Nas - King's disease

Nas- King's disease

Mass Appeal / Caroline / Universal
VÖ: 21.08.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Revolution im Lowrider

Rebellion muss nicht laut und forsch sein. Das weiß man durch Reggae, durch Soul oder auch viele klassische Protestsongs. Rap ist dagegen häufig als wütendes Genre wahrgenommen worden. Das stimmt nur halb, aber die eindrücklichsten Vertreter suchten durchaus oft die Konfrontation. Die Themen sind seit dem Ursprung breiter geworden, aber wenn es darauf ankommt, stellen Rapper immer noch das "Black CNN" dar. Nas rappt mittlerweile seit mehr als drei Jahrzehnten, sein Debüt "Illmatic" liegt 26 Jahre zurück. Er muss niemandem mehr beweisen, dass er wütend sein kann. Daher reicht es auf seinem 13. Album "King's disease", wenn er Zeilen wie "Stupid words from the President's mouth, where are his editors? / Antarctica is 65 degrees / Global warming, they don't wanna believe / And they're hanging people on trees" ins Mikro spuckt, während instrumental die sonnigste Cabriofahrt ausgemalt wird.

Zahlen- und soundtechnische Parallelen lassen sich ausgerechnet zu seinem (Ex-?)Nemesis Jay-Z ziehen, dessen Nummer 13 namens "4:44" dank No I.D. ein beeindruckender Spätkarrieren-Seelenstriptease zu Oldschool-Beats war. "King's disease" wird komplett vom kalifornischen Produzenten Hit-Boy unterfüttert, der ein weiches, souliges Bild zeichnet und so die – Achtung, wieder – 13 Tracks zu einem Trip verschmelzen lässt. Allein dadurch fühlt sich die Platte viel kompakter und unterhaltsamer an als der von Kanye West digirierte, enttäuschende Schnellschuss "Nasir". Man kann sogar so weit gehen: "King's disease" zählt zu den besten LPs des New Yorkers. Weil es in der Diskografie einzigartig ist. Und weil Nas wieder etwas zu sagen hat – solange er nicht Pimmelvergleiche wie "Still goin' deeper like I grew a new inch on my dick" bringt, versteht sich. Ein paar Fehltritte seien verziehen.

Der einzige Moment, der sonst die Party stört, ist der sicher gut gemeinte Versuch von "Til the war is won", sich auf die Seite aller alleinerziehenden Frauen zu stellen. Nicht nur ist das Lil-Durk-Feature der wohl schwächste Auftritt auf dem Album, auch die Gewaltvorwürfe von Ex-Freundin Kelis klingeln bei diesem Thema noch im Ohr. Die schweigt er immerhin nicht tot: "Single mothers, my heart's bleeding for you / These coward men, that were beating on you (never me) / Let's silence them, with a silencer." Klar positionierte Worte durchaus, nur wirkt das Ganze zu gewollt. Macht nichts, denn anderweitig hat "King's disease" genug Feuer. In "Full circle" bringt Nas sogar seine komplette alte Truppe The Firm zusammen, von denen Foxy Brown die dicksten Lorbeeren einheimst. "Black Sheba, Philipp Plein on a sneaker / Low in a two-seater, bitch, I spits ether." Ganz überraschend schaltet sich außerdem im Outro noch ein gewisser Dr. Dre ein. Die beste Überleitung zum Highlight "10 points", welches die Bläser grandios wuppen.

Die Single "Ultra black" positioniert sich einmal mehr zum schwarzen Selbstverständnis, während das schon zuvor zitierte "The definition" einen Rundumschlag gegen den Status Quo verteilt. Persönlicher gibt sich Nas hingegen in den verklärten Erinnerungen ans Straßenleben von "Car #85": "They called me babyface in '88 / On 40th and Broadway they made me stay and wait." Das stimmig den Beat switchende "The cure" hadert derweil mit dem Status im Musikbiz. "The markets see you as a old-ass artist / The McCartneys live past the Lennons, but Lennon's the hardest" – den Vergleich dürften auch Nicht-HipHop-Heads verstehen. Und kurz bevor die ganze Sause durch ist, haut Nas noch das als Bonus markierte "Spicy" raus. Ganz im Stil von Run The Jewels "Ooh la la" wird stimmig Shit-talking betrieben. "G's stay icy 'cause shit get spicy." Tiefe hat das nicht, aber ist auch völlig egal. Wie erwähnt muss Nasir Jones schon längst nicht mehr ständig was beweisen. Schon gar nicht, wenn er sowas noch im Köcher hat.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Car #85 (feat. Charlie Wilson)
  • Full circle (feat. The Firm, AZ, Foxy Brown & Cormega)
  • 10 points
  • Spicy (feat. Fivio Foreign & A$AP Ferg)

Tracklist

  1. King's disease
  2. Blue Benz
  3. Car #85 (feat. Charlie Wilson)
  4. Ultra black (feat. Hit-Boy)
  5. 27 summers
  6. Replace me (feat. Big Sean & Don Toliver)
  7. Til the war is won (feat. Lil Durk)
  8. All bad (feat. Anderson Paak)
  9. The definition (feat. Brucie B)
  10. Full circle (feat. The Firm, AZ, Foxy Brown & Cormega)
  11. 10 points
  12. The cure
  13. Spicy (feat. Fivio Foreign & A$AP Ferg)

Gesamtspielzeit: 38:20 min.

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User Beitrag

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7404

Registriert seit 23.07.2014

2020-08-30 20:13:23 Uhr
Schöne Review, macht Lust auf das Album. Gut, dass er sich nach dem enttäuschendem "Nasir" wieder etwas gefangen hat.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-30 19:30:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-14 19:28:44 Uhr - Newsbeitrag
Zeugnis der Zeit: HipHop-Star Nas kündigt neues Album "King´s Disease" an; veröffentlicht erste Single "Ultra Black"
HipHop-Star Nas wird am 21. August mit "King´s Disease" ein Album über Mass Appeal veröffentlichen, das wesentlich von den "Black Lives Matter"-Protesten und allen Entwicklungen der vergangenen Monate beeinflusst wurde. Black Futurism und Black Joy sind bestimmende Themen des Albums, das vollständig von Hit-Boy (Jay-Z, Beyoncé, Travis Scott) produziert wurde.

Statement für Gleichberechtigung und Menschlichkeit

Das Album, welches bereits nächste Woche erscheint, wird heute mit der Single "Ultra Black" angekündigt. "Ultra Black" ist eine Erinnerung an die unübersehbaren Leistungen der Black Community. Der Song ist ein Zeugnis seiner Zeit und ein unmissverständliches Statement für Gleichberechtigung und Menschlichkeit. Während die Farbe Schwarz oft mit Trauer und Dunkelheit assoziiert wird, hebt Nas den Reichtum, die Komplexität und die tiefe Schönheit des Begriffes hervor.

Mehr als Hautfarbe, sozialer Status oder Glauben

"Ultra Black" feiert die Black Community als Lebenskraft der Kultur. Der Song hebt den Begriff dabei über Hautfarbe, sozialen Status oder Glauben hinaus, lässt ihn symbolisch für die Stärke, die Macht, das Vermächtnis und die Verbundenheit aller Menschen stehen. So wie Schwarz alles Licht absorbiert, steht "Ultra Black" für die Vereinigung der Menschheit, rückt Black Joy und eine vielversprechende Zukunft ins Rampenlicht.


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