Dead Quiet - Truth and ruin

Dead Quiet- Truth and ruin

Artoffact / Cargo
VÖ: 11.09.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Keine Tränen, kein Ziepen

Das Badezimmer – ein Ort, dem kreativ gesehen immer größere Bedeutung zukommt. Einst obligatorischer Vorraum jedes Plattentests.de-Updates und Geburtsstätte zahlreicher irrlichternder Newsletter-Ideen, in Pandemie-Zeiten zuletzt für The Killers Bühne einer gezwungenermaßen etwas anderen Performance, und auch bei Dead Quiet aus Vancouver geht es im Video hoch her in der Nasszelle: Schweinesoli unter der Dusche, Bier saufen in der Badewanne, Abmoshen beim Haarewaschen und markerschütterndes Geschrei, wenn Shampoo ins Auge kommt. Keine Tränen, kein Ziepen? Schön wär's. Nicht. Das wölfische Brüllsäuseln von Kevin Keegan, der nur zufällig so heißt wie ein früherer, leider ebenfalls singender HSV-Torjäger, ist nämlich unabdingbarer Bestandteil des Heavy-Duty-Metals der Kanadier. Und dieser zitiert genauso Urväter und zeitgenössische Kräfte des Doom wie jene Classic-Rock-Veteranen, die dem Genre erstmals zeigten, wo der Frosch die Locken hat. Mit anderen Worten: "Whoosh!"? Nicht ganz. Aber nahe dran.

Denn was Deep Purple oder Black Sabbath können, kann das Quintett auf seinem dritten Album "Truth and ruin" grundsätzlich schon lange oder zumindest praktisch genauso gut: herzliche Nackenschläge per sechssaitiger Axt verteilen, sie mit ächzenden Dampforgeln überbacken und in ein und demselben Song durch ein halbes Jahrzehnt Rock'n'Roll hecheln, der sich traditionell in speckige Lederklamotten zwängt wie die Hartwurst in die Pelle. "Atoned deaf" verspricht der triumphal knirschende Opener folgerichtig – ein Titel, der ebenso Programm ist wie "Of sound and fury", wenn sich präzise Groove-Walze und roh nach vorne gemischte Gitarren zum malmenden Ungetüm vereinigen. Songs, die so klingen, wie die Cover des Fünfers aussehen: Gleißende Dimensionstore und massive geometrische Formen schweben über urwüchsigen Landschaften ein und künden von der nahenden Apokalypse, auch wenn diese hier vornehmlich zwischenmenschlicher Natur ist. Es muss schließlich nicht immer Eiersalat in Rock sein.

Was Dead Quiet jedoch nicht daran hindert, sich möglichst breitbeinig aufzustellen. Auch im schlanken "Forever unsung" jazzen und jammen sich Tastenmann Michael Rosen und ein pointiert gespieltes Riff im Sinne von Tony Iommi gegenseitig zum so knackigen wie ohrwurmigen Kraftpaket hoch, und überschwänglicher als beim doppelbödigen Rumpler "Partial darkness" ließen einst allenfalls Cathedral Hüfte und Matte kreisen, als sie 1993 mit "Ride" ihren groß auftrumpfenden Meilenstein "The ethereal mirror" lostraten. Erst zu Beginn des Titelstücks machen Dead Quiet ihrem Namen dank fein gesponnener Akustischer und Keegans schmerzerfüllt klagender Stimme ansatzweise Ehre – doch auch dieser angedeutete Hofknicks vor "Stairway to Heaven" führt letztendlich über eine rabiate Thrash-Passage zum Durchdrehen und Durchsaften. Und der Weg zu "Truth and ruin" nur über Beschreibungsebenen der ganz alten Schule holzharter Gitarrenmusik. Was bei so viel wütender Klasse nichts zur Sache tut: Für ein Album wie dieses ist es nie zu spät.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Forever unsung
  • Of sound and fury

Tracklist

  1. Atoned deaf
  2. Forever unsung
  3. Of sound and fury
  4. Truth and ruin
  5. Partial darkness
  6. The sign of a sealed fate
  7. Cold grey death

Gesamtspielzeit: 45:43 min.

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Armin

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2020-08-30 19:28:38 Uhr - Newsbeitrag
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