evozieren das Bild von Schrottplätzen unter sängender Sonne, von verlassenen Tankstellen im Niemandsland amerikanischer Weite. Doch hier, in diesem Song, läuft der Motor noch mächtig, die Drums pumpen, der Bass grummelt kraftvoll, und die Gitarren zerfetzen so manches Idyll. Doch im Laufe des Albums wird der Gang unstet, erschöpft wird scheinbar an Nebenschauplätzen verharrt. Ein Abgesang vor orange-rotem Horizont ist "Bywater", tändelt und schlingert genügsam, das hintergründige "Lalala" wird wie unter Fieber dargeboten. Ja, dieser Song zerfließt stetig, doch ist dies eben auch wie das verwirrte Herumirren am Ende der Kräfte. Die durch und durch vom Americana beseelte Gitarre in "Maria Laguna" vermittelt ein reizvolles Zwischending aus nasser Kühle und flimmernder Hitze, und auch der fahle Gesang Hershs folgt dieser Ambivalenz. Das wie vom Himmel gefallene Bratz-Rock-Riff sendet den Song dann jedoch in Richtung Wachheit und konkreter Handlung.

Dies ist einer der seltenen Momente, wo diese Platte aus der Haut fährt, einen dezenten Arschtritt ausführt. Doch dies sind gar nicht wirklich die magischen Momente von "Sun racket". Denn das scheinbar beliebige Dahintändeln durch genügsame Passagen besitzt so viel Nuancierung, so viel Liebe zum knorrigen Detail, dass man markantere, kompositorische Eingriffe nicht vermisst. Man muss nur den raumgreifend dröhnenden Bass von "Milk at McDonald's" durch sich fließen lassen, um von den Schlingerfahrten angefixt zu werden. Das Gemächliche, das Zurückgenommene ist ein Seinszustand, den die Band aus Boston kunstvoll ausstaffiert und verfeinert. Die Einsamkeit von "Upstairs Dan" erhält erst durch die wabernden Gitarren ihre traumähnliche Charakteristik. Herrlich zudem, wie viel heisere Reibung in Hershs Stimme beim melodischen Gipfel des Songs entsteht.

"Frosting" lädt hingegen den knorrigen Blues auf die Ladefläche und hinterlässt Staubwolken in der Einöde, das rumpelt moderat und geht mit gewisser Zurückhaltung auch nach vorne, nur hat man auch hier das Gefühl, die Throwing Muses gehen ob der Hitze sparsam mit ihren Kräften um. Herrlich sirupartige Melodiefolgen sind aber trotzdem drin. Und so ist "Sun racket" ein Album meisterhaft dargebotener Stimmungen, wobei die Atmosphäre nachhaltiger beeindruckt als einzelne Refrains oder Melodien.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Bywater
  • Milk at McDonald's
  • Upstairs Dan

Tracklist

  1. Dark blue
  2. Bywater
  3. Maria Laguna
  4. Bo Diddley bridge
  5. Milk at McDonald's
  6. Upstairs Dan
  7. St Charles
  8. Frosting
  9. Kay Catherine
  10. Sue's

Gesamtspielzeit: 35:28 min.

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Armin

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2020-08-30 19:31:35 Uhr - Newsbeitrag
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