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Cold Years - Paradise

Cold Years- Paradise

Eone / SPV
VÖ: 04.09.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

2 + 2 = 5?

Im Grunde ist es ja so: Diese ganzen Punkrockhörer*innen wollen doch gar nicht überrascht werden. Vielmehr sollen sie alle zusammenkommen, die bestenfalls in würdevolle Patina getränkten Klischees von Powerchords, vom ewigen, aber natürlich niemals übertriebenen Uptempo, von den schmissigen Melodien, von Karohemden, gebrochenen Herzen und der ein oder anderen durchzechten Nacht. So edgy wie nötig, so eingängig wie möglich. Das hat ja oft genug funktioniert. Siehe The Gaslight Anthem. Siehe The Draft. Siehe The Smith Street Band. Siehe viele mehr. Die Kerbe ist verdammt tief und eigentlich seit vielen Jahren schon kaum mehr zu verfehlen. Kein Wunder also, dass Cold Years sich nicht lange bitten lassen und natürlich erstmal treffen.

Schließlich ist auf ihrem Debüt "Paradise" alles da, was man für so ein hemdsärmeliges Stück Punkrock braucht. Manche mögen vielleicht sogar das olle Schlagwort Heartcore aus der Mottenkiste holen. Ist aber auch egal. Fest steht: Die Band aus Aberdeen weiß, was zu tun ist. Ross Gordon zieht seinen Hut am Mikro Song für Song in Richtung Dave Hause und Brian Fallon, aus den Verstärkern drücken verzerrte Gitarren mit einer Prise Dreck in die Songs, und die auf Eingängigkeit gebürsteten Refrains scheppern nur so vorbei. Der Tonfall bleibt hier trotzdem distanziert. Weil die Schotten schlicht und ergreifend zu viel wollen. Das beginnt abseits der Musik schon exemplarisch bei der Tatsache, dass die Band keine Homepage, sondern einen Webshop unterhält. Und endet, was viel schlimmer ist, bei nicht wenigen Songs, die einfach so durchrutschen. Natürlich ist die Single "Nights like this" ein hübsches Stück Musik. Nur leider steht die Nummer in Sachen Alleinstellungsmerkmalen völlig nackt da. Natürlich will "Burn the house down" ordentlich für Furore sorgen, entpuppt sich aber letztlich als klarer Fall von großer Klappe ohne Inhalt. Weil hinter dem scheinbar lauten Beginn einfach die Substanz fehlt und die Band das Stück doch wieder in sichere Refrainhäfen steuert.

Wie sie es mit wirklich jedem Stück auf "Paradise" macht. Was aber nichts daran ändert, dass "Life with a view" ein Volltreffer ist, den sich wohl auch die unterstellten Vorbilder ganz gern ans Revers heften würden. Dabei macht der Song nichts grundlegend anders. Hier gelingt es der Band aber ausnahmsweise, unter die Haut ihrer Hörer*innen zu gelangen und dort für nachhaltige Begeisterung zu sorgen. Auch hübsch: "Too far gone", das sich eine zurückgelehnte Haltung gönnt, eine Akustikgitarre und so manch hübsche Gitarrenfigur willkommen heißt und seine Melodien einfach mal machen lässt. Da treffen dann die viel zu oft bemühten Vokabeln von der Authentizität endlich mal zu. Auch "62 (My generation's falling apart)" sprintet in all seiner Eingängigkeit leichtfüßig auf die gute Seite. Ein schaler Nachgeschmack bleibt dennoch. Hier ist das Ganze mal nicht mehr als die Summe seiner Teile. Und "Paradise" ein Album unter vielen.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Life with a view
  • Too far gone

Tracklist

  1. 31
  2. Life with a view
  3. Nights like this
  4. Northern blue
  5. Breathe
  6. The waits
  7. Burn the house down
  8. Electricity
  9. Too far gone
  10. Hold on
  11. Dropout
  12. 62 (My generation's falling apart)
  13. Hunter

Gesamtspielzeit: 43:41 min.

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Armin

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2020-08-30 19:28:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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