Katy Perry - Smile

Katy Perry- Smile

Capitol / Universal
VÖ: 28.08.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Sommersprösslinge

"Gotta say it's really been a while / But now I got back that smile." Katy Perry hatte ihr Lächeln verloren, als sie merkte, dass das Gerede davon, das eigene Ding durchzuziehen und einen Scheiß auf die Meinung anderer zu geben, doch nicht so funktioniert, wie das viele glauben. Ihr letztes Album "Witness" war nicht nur kommerziell eine Enttäuschung, sondern fiel auch bei der Kritik durch. Trotz oder gerade wegen der Versuche, etwas mit Bedeutung auf die Beine zu stellen, aber eben auch, weil es bis auf ein paar nette Songs ein überlanges, dröges Ding war. Das versetzte Perry, für die es bis dahin fast nur aufwärts ging, in depressive Lethargie, zu der sie seit ihrer schwierigen Kindheit unter strenggläubigen Eltern neigte. Ein paar Jahre später zeigt sie sich in ihrem Blick zurück reifer und reflektierter. Und schwangerer. Ob ihr erstes biologisches Kind mit Orlando Bloom oder ihr sechster musikalischer Sprössling namens "Smile" zuerst das Licht der Welt erblickt, wird sich bei Erscheinen dieses Texts geklärt haben.

Die zwölf neuen Songs sind zunächst teils gar nicht so neu. Mit "Never really over" und "Harleys in Hawaii" sind zwei Singles aus 2019 mit dabei, "Small talk" wurde mit "Never worn white" währenddessen auf die Fan-Edition verbannt. Während das sommerlich luftige, aber letzten Endes belanglose "Harleys in Hawaii" eine seltsame Wahl für das Album ist, eröffnet "Never really over" die Sause standesgemäß, der launig stotternde Beat als Grundlage für die wohl beste Perry-Single seit, sagen wir, "Dark horse". Passenderweise verblüfft der Rest des Eröffnungstrios nur geringfügig weniger. "Cry about it later" zelebriert seine innere Verdrängung zwischen dem treibenden Beat und der zurückhaltenden Instrumentierung. "Champagne on ice only makes you stronger." Perry kämpft sich hervor, tanzt unmittelbar danach hinter einem Schleier von "Teary eyes": auch dort eine interessante Koexistenz von Schüchternheit und Tanzbarkeit.

Mit dem gitarrenlastigen "Daisies" oder dem wuchtig knarzenden "Until the end of the world" beweist "Smile" in der ersten Hälfte, dass es die Messlatte von "Witness" mühelos überspringen kann. Der Titeltrack in der Mitte stellt den Übergang dar. Schmissig arrangiert, aber ohne einen echt guten Einfall für die Hook, bleibt er etwas blass. Leider folgt die zweite Hälfte größtenteils dem, was auch "Harleys in Hawaii" dort schon andeutet. Die meisten Stücke sind nett, gehen aber links rein, rechts raus. "Champagne problems" wiederholt die zu oft gehörte First-World-Problem-Masche, "What makes a woman" überrascht zwar mit Beat-Umschwung in der Mitte, bleibt aber auch nicht hängen. "Tucked" ist die löbliche Ausnahme, probiert einen funkigen Fummel an und träumt: "I could put us on an island / I could put us in a mansion." Da ist dann zwar das Motiv des Selbst-Wiederaufbaus vom Anfang dahin, aber Laune macht das. Und wofür hört man sonst ein Katy-Perry-Album in erster Linie?

Dass "Smile" deutlich unter 40 Minuten Spielzeit ins Ziel geht, ist am Ende in jedem Fall vorteilhaft. Die Songs bleiben meist kompakt genug, um nicht unnötig und ungewollt zu verweilen – letztlich hält der hintere Teil der Platte aber wiederum nicht, was der vordere verspricht. So bleibt eine Hit-Bollermaschine wie "Teenage dream" in weiter Ferne, aber zumindest kann man sich besser vorstellen, wie eines Tages ein "reifes" Katy-Perry-Album klingen könnte. Anwanzungen von Musikern wie Thees Uhlmann hat Perry damit zumindest bei weitem noch nicht nötig. Wie der Nachwuchs in privater Hinsicht dann die berufliche Seite inspirieren wird, wird man noch sehen. "Smile" integriert die Gedankenwelt seiner Schöpferin zumindest erfolgreicher als der gut gemeinte, aber eben weniger gute Vorgänger. Ob es beim nächsten Mal dann süßliche Lobeshymnen aufs Kind oder düstere Trap-Attacken aufgrund der Schlaflosigkeit gibt?

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Never really over
  • Cry about it later
  • Teary eyes

Tracklist

  1. Never really over
  2. Cry about it later
  3. Teary eyes
  4. Daisies
  5. Resilient
  6. Not the end of the world
  7. Smile
  8. Champagne problems
  9. Tucked
  10. Harleys in Hawaii
  11. Only love
  12. What makes a woman

Gesamtspielzeit: 36:44 min.

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User Beitrag

Kai

Postings: 567

Registriert seit 25.02.2014

2020-08-31 18:48:58 Uhr
Hab mal bei nem Konzert von ihr gearbeitet.
Als Show war das schon professionnel und gut gemacht.

Ist halt nicht unbedingt meine Musik.

Klaus

Postings: 1775

Registriert seit 22.08.2019

2020-08-31 18:23:46 Uhr
Ich war schon zwei mal bei Liveshows von ihr. Einmal auf dem Hurricane als sie noch indiecredibel war und ein mal hatten wir zu 7. Karten gewonnen. Das war dann schon ganz witzig inmitten der ganzen kreischenden Teenies und verzweifelten Eltern am Rand. Eine Popshow sondergleichen inkl. mehrfacher Bühnen und Klamottenwechsel. Schon unterhaltsam.

Given To The Rising

Postings: 7213

Registriert seit 27.09.2019

2020-08-31 17:57:40 Uhr
Ich schon. Schlechte Musik. Fridolin wirds freuen. Never Really Over fand ich ganz in Ordnung, aber ansonsten ist das halt klassischer Mainstreampop, der eher nervt.

Kai

Postings: 567

Registriert seit 25.02.2014

2020-08-31 17:52:04 Uhr
"This one time I brought a friend who was dying to meet her. It was Johny Wujeck’s birthday party at moonlight roller way. And when I saw her, we hugged and she was still my crush. But as I turned to introduce my friend, she pulled my Adidas sweats and underwear out as far as she could to show a couple of her guy friends and the crowd around us, my penis."

Nach etwas googlen: der Freund hat sich nie dazu geäußert, die anderen Gäste nicht und Wujeck sagt, dass dies nie passiert sei.


Aber ist eigentlich auch wurscht ^^
Hab nicht wirklich eine Meinung zu K.Perry

fuzzmyass

Postings: 2933

Registriert seit 21.08.2019

2020-08-31 17:25:37 Uhr
Wobei ein Mann hier zumindest ganz anders medial geschlachtet worden wäre, da muss man schon zustimmen....
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