Peter Broderick - Blackberry

Peter Broderick- Blackberry

Erased Tapes / Indigo
VÖ: 28.08.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ausgesprochen angenehm

Da singt er ja wieder! Schon schwierig, wenn einer beides kann – wobei, Musik ohne Gesang kriegt man wahrscheinlich noch eher auch mal so hin. Peter Broderick jedenfalls ist so ein Multitalent, einer, der sowohl die reine Instrumentalkunst beherrscht als auch über eine durchaus passable Stimme verfügt. Und weil dem Mann aus Oregon beides viel Spaß bereitet, wechselt er zwischen seinen Veröffentlichungen auch ganz gern mal ein bisschen. Nun ist es tatsächlich schon etwas länger her, dass man als Fan in den Genuss seines Gesangs kam: 2015 war das, auf "All together again", seitdem – Stille. Na ja, fast. Weil Broderick jetzt aber selbst gemerkt hat, dass manche Dinge auch mal ausgesprochen werden müssen, hat er eine kleine Überraschung parat: "Blackberry", das Ende August zunächst digital und erst im Oktober physisch erscheint, lässt auf Taten endlich wieder Worte folgen.

2019 in seinem damaligen heimischen Schlafzimmer aufgenommen, geht es mit dem guten Stück quasi zurück zur Natur. Oder zumindest tief ins Innere: Broderick erzählt von seiner Familie, von seinem Leben und seinen persönlichen Eindrücken. Den Albumtitel habe er gewählt, weil ihm die Endlichkeit der Menschheit aufgrund verschiedener Naturgegebenheiten bewusst geworden wäre und er festgestellt habe, dass die gute alte Brombeere im Grunde überall wächst und somit auch überall im schlimmsten Fall für einen kleinen Snack zwischendurch dienen könnte. Glück in der Apokalypse also! Aber bevor es zu dramatisch wird, steigt man lieber direkt ein in "Blackberry" mit dem ebenso lieblichen wie liebevoll auffordernden Opener "Stop and listen". Da hört man auch gleich, warum Broderick viel besser zu seiner alten und wieder neuen Wahl-Heimat Irland passt als zu London, wo das Album einst in der ehemaligen Behausung entstand. Erdig klingt das nämlich stellenweise, so handfest wie zärtlich. Warmherzig.

Waschechte irische Folksmusik – pardon, Volksmusik natürlich – gibt es im leider viel zu kurzen und überaus urigen "Ode to blackberry", wohingegen "What happened to your heart" vorzüglich den Spagat zwischen Kammermusik, Chor und Lagerfeuerromantik vollzieht. Wie ein Erzähler thront Broderick hier über seiner Hörerschaft, wechselt zwischen einem kleinen Pläuschchen und sanftem Gesang, pfeift gegen Ende sogar eine kleine Melodie und lässt alle fernab von Zuhause spüren, dass sie nicht nur einfache Gäste sind. Muss man auch erstmal schaffen. Noch so ein Kunststück: ein Liebeslied für die eigene Gattin mit einer stattlichen Spielzeit von knapp über neun Minuten raushauen, bei dem allen Beteiligten nicht nach spätestens der Hälfte klebrig-süßer Kitsch aus sämtlichen Poren trieft. "What's wrong with a straight up love song", fragt er da im Titel und gibt die Antwort glatt selbst: Jar nüscht. So muss das nämlich sein.

Mehr Märchen als wirklicher Song ist das, eigentlich sogar noch mehr Tagebuch als Märchen, weil es hier ins Private geht, dazu eine hauchzarte Melodie, bis auch die Leute in der letzten Reihe es verstanden haben und sich fast genauso doll wie Broderick selbst in dessen Gattin Brigid Mae Power verlieben, ohne sie zu kennen. Die ist selbst Sängerin und steht gemeinsam mit ihrem Sohn Seán im Abschlusstrack "Wild food" im feinsten Patchwork-Familienstil am Gastmikrofon. Da grölen sich Stiefvater Broderick und der Kleine gleich ein paar Mal "Come on, dude!" zu, nachdem sie sich im vorhergegangenen Liebeslied noch an einer kleinen Buchstabier-Runde erfreut haben. Nicht nur feine Musik produziert, sondern am Ende auch noch ein bisschen Lehrauftrag erfüllt? Dieser Peter Broderick kann einfach alles.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Stop and listen
  • What's wrong with a straight up love song
  • Wild food

Tracklist

  1. Stop and listen
  2. But
  3. What happened to your heart
  4. The niece
  5. Ode to blackberry
  6. Let it go
  7. What's wrong with a straight up love song
  8. Wild food

Gesamtspielzeit: 41:38 min.

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User Beitrag

cargo

Postings: 321

Registriert seit 07.06.2016

2020-08-31 10:26:13 Uhr
Bin leider ziemlich enttäuscht von dem Album. Nach dem zauberhaften "Let It Go" (für mich auch der mit großem Abstand beste Song der Platte) auf dem letzten Erased Tapes Sampler war meine Erwartung recht groß. Der Rest kann da aber nicht ansatzweise mithalten.

Given To The Rising

Postings: 7213

Registriert seit 27.09.2019

2020-08-31 09:47:08 Uhr
Nicht schlimm, aber wenn jemand drüberguckt, könnte er/sie doch den Link austauschen.

Given To The Rising

Postings: 7213

Registriert seit 27.09.2019

2020-08-30 19:29:18 Uhr
Verlinkt auf Avett Brothers.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18433

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-30 19:28:15 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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